21.02.2019
Hobby

Kugeliger Kitsch - Nürnberger sammelt Schneekugeln aus der ganzen Welt

In ihnen hat Schloss Neuschwanstein Platz oder der Eiffelturm. In ihnen rieselt der Schnee mal auf die Gottesmutter, mal auf Mickey Mouse: Ein Nürnberger hat bis heute 10.000 Schneekugeln zusammengetragen.
Kleine Kunstwerke oder Kitschkugeln - Josef Kardinal liebt Schneekugeln und sammelt sie in der ganzen Welt

Der 69-jährige Nürnberger Josef Kardinal ist passionierter Sammler von Schneekugeln. Der Liebhaber moderner Kunst erhielt 1984 von Freunden seine erste Schneekugel geschenkt und wusste nicht, wohin mit dem kitschigen Souvenir. Also platzierte er es mehr aus Verlegenheit auf dem Klavier. Das verleitete andere Bekannte dazu, ihm ebenfalls Schneekugeln mitzubringen. "So wurde ich vom Sammlervirus infiziert", erklärt Kardinal.

Ein erster Vorläufer der Schneekugel ist wohl auf der Pariser Weltausstellung im Jahr 1878 präsentiert worden. Das Patent für eine "Glaskugel mit Schneeeffekt" sicherte sich der Wiener Mechaniker für Chirurgieinstrumente und Erfinder, Erwin Perzy. Seine Erfindung per Zufall hatte ihn selbst so begeistert, dass er um das Jahr 1900 in Wien eine Schneekugelmanufaktur gründete, die bis heute aktiv ist.

Kitsch oder Kunst?

Für Kardinal sollen die Kugeln, in denen es nach dem Schütteln kräftig schneit, möglichst kitschig sein, der "Kitsch muss wehtun". In einer Vitrine stehen ganz alte Exemplare, weiter hinten finden sich einige der wenigen Schneekugeln, die in der früheren DDR hergestellt wurden. Im Nebenraum stehen Schneekugeln mit Gruselmotiven oder die Exponate aus dem Hause Disney. Die Disney-Motive sind auf 500 bis 3000 Stück streng limitiert und wohl die einzige Sparte, die als wertvoll oder gar "Wertanlage" eingestuft werden kann. Die meisten Stücke haben nur Liebhaberpreise.

Der Fan von Hundertwasser und James Rizzi hat seine Sammlung in den beiden Kellerräumen untergebracht und vom Boden bis unter die Decke die Regale vollgestopft. Die vereinzelten Lücken, die zu sehen sind, sind die Standorte von Leihgaben. So gibt es seit Ende November im Stadtmuseum Crailsheim die Ausstellung "Was vom Winter übrigbleibt - Schneekugeln aus der Sammlung Josef Kardinal" zu sehen. Auch für Film- oder TV-Produktionen werden immer wieder Schneekugeln ausgeliehen, gerade jetzt etwa für eine neue Staffel der ZDF-Vorabendserie "Dr. Klein".

Der Flockensammler Josef Kardinal aus Nürnberg hat im Dezember seine 10.000ste Schneekugel ergattert. Stolz zeigt er seine Schätze im überfüllten Keller.

Mehr Platz im Keller räumt Ehefrau Kardinal ihrem Mann mit seiner Mission "Sammeln und Bewahren" nicht ein. Ansonsten hat sie sich aber mit seinem Hobby arrangiert. Denn um die Schneekugeln der französischen Loire-Schlösser zu bekommen, musste jedes einzelne bereist werden. Euro-Disney-Land in Paris wurde bereits acht Mal besucht, um die jeweils neuste Schneekugel-Edition zum Disney-Film zu ergattern.

Erst wenn er die nächste Kugel habe, beginne der Urlaub, sagt seine Frau über ihn. Der knappe Platz macht Kardinal keine Sorgen. Dreimal täglich sieht er auf der Verkaufsplattform eBay nach, ob unter den rund 700 Verkaufsangeboten etwas für ihn dabei ist. Ansonsten verschwindet er alle halbe Jahre für drei Wochen abends im Keller. Dann werden seine Stücke abgestaubt, geschüttelt - damit der Schnee nicht verklebt - und mit Wasser nachgefüllt. Rund 20 bis 30 Liter destilliertes Wasser, um seine "weltgrößte Sammlung" zu pflegen.

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