14.09.2017
Schmerzpatient Michael Autrum nimmt seit 2014 Cannabis

Michael Autrum erhält seit 2014 Cannabis-Blüten zur Verdampfung aus der Apotheke – zuvor war er auf starke Morphine angewiesen. Im Interveiw berichtet er von seinen Erfahrungen mit dem neuen Gesetz zur Verordnung von medizinischem Cannabis. Das Gesetz ist seit März in Kraft.
Schmerzpatient Michael Autrum.
Schmerzpatient Michael Autrum bekommt seit der Gesetzesänderung kein Cannabis mehr in der Apotheke.

 

Herr Autrum, wie ist es Ihnen mit der Gesetzesänderung bislang ergangen?

Michael Autrum: Das mit dem Cannabis ging gut, die ersten zwei, drei Monate. In der Apotheke sind jetzt aber keinerlei Sorten mehr verfügbar. Mein Arzt hat mir deshalb Dronabinol-Tropfen verschreiben müssen. Das Medikament hat 22 000-mal weniger THC-Wirkstoff als Cannabis-Blüten – das ist natürlich ein Unterschied wie Tag und Nacht. Wir Cannabis-Patienten sind jetzt wirklich aufgeschmissen.

Was heißt das konkret für Sie?

Michael Autrum: Ohne die Cannabis-Blüten kann ich bei Weitem nicht so gut am Leben teilhaben. Ich merke selber, dass Tropfen mir nicht so guttun, auch von den Schmerzen her. Vor der Umstellung auf Cannabis habe ich alles an Schmerzmitteln nehmen müssen, was es so gab: Meine Höchstdosis waren 44 Tabletten am Tag, inklusive Morphinpumpe. Das ging irgendwann gar nicht mehr: Eine Nebenwirkung war zum Beispiel hohe Aggressivität. Ich fand beschämend, dass ich so war. Das war nicht ich.

Andere Patienten klagen über Schwierigkeiten bei der Kostenübernahme durch die Krankenkassen.

Michael Autrum:  Ich habe die Kostenübernahme sofort bekommen. Am 10. März war das Gesetz da, seit dem 11. März habe ich die Kostenübernahme. Ich finde das Gesetz in dieser Hinsicht super – aber ich weiß auch von anderen Patienten, die noch schlimmer dran sind, die womöglich sogar Krebs haben, dass sie keine Kostenübernahme bekommen haben.

Sie sind in einem Selbsthilfe-Netzwerk organisiert. Welche Optionen sehen Sie und andere jetzt?

Michael Autrum: Das ist eine gute Frage. Auf dem Schwarzmarkt versorge ich mich nicht. Ich könnte das machen, ein Gericht würde da wohl einen Notstand anerkennen. Aber was bringt es mir, wenn das Cannabis mit Haarspray versetzt ist oder getränkt wurde mit Wasser, damit es schwerer ist? Ein anderes Problem sind die Kosten.

Inwiefern?

Michael Autrum: Früher hab ich 60 Euro in der Apotheke bezahlt für fünf Gramm Cannabis. Jetzt, nach der Gesetzesänderung, würde ich 200 Euro für die gleiche Menge zahlen, wenn ich das privat übernehmen würde. In Holland bezahlen Patienten 30 Euro für fünf Gramm medizinisches Cannabis.

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