27.11.2016
Kirchengeschichte

Zum Gedenken an den Theologen Thomas Breit

Der Pfarrer und Oberkirchenrat Thomas Breit starb vor 50 Jahren. Er war einer der Verfasser der "Barmer Erklärung". Und die wandte sich gegen die Nationalsozialisten.
Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm am Grab vom Thomas Breit. Im Hintergrund Mitglieder der Familie Breit.
»Ein sehr besonderer Tag«: Heinrich Bedford-Strohm am Grab vom Thomas Breit. Im Hintergrund Mitglieder der Familie Breit.

Heinrich Bedford-Strohm kam ohne große Delegation - aber der Besuch war ihm wichtig. Es sei "ein sehr besonderer Tag" für ihn, sagte der bayerische evangelische Landesbischof am Grab von Thomas Breit auf dem Protestantischen Friedhof in Augsburg. Bedford-Strohm legte dort einen Kranz für den Pfarrer und Theologen nieder. Er wolle damit Breits "zentrale Bedeutung für unsere Kirche" würdigen, betonte der Landesbischof.

Vor 50 Jahren, am 18. November 1966, war Thomas Breit gestorben. Der lutherische Theologe war während der Zeit des Nationalsozialismus maßgeblich an der Ausarbeitung der sogenannten "Barmer Theologischen Erklärung" beteiligt. Die im Mai 1934 verabschiedete Schrift gilt als Grundsatzerklärung der Bekennenden Kirche während der Herrschaft der Nationalsozialisten. Die Verfasser sprachen sich darin gegen einen totalitären Staat aus und wandten sich gegen eine Verbindung zwischen der Botschaft des Evangeliums und dem Nationalsozialismus.

Charismatische Person

Zusammen mit den Theologen Karl Barth und Hans Asmussen hat Breit den Text der Barmer Erklärung für die erste Synode der Bekennenden Kirche entworfen. Breits Person sei auch deshalb für die Kirchengeschichte "von großer Bedeutung", weil er an dieser Erklärung mitgearbeitet habe, erklärte Bedford-Strohm. Breit habe bereits vor 1933 "deutlich zum Ausdruck gebracht, dass Christsein und Nationalsozialismus unvereinbar sind". Ihm sei es dabei stets um die Theologie und nicht um Kirchenpolitik gegangen - "um Rückbesinnung auf das Wort Gottes und das Schauen auf Christus", erklärte der Landesbischof. Die sei auch heute wieder aktuell, wenn es darum gehe, über den Weg der Kirche und der Gesellschaft nachzudenken.

Breit hat das ein Leben lang getan. 1880 in Ansbach geboren, war er 17 Jahre lang Pfarrer in der Kirche St. Ulrich in Augsburg. Er sei ein sehr charismatischer Mensch und ein besonderer Seelsorger gewesen, berichtete der heutige Pfarrer von St. Ulrich, Frank Kreiselmeier, bei der Gedenkfeier: "Die Menschen sind Schlange gestanden, um mit ihm zu sprechen und ihm zuzuhören."

Nach seiner Zeit in Augsburg ging Breit als Dekan nach Hof. Anschließend war er Oberkirchenrat in München. Nach 1945 vertrat er unter anderem die Religionsgemeinschaften im Bayerischen Senat. Sein Vermächtnis, die Barmer Theologische Erklärung, soll künftig in die Kirchenverfassung der bayerischen Landeskirche einfließen.

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