15.01.2013
#Glaubensfrage

Uschi Glas: Die Kirche hat mich rebellisch gemacht

Die Schauspielerin Uschi Glas (68) ist seit den 1960er Jahren regelmäßig im Fernsehen oder auf der Theaterbühne zu sehen und hat für ihre Arbeit zahllose Auszeichnungen erhalten. Was viele nicht wissen: Die Niederbayerin ist sozial sehr engagiert. Vor vier Jahren hat sie das Projekt 'BrotZeit' ins Leben gerufen, um hungernden Grundschülern vor dem Unterricht ein Frühstück zu ermöglichen.
Schauspielerin Uschi Glas

Frau Glas, Sie haben einmal gesagt, dass Sie keine Angst vor dem Tod haben. Woher kommt diese Gelassenheit?

Uschi Glas: Ich lebe richtig gern. Ich kann den Tod nicht ändern. Es ist klar, dass wir alle sterben müssen. Dadurch habe ich gelernt, dass ich mein Leben wertvoller machen muss. Jede Stunde ist wichtig. Ich möchte mein Leben bewusst wahrnehmen, weil die Uhr tickt. Als junger Mensch verplempert man gern mal Zeit. Das passiert mir nicht mehr.

Sie werden im nächsten Jahr 70. Haben Sie Angst vor dem Alter?

Glas: Wenn du nicht alt werden willst, musst du vorher sterben. Und dann wäre es dumm gelaufen. Angst zu haben vor dem Sterben oder Altern - das sind negative Gedanken, die nichts bringen. Man kann sich nicht einfach mal richtig fürchten, und dann ist man dem Alter ausgewichen. Sich vor einer Krankheit zu fürchten, ist genauso ein Krampf. Das Leben ist etwas sehr Positives, und genauso sollte man es sehen.

Uschi Glas zu Gast im EPV

Gibt Ihnen da auch Ihr Glaube Kraft?

Glas: Ich bin immer noch evangelisch und zahle auch meine Kirchensteuer. Ich glaube aber nicht an einen katholischen oder evangelischen Gott. Es gibt für mich nur einen Gott. Alles andere sind  Orientierungshilfen, die sich der Mensch mal zurechtgelegt hat. Für mich ist wichtig, dass ich an etwas glaube. Und ich glaube, dass es mehr gibt als nur Geburt, Leben, Tod. Wir haben hier auf Erden eine Verantwortung.

Sie sind in Niederbayern - einer tiefkatholischen Gegend - aufgewachsen. Wie war das für Sie als Protestantin?

Glas: Mein Vater ist evangelischer Franke, meine Mutter Katholikin aus Schwaben. Sie ist dann der Liebe wegen - zum Entsetzen meiner Großeltern - konvertiert. Das war nicht einfach, wir Evangelische waren ja Ketzer. Ich wurde als Kind verlacht, dazu kam, dass ich dunklere Haut hatte. Das war für mich schon heftig, zu erleben, dass ich anders bin und deshalb ausgegrenzt werde.

Dossier

#Glaubensfrage

Woran glaube ich? An welchen Werten orientiere ich mich? Welche Rolle spielen Gott und Religion in meinem Leben? Das sind Fragen, mit denen sich Prominente aus Kirche und Politik, Gesellschaft und Kultur in unserer Reihe #Glaubensfrage beschäftigen. Mehr dazu in unserem Dossier: www.sonntagsblatt.de/glaubensfrage

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