18.01.2018
Gedenktage

Der 18. Januar ist Tag des Schneemanns. Zumindest, wenn es nach Cornelius Grätz geht. Der Reutlinger bestückt mit Exemplaren aus seiner 4.000 frostige Gesellen umfassenden Sammlung noch bis März eine Ausstellung im bayerischen Sonthofen.
Am 18. Januar ist Weltschneemanntag.
Am 18. Januar ist Weltschneemanntag.

Es ist angenehm warm bei Cornelius Grätz im Reutlinger Südwesten. Den rund 4.000 Schneemännern, die der 47-Jährige in Wohnung und Keller beherbergt, macht das nichts aus. Keiner davon ist aus Eis. Sie wurden auf Papier gedruckt, in Plastik gegossen, in Holz geschnitzt. Lange Jahre hielt Grätz mit seiner Sammlung den Spitzenplatz im Guinness-Buch der Rekorde, 2015 verlor er ihn an eine US-Amerikanerin. Aktuell bestückt er mit mit seinen Männern aus Schnee die Ausstellung »Der Schneemann – ein frostig-freundlicher Geselle« im bayerischen Sonthofen.

Den 18. Januar hat der gelernte Buchhändler, der heute sein Geld mit Webdesign und Social-Media-Beratung verdient, 2010 zum Weltschneemanntag ausgerufen. Die eisigen Figuren lassen sich seiner Ansicht nach international vor jeden guten Karren spannen. Sie sind unumstritten, da sie weder einen religiösen noch einen politischen Hintergrund haben. Klimaschützer könnten mit diesem Symbol gegen die Erderwärmung kämpfen, Trinkwasserprojekte könnten den Mann aus gefrorenem Wasser für Kampagnen nutzen, auch Obdachlosigkeit lasse sich mit dem Schneemann verbinden.

Wie der Tag des Schneemanns entstand

Die Logik des Termins: Er sollte mitten im Winter liegen; die »8« kommt der Form eines Schneemanns schon recht nahe, die »1« daneben symbolisiert den Besen - deshalb der 18. Januar. Doch weder die Vereinten Nationen noch eine andere internationale Organisation haben den Appell zum Weltschneemanntag bislang aufgegriffen. Die Stadt Weida in Thüringen allerdings veranstaltet inzwischen jährlich ein Schneemannfest an diesem Tag. Auch Hotels präsentieren das Thema für ihre Gäste. Grätz ist guter Dinge, dass die Idee Zukunft hat.

Angefangen hat alles mit einem Schneemann aus Marzipan, den der Reutlinger 1983 geschenkt bekam. Er hatte keine Lust, die Figur zu verspeisen, bewahrte sie auf und stellte ihr in den Folgejahren immer mehr Begleiter zur Seite. Erst zehn Jahre später wurde ihm bewusst, dass er ein Schneemannsammler war. Für Familie und Freunde bedeutete das eine große Erleichterung - bei Grätz hatte man kein Problem mehr, ihm ein gutes Geschenk zu machen. Es musste nur seine Sammlung erweitern.

Grätz hält den Mann aus Schnee für einen idealen ökologischen und sozialen Botschafter.
Grätz hält den Mann aus Schnee für einen idealen ökologischen und sozialen Botschafter.

Heute lagern in Kisten und Regalen Tausende Schneemänner aller Art: Drucke in Zeitschriften und auf Postkarten, zahllose Anhänger für den Weihnachtsbaum, Dekor für verschiedenste Alltagsgegenstände. Sein größtes Stück ist ein aufblasbarer Schneemann, der durch einen Ventilator auf drei Meter Länge wächst. Der kleinste wurde aus Holz geschnitzt - und zwar aus einem Zahnstocher. Es gibt sogar Schneemann-Kondome. »Keine Ahnung, wer die benutzt«, lacht Grätz.

Sein beharrliches Drängen beim Bundesfinanzministerium hat dazu geführt, dass 2014 die erste Briefmarke (60 Cent) mit Schneemann-Motiv erschien. Außerdem haben ihm Prominente wie Udo Lindenberg, Wolfgang Joop, Hape Kerkeling und Dirk Bach einen Schneemann gezeichnet und signiert. Bei Bundeskanzlerin und Bundespräsidenten, beim Designer Luigi Colani und Schriftsteller Günter Grass biss er mit seiner Bitte um einen persönlichen Schneemann-Gruß dagegen auf Granit.

Grätz: »Ich will den Weltrekord zurück«

Die ältesten Grafiken mit Schneemännern stammen aus dem späten 18. Jahrhundert. Damals baute man noch nicht den Typ aus drei Kugeln, sondern formte einen Menschen mit Beinen nach, der mit einem Stock stabilisiert wurde. Erst mit dem Boom der Pädagogik entwickelten sich nach Grätz' Recherchen auch Anleitungen, wie man mit Kindern den Mann aus Kugeln bauen konnte. Ein besonders rares Stück in seiner Sammlung ist eine Metallform aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, in der Schokoloden-Schneemänner gegossen wurden.

Die Leidenschaft für Schneemänner hat Grätz auch nach 25 Jahren nicht verloren. Er bestückt Ausstellungen wie derzeit im Heimathaus im bayerischen Sonthofen, noch zu sehen bis 18. März. Und wirbt bei jeder Gelegenheit für den Mann aus Schnee, den er für einen idealen ökologischen und sozialen Botschafter hält. Und Grätz hat ein klares Ziel vor Augen: »Ich will den Weltrekord zurückbekommen.«

Ausstellung in Sonthofen

Die Ausstellung Der Schneemann – ein frostig-freundlicher Geselle findet noch bis 18. März 2018 im Heimathaus in Sonthofen statt.

 

Schneemannsammlung

Details über die Sammlung von Cornelius Grätz gibt es auf seiner Homepage.

ShareFacebookTwitterGoogle+Share

Weitere Artikel zum Thema: