13.08.2020
Tourismus in Corona-Zeiten

Menschliche Nähe trotz Abstandsregel: Drei Fragen an den kirchlichen Tourismusbeauftragten Roßmerkel

Durch Corona wurden viele Termine im Frühjahr abgesagt, weitere werden nur zaghaft und unter besonderen Maßnahmen wieder stattfinden. Drei Fragen an Thomas Roßmerkel, Tourismusreferent der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern.

Freiluftgottesdienste sind seit vielen Jahren ein wichtiges Standbein der evangelischen Kirche in Bayern, mit denen sie viele Menschen erreicht, die vielleicht nicht mehr so oft einen Kirchenraum betreten. Thomas Roßmerkel, landeskirchlicher Tourismusreferent, erläutert, wie die Lage derzeit ist.

Herr Roßmerkel, der "Lockdown" im Frühjahr 2020 traf ja nicht nur die Gottesdienste in den Kirchen, auch viele Freiluftgottesdienste wurden abgesagt. Wie sieht die Situation derzeit aus?

Roßmerkel: Erfreulicherweise sind seit Pfingsten die Beschränkungen gerade auch für Gottesdienste im Freien deutlich gelockert worden. Bis zu 200 Personen können jetzt schon mitfeiern. Das reicht für die meisten Gottesdienste, gerade angesichts der Tatsache, dass die Gästezahlen noch nicht das normale Level erreicht haben.

Manche Gottesdienste, die normalerweise 400 bis 500 Besucherinnen und Besucher haben und die in starkem Maße von den Bergbahnen abhängen, mussten wir freilich absagen. Aber alle Gäste freuen sich über Gottesdienste im Freien. Die Menschen drängen ja in die Natur und freuen sich über Angebote im Urlaub, da ja viele touristische Großevents in den Urlaubsorten abgesagt werden müssen.

Hygienemaßnahmen und Abstandhalten sind derzeit ein Muss. Sind Gottesdienste im Freien da nicht ein Modell für die Zukunft?

Roßmerkel: Ich erlebe jetzt auch Kirchengemeinden, die ihre Gottesdienste - sofern das Wetter es zulässt - in den Kirchgarten verlegen, weil die Durchführung dadurch erleichtert wird. Und viele Menschen lieben es, in der Natur zu feiern. Auch wenn natürlich die gesammelte Atmosphäre eines Kirchenraumes auch ein Schatz ist, den wir pflegen sollten.

Bei vielen unserer Angeboten ist ja das zu erleben, was Menschen jetzt verstärkt suchen: Beziehungen, das heißt menschliche Nähe trotz Abstand und die Möglichkeit zu Gesprächen. Genau das ist ja das Profil unserer Angebote seit Jahren im Bereich "Kirche und Tourismus" unserer Landeskirche.

Welche "aus der Not geborenen" Formate und Ideen sind dazu gekommen?

Roßmerkel: Zum einen feiern Kirchengemeinden Gottesdienste im Freien eher in Ortsnähe, auf kleinen Hügeln beispielsweise, die man zu Fuß ohne Bergbahn erreichen kann. Zum anderen sind viele kleinere Formate hinzugekommen. Zum Beispiel ein Vollmondspaziergang als ein meditativer Spaziergang mit Geschichten, Gebeten und Gedanken zum Mond.

Oder meditative Abendgebete im Kurpark oder eine Meditation zum Sonnenaufgang und auch eine Meditation mit Körpergebet an einer Quelle oder einem Brunnen. Daneben gibt es natürlich viele meditative Wanderungen und Spaziergänge. Darunter gibt es einen literarischen Waldspaziergang, bei dem zu verschiedensten Stationen passende literarische Texte gelesen werden oder ein meditativer Spaziergang zu beeindruckenden Bäumen der Gegend.

ShareFacebookTwitterShare

Weitere Artikel zum Thema:

"Kirche in Bayern"

Die Konfirmation ist üblicherweise das erste große Fest auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Dann kommen die ganze Familie und Freunde, um dieses Ereignis zu feiern. Aber nicht 2020. Nicht unter strengen Hygienevorschriften. In der Münchner Gemeinde St. Matthäus hat man es trotzdem gewagt, die 15 jungen Männer und Frauen noch vor den Sommerferien zu konfirmieren.

Sommerakademie Nürnberg

Die AHA-Regel
Autor
Ein "dichtes Programm für Herz und Verstand, Körper und Seele in ungewöhnlichen Zeiten" bietet die Evangelische Stadtakademie Nürnberg ab Mitte Juli in ihrer Sommerakademie. Leiter Ekkehard Wohlleben erklärt, wie das Team mit Angeboten zu Theologie, Kunst und Kultur sowie "Spritztouren" zum Thema Wasser den Einschränkungen durch das Coronavirus trotzen will.