14.04.2018
Reproduktionsmedizin

CSU-Politikerin Melanie Huml fordert ein Fortpflanzungsgesetz. Tatsächlich sind viele Dinge in der Reproduktionsmedizin nicht geregelt.
Baby Geburt Entbindung

Die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) fordert vom Bund ein umfassendes und modernes Fortpflanzungsgesetz. Zum Start der kirchlichen "Woche für das Leben" erklärte sie, dass viele ungewollt kinderlose Paare die Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin nutzen wollten. Bislang seien aber einige Methoden, wie etwa die Embryonenspende, gesetzlich gar nicht geregelt. Das deutsche Embryonenschutzgesetz, das ein reines Strafgesetz sei, sei inzwischen fast 30 Jahre alt.

"Es hinkt dem wissenschaftlichen Fortschritt hinterher und berücksichtigt weite Teile der Reproduktionsmedizin gar nicht," sagte Huml. Es brauche Rechtssicherheit für betroffene Paare und Ärzte, die sich häufig in einer Grauzone bewegten. Die Ministerin räumte aber zugleich ein, dass nicht alles, was medizinisch möglich ist, auch ethisch vertretbar sei. "Bayern stellt sicher, dass die medizinischen Möglichkeiten etwa der Präimplantationsdiagnostik (PID) verantwortungsbewusst genutzt werden." Die PID dürfe auf keinen Fall als Selektionsinstrument genutzt werden. "Oberste Priorität hat vielmehr immer der Schutz des Lebens."

Reproduktionsmedizin nicht geregelt

Die Kirchen riefen zum Auftakt ihrer "Woche für das Leben" dazu auf, wieder offener für Menschen mit Behinderung zu werden. Die Bayreuther evangelische Regionalbischöfin Dorothea Greiner warnte im Eröffnungsgottesdienst für Oberfranken, den sie gemeinsam mit dem katholischen Bamberger Erzbischof Ludwig Schick feierte, vor einem verstärkten Einsatz von Pränataldiagnostik. Dieser könne zu einer Selektion von Kindern mit Trisomie führen.

Ein entsprechender Bluttest bei Schwangeren unterstütze weniger eine Therapie, sondern fördere vielmehr die Entscheidung für eine Abtreibung. Dies werde noch gefördert, wenn die Finanzierung dieser Tests von den Krankenkassen übernommen würde. "Es wäre nur wieder ein Schritt zur Eliminierung von Menschen mit Behinderung, dem weitere folgen würden", betonte die Regionalbischöfin Greiner laut Redemanuskript.

Erzbischof Ludwig Schick forderte, auch die "nicht perfekten Menschen" zu lieben. "Sie gehören zum Leben und tragen zur Fülle des Lebens aller bei." Es sei nicht leicht, einen Menschen mit Behinderung anzunehmen und zu integrieren. Aber wer es trotzdem tut, wird reich beschenkt.

Schick appellierte an die Gesellschaft, das Leben nicht auf das Perfekte und Makellose zu reduzieren, wenn es um Kinderwunsch und Wunschkind gehe. "Die heutigen Möglichkeiten von Forschung und Technik bringen Segen, bergen aber auch die Gefahr in sich, die Menschen auf die eigenen Vorstellungen zu reduzieren." Damit werde die Fülle des Lebens reduziert. Eine Gesellschaft, die nur Gesunde und Perfekte zulassen wolle, verfalle dem begeisterten Selbstmord.

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