7.05.2018
Kindertagesstätten

Nürnberger Karg-Kita zählt zu den besten zehn in Deutschland

Rund 1.400 Kitas wollten den Deutschen Kita-Preis. Zehn Finalisten blieben übrig, darunter nur eine Kindertagesstätte in Bayern. Die Nürnberger Hans-Georg Karg Kita besuchen Kinder mit Förderbedarf, aus armen Verhältnissen und Hochbegabte gemeinsam - und lernen so voneinander.
Hans-Georg Karg Kita in Nürnberg

Noch liegt Bruno im Büro auf der Seite auf dem Boden und döst vor sich hin. Aber noch vor dem Mittagessen wird der ungewöhnliche Erzieher, ein vierjähriger reinrassiger Labrador, mit den Kindern der Hans-Georg Karg Kita in Nürnberg im Garten zum Toben gehen. Der große braune Therapiehund ist nicht das einzig Besondere an der Kindertagesstätte, die es unter die zehn Finalisten für den Deutschen Kita-Preis geschafft hat.

Für Leiterin Beatrix Hirschbolz-Ter sind das Besondere in ihrer Einrichtung die 60 Buben und Mädchen: "Wir haben so tolle Kinder, von denen wir sehr viel lernen können", schwärmt sie. Die Mischung macht's da: "Die Hälfte kommt aus dem Stadtteil St. Leonhard in Nürnbergs Süden, die anderen Kinder haben besonderen Förderbedarf oder sind hochbegabt. "Jeder profitiert von jedem", erklärt Hirschbolz-Ter.

Hans-Georg Karg Kita: Kinder dürfen mitbestimmen

Philosophie zum Jahresthema "Herzensbildung", Fußball, Yoga, Turnen, oder wissenschaftliche Experimente, die Workshop-Vielfalt in der Hans-Georg Karg Kita ist immens. Die neuen Angebote, der richtige Caterer, das Motto der Feste - alles bestimmen Kinder und Erzieher zusammen und beziehen immer noch die Eltern mit ein. Kinder, die sich besonders auskennen, dürfen den anderen erzählen, was sie wissen und den Schwächeren helfen. Das "Haus für frühe Bildung und Begabung" des Christlichen-Jugend-Dorfs (CJD) gibt es jetzt bereits 18 Jahre. Auf zehn Kinder kommt eine Erzieherin oder ein Erzieher, gefördert wird die gute Ausstattung von der Karg-Stiftung.

Immer noch gebe es Leute, die die Einrichtung misstrauisch für einen "Elitekindergarten" halten, bekennt die Leiterin. Der Ruf der Hochbegabtenförderung werde inzwischen aber besser, weil die Pädagogenausbildung an den Hochschulen sich der frühen Kindheitspädagogik allmählich nähere. Die Kita ist eine ganz normale Kindertagesstätte und jedes Kind bekommt das, was es braucht.

 

Die Hans-Georg Karg Kita in Nürnberg zählt zu den zehn besten Einrichtungen in Deutschland. Woran das liegt, hören Sie im Radio-Beitrag von Jasmin Kluge.

Auf Esskultur wird viel Wert gelegt

Auf dem Tisch im Gruppenraum stehen Schüsseln mit Bananenscheiben, Sonnenblumenkernen, Beeren und anderen gesunden Frühstückszutaten. Die Ernährung spielt in dieser Kita eine nicht unbedeutende Rolle. Hier wie in vielen anderen Großstadtkindergärten kommen einige der Zwerge ohne Frühstück in die Kita, erzählt Hirschbolz-Ter.

"Wir haben Kinder von Sozialhilfeempfängern, Migranten oder ganz jungen Eltern, die wissen nicht, dass man Kindern keinen Eistee oder so geben soll", erklärt die Leiterin. Und die Kinder lernen, mit Messer und Gabel zu essen, ordentlich am Tisch sitzen und sich gepflegt beim Essen zu unterhalten. Zu den Besonderheiten an der Hans-Georg Karg-Kita gehören aber wohl auch die Kita-Leiterin und ihre Mitarbeiter: Die Selbstverständlichkeit, mit der sie stets ihre Schützlinge ins Zentrum stellen, ist beeindruckend. Nicht den Bruchteil einer Sekunde zögert Hirschbolz-Ter bei der Frage, was die Nürnberger denn mit 25.000 Euro Preisgeld angefangen hätte, wenn sie Deutschlands beste Kita geworden wäre? "Das müssen wir die Kinder fragen!"

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efa