8.01.2021
Wahrsagerei

Sonderausstellung "Zeichen der Zukunft" beleuchtet Wahrsagerei in Asien und Europa

Was bringt das Neue Jahr, fragen sich gerade viele. In Corona-Zeiten wünscht man sich, mehr von der Zukunft zu wissen. Mit Prophetie, Orakel und Wahrsagerei befasst sich eine neue Ausstellung in Nürnberg. Aber wann sie öffnet - ist ungewiss.
Sonderausstellung "Zeichen der Zukunft"
Im Bild: Tempelorakel: Mazu und ihre Diener Qianli Yan und Shunfeng Er, Taiwan, Ende 19./Anfang 20. Jh., seitlich: Behälter mit Wahrsagestäbchen, Taiwan, 20. Jh., im Vordergrund: Divinationsblöcke („Mondblöcke“), Taiwan, nach 1945 National Museum of Taiwan History, Tainan.

"Wenn Du nicht aufpasst, dann wird dein Handeln stark an deiner Gesundheit zehren. Bald findest Du einen ganz besonderen Lieblingsmenschen" - ein typisches Tages-Horoskop eines x-beliebigen Sternzeichens an irgendeinem Tag in einer deutschen Zeitung. Vager könnte der Blick in die Zukunft nicht sein.

Ebenso unzuverlässig wie Bleigießen, das uns am Silvesterabend wieder beschäftigen wird. Und dennoch bleibt solche Art Wahrsagung auch in heutigen aufgeklärten Zeiten faszinierend.

Wahrsagerei: Ausstellung in Nürnberg

Dass höhere Mächte das Schicksal der Menschen vorherbestimmen - davon waren Menschen zu allen Zeiten überzeugt. Wie die Zukunft aussieht, versuchen und versuchten sie mit Tarotkarten, Orakeln, Glaskugeln, aus Teeblättern oder den Sternen herauszubekommen.

"Menschen wollen die Zukunft kennen, um zu wissen, hat das, was ich plane, in der Zukunft noch Bestand", erläutert die Kuratorin der neuen Sonderausstellung im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg (GNM), Marie-Therese Feist. Die Ausstellung "Zeichen der Zukunft" stellt die Befragung der Schicksalskräfte in Europa und in Asien vor und zeigt, dass es große Parallelen gibt.

Schon im 13. Jahrhundert vor Christus hat ein König der Shang-Dynastie in China den Bauchpanzer einer Schildkröte benutzt, um aus ihren Rissen und Kerben mit Hilfe eines Wahrsagers zu lesen, wann denn der richtige Zeitpunkt für eine Opfergabe ist: Die Antwort der Schildkröte: "Wenn der Himmel klar ist." Das faszinierende Objekt aus China ist eine Leihgabe des Historischen Museums in Taipeh.

Orakel und Propheten

Orakel sind aber nicht nur historische Phänomene. Noch heute zeigt das vietnamesische Fernsehen "Spirit -Writing-Sitzungen" bei denen ein Medium mit einem knapp zwei Meter langen Schreibwerkzeug die Vorhersagen eines göttlichen Wesens in Sand schreibt. Und auch das Tempelorakel, zu dem "Mondblöcke" gewürfelt und Stäbchen gezogen werden, ist eine große öffentliches Show.

"Lassen sie sich insbesondere nicht durch geringe Erfolge in der Vergangenheit dazu verleiten, ihre Anstrengungen zu mindern" - diese und viele andere Ratschläge erhält, wer das Tempelorakel der Göttin Mazu befragt. Auf rosafarbene Zettelchen können sie sich die Besucher mitnehmen.

Während in der asiatischen Welt so direkt mit den Gottheiten kommuniziert wird, bedienen sich die Buchreligionen der Propheten. Die prachtvolle Koberger-Bibel aus dem Bestand des Museums liegt in einer Vitrine, aufgeschlagen ist das Johannes-Evangelium. "Die Apokalypse als die Master-Prophezeiung im Kontext christlicher Prophetie", wie es der Katalog beschreibt.

Vorzeichen für den bevorstehenden Untergang, für Krieg oder Pest sind Kometen, Nordlichter oder Sonnenfinsternisse, Vorzeichen für Krieg sind Hunger und Pest. Sie schickt Gott, um die Sünder zu bestrafen. Magischen Volksglauben an Amulette und Alraunenmännchen fanden die Vertreter der Kirche nicht gut und versuchten Alternativen anzubieten.

Es entstanden die "Schluckbildchen" kleine Marienbilder auf Papierbögen gedruckt, die an Pilger verkauft wurden. Sie konnten ausgeschnitten und kranken Kindern oder Kühen verabreicht werden.

Astronomische Systeme

Einen Grenzgänger zwischen der christlichen und der chinesischen Welt stellt die Ausstellung mit dem Jesuiten-Missionar Adam von Bell vor. Er erstellte ab 1644 für den chinesischen Kaiser einen Almanach nach neuen "westlichen Methoden", seinem eigenen astronomischen System. Solche Almanache bezogen auch "Körperzeichen" ein. Ohrensausen an einem bestimmten Tag konnte bedeuten, das ein Vorhaben gelingen könnte, Augenzucken vielleicht das Gegenteil.

Ein Körperteil, mit dessen Hilfe die Menschen bis heute in die Zukunft blicken, ist die Hand. Chiromantie heißt die Praxis, über die der deutsche Theologe und Astrologe Johannes Indagine 1522 eine Abhandlung verfasste, die allerdings der Papst später verbot. Das verhinderte solche Wahrsagung nicht, für die bis heute Frauen aus der linken und Männern aus der rechten Hand gelesen wird.

Handlesen

Ihre Lebens- und Glückslinien betrachtet werden und daraus Schlüsse für Gesundheit, eheliches Glück oder Wohlstand gezogen werden. Bei der bekannten Handleserin Marianne Raschig im Berlin der 1920er und 1930er Jahre gingen Marlene Dietrich, Albert Einstein, Gustav Stresemann, Max Planck, Thomas Mann und Lovis Corinth ein und aus.

Ohne die Protagonisten lächerlich zu machen, versichert Kuratorin Feist, werfe man auf die Geisterbeschwörung, okkulte Techniken und Sternen einen kritisch distanzierten Blick.

Michael Lackner von der Erlanger Universität und Ulrike Ludwig von der Uni Münster haben das Projekt angestoßen, weiterer Kooperationspartner ist das Institute of History and Philology der Academia Sinica in Taipeh. Gemeinsam konnte so viel Detailwissen in die Ausstellung einfließen, die 130 Exponate umfasst.

Das bleibt der Öffentlichkeit wegen der Corona-Pandemie derzeit noch verborgen. Es wäre natürlich schön, sie könne in die Zukunft sehen und sagen, wann die Ausstellung gezeigt werden kann, meint Feist. "Aber wir sind Museumsmenschen, die sich für die Phänomene der Wahrsagung interessieren, sie aber leider nicht anwenden können."

Kuratorin Marie-Therese Feist
Marie-Therese Feist, Kuratorin der Ausstellung
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