5.08.2020
Corona und Kirche

"Kirche hat sich in der Corona-Krise nicht weggeduckt" - Zwei neue Dekane im Kirchenkreis Nürnberg

Die Nürnberger evangelische Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern hat zwei Gottesdienste am Wochenende genutzt die Kirchen gegen Kritik zu verteidigen. Sie seien in der Corona-Krise bei den Menschen.
Elisabeth Hann von Weyhern, Regionalbischöfin des Kirchenkreises Nürnberg
Elisabeth Hann von Weyhern, Regionalbischöfin des Kirchenkreises Nürnberg, teilt sich das Amt seit 2006 mit ihrem Ehemann Stefan Ark Nitsche.

Während der Corona-Krise sind Pfarrerinnen und Pfarrer für die Menschen da und da gewesen. Das hat am Wochenende bei zwei Einführungsgottesdiensten in Altdorf (Landkreis Nürnberger Land) und Gräfenberg (Landkreis Forchheim) die Nürnberger evangelische Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern betont.

Sie widersprach damit Vorwürfen, die Kirchen hätten in der Krise versagt. Davon könne keine Rede sein, sagte Hann von Weyhern laut einer Mitteilung. "Die Kirche hat sich in der Corona-Krise nicht weggeduckt und sie wird das auch in Zukunft nicht tun".

Die Pfarrerinnen und Pfarrer hätten telefonische Hausbesuche gemacht, Hilfe für in Not geratene geleistet, getröstet und Mut gemacht.

"Wir haben kreativ Gottesdienst digital gefeiert. Selten sind Gottesdienste so angenommen worden", stellte die Regionalbischöfin fest. So viele Menschen seien dankbar, in Angst und Unsicherheit geistlichen Trost zu finden. "Unsere Seelsorger haben Unglaubliches geleistet. Wir haben unter den Bedingungen eines Ausnahmezustandes alles Mögliche getan, um unserem Auftrag an den Menschen gerecht zu werden. Nicht wenige sind hier auch an ihre Grenzen gegangen.

Unter anderem hatte die "Süddeutsche Zeitung" in ihrer Freitagsausgabe auf der Titelseite die Kirchen gefragt "Wo seid ihr?". Die frühere thüringische Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht hatte bereits vor einigen Wochen die Kirchen kritisiert. Sie hätten sich nicht um die Alten und Kranken gekümmert.

Hann von Weyhern führte am Samstag in der Laurentiuskirche in Altdorf den neuen evangelischen Dekan im Dekanatsbezirk, Martin Adel, ins Amt ein.

Am Sonntag fand die Einführung des neuen Gräfenberger Dekans, Reiner Redlingshöfer. Sie freue sich über "zwei gleichsam erfahrene wie innovationsfreudige Kollegen, die in ihren jeweiligen Dekanaten mit Schwung und Augenmaß die Veränderungsprozesse der Gemeinden in diesen herausfordernden Zeiten begleiten und antreiben werden", sagte die Regionalbischöfin.

Der 57-Jährige Martin Adel sagte, er freue sich auf seine Tätigkeit im Dekanat Altdorf, "mit seiner langen evangelischen Tradition, den vielen Posaunenchören und den schönen Kirchen als in Stein gehauenen Bekenntnissen des Glauben". Geboren und aufgewachsen ist Adel in Oettingen.

Er war Pfarrer am Ammersee, in Hof und zuletzt seit 2008 als geschäftsführender Pfarrer der Fürther Südstadt-Kirchengemeinde St. Paul tätig. Er ist mit einer Ärztin verheiratet und hat fünf erwachsene Kinder und drei Enkelkinder. Das Dekanat Altdorf umfasst 13 Kirchengemeinden mit rund 28.000 Gemeindegliedern.

Am Sonntag nahm im Dekanat Gräfenberg Reiner Redlingshöfer (57), seinen Dienst auf.

Nach einer ersten beruflichen Station in der Versicherungsbranche und einer zweiten als Leiter des Büros der Landrätin des Landkreises Fürth, ist Redlingshöfer als "Spätberufener" zum Studium der Theologie gekommen, teilte das Büro der Regionalbischöfe mit. In den vergangenen knapp zehn Jahren war Redlingshöfer Pfarrer der Paul-Gerhardt-Kirche Stein-Deutenbach.

Das Dekanat Gräfenberg am Eingangstor zur Fränkischen Schweiz umfasst zwölf Kirchengemeinden mit rund 12.000 Gemeindegliedern. Für ihn sei dort die Kombination von klassischem Gemeindepfarramt und der Leitung des Dekanatsbezirks sehr wichtig, erklärte Redlingshöfer. Das passe gut "zu meinem ganzheitlichen Verständnis meiner Berufung als Pfarrer".

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