16.06.2020
Abschied

Im Porträt: Der Passauer Dekan Wolfgang Bub geht in den Ruhestand

Er war Troubleshooter, realisierte das evangelische Zentrum in Passau und kämpft bis heute für protestantische Interessen in der extremen Diaspora. Der Passauer Dekan Wolfgang Bub scheidet Ende Juni mit 62 Jahren aus dem Amt. Ein Porträt.
Wolfgang Bub, evangelischer Dekan von Passau
Wolfgang Bub, evangelischer Dekan von Passau.

Das evangelische Zentrum in Passau ist die Herzkammer des Protestantismus im katholischen östlichen Niederbayern. Am Himmelfahrtstag 2013 wurde es eingeweiht. Dekan Wolfgang Bub gibt diesem zentralen Ort sein Gesicht.

"Planung und Finanzierung wurden von meiner Vorgängerin Edda Weise auf den Weg gebracht", sagt Bub einschränkend. Aber er setzte den Bau in die Tat um.

Projekte von Dekan Bub

Wenige Jahre später folgten die Sanierung der ehrwürdigen Passauer Matthäuskirche, einst von dem Münchner Hofarchitekten Friedrich Bürklein konzipiert, und der Friedenskirche. Auch der Bau des ökumenischen Zentrums in Bad Griesbach trägt seine Handschrift. Insgesamt verwaltete er als Dekan eine Bausumme von mehreren Millionen Euro.

Ende Juni geht Bub nun in den Ruhestand. Als "Realisierer von Baudenkmälern" wolle er aber nicht in Erinnerung bleiben, sagt er als Theologe.

"Mir war wichtig, Kirche möglichst zukunftsfähig zu gestalten in der extremen Diaspora."

"Dass wir Gebäudlichkeiten haben, in denen wir als evangelische Christen unseren Glauben mit anderen zusammen leben können, wo wir uns begegnen können. Und da bin ich froh, dass wir in Passau und in der Region jetzt solide aufgestellt sind."

Bub versteht es, Projekte kämpferisch voranzubringen. Aber er kennt auch seine Grenzen. Vor seiner Dekanszeit 2008, sollte er als Vorstandsvorsitzender die Rummelsberger Diakonie wieder auf Vordermann bringen.

Kräftezehrende Zeiten

Das Sozialunternehmen war damals in eine wirtschaftliche Schieflage geraten. Zudem war sein Vorgänger der Übergriffe auf junge Diakone beschuldigt worden. Eine "äußerst schwierige und emotionsgeladene Situation", in der Bub auch persönliche Angriffe wegstecken musste. Er leitete die ersten Schritte zu einer Beruhigung ein und stellte auch eine wirtschaftliche Konsolidierung her.

In seiner beruflichen Karriere sei dies keine einfache Phase gewesen sei. 2010 schied Bub auf eigenen Wunsch in Rummelsberg aus: Ein Kräfte zehrendes Troubleshooting lag da hinter ihm. "Ich weiß nicht, ob ich heute noch berufstätig wäre, wenn ich geblieben wäre", sagt er mit Blick auf seine Gesundheit.

Dekan in Passau

Bub wurde im Oktober 2011 als Dekan in Passau eingeführt. Der Dekanatsbezirk umfasst die Landkreise Freyung-Grafenau, Passau und Rottal-Inn, dazu die Stadt Passau. Zum Bezirk gehören 16 Kirchengemeinden mit knapp 28.000 Evangelischen.

Dekan Bub ist Vorsitzender der Evangelischen Erziehungsstiftung Ortenburg mit Realschule und Internat, Aufsichtsratsvorsitzender des Diakonischen Werkes, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Passau (AcK), des Ökumeneausschusses und des Kuratoriums der Jugendtagungsstätte Rammelsbach.

"Ich wollte vor allem immer die Menschen erreichen."

Der Theologe schreckte auch nicht davor zurück, der Landeskirche den Spiegel vorzuhalten. Als Passau im vorigen Jahr Erprobungsdekanat für den neuen Landesstellenplan wurde, arbeitete er mit Elan daran mit.

"Wenn Konzepte in den Arbeitszentralen der Landeskirche entwickelt werden, sind die oft nur für die Ballungsräume bestimmt. Wir dürfen dabei als extreme Diaspora aber nicht aus dem Blick geraten", forderte er.

Lebenslauf

In Altdorf bei Nürnberg geboren, wuchs Bub im mittelfränkischen Leinburg auf, wo seine Familie seit Generationen eine Brauerei betreibt. 1976 begann er mit einem Jurastudium, wechselte aber aufgrund prägender Glaubenserfahrungen 1977 zur Theologie.

1989 schloss er sein Theologiestudium mit einer Promotion zum Thema "Evangelisation in der Volkskirche" ab.

Sein Vikariat absolvierte er im mittelfränkischen Roth. Sein Mentor war der damalige CSU-Bundestagsabgeordnete und Pfarrer Hans Roser. Es folgten Stationen in St. Matthäus in Regensburg (1990 bis 1998) und als Dekan in Neumarkt (1998 bis 2008).

Nach Neumarkt will er im Ruhestand auch zurückkehren. Bis heute habe er einen Zweitwohnsitz in der Oberpfälzer Stadt, weil seine Frau dort als Katechetin in der Schule tätig ist.

Auch die ältere der beiden erwachsenen Töchter lebt mit Familie dort. Im Ruhestand will Bub sich um die bald drei Enkelkinder kümmern und endlich seinen Traum von einer Bluesband erfüllen - mit Bub am E-Piano.

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