9.09.2020
Zusammenlegung von Gemeinden

"Spar-Amt" oder Zukunftsmodell? Zwei evangelische Pfarrer testen die Zusammenlegung ihrer Pfarrbüros

Weniger ist manchmal mehr: Aber wenn immer weniger Pfarrer und immer weniger Geld zu immer weniger Pfarrämtern führen - was bedeutet das letztlich für die Gemeinden? Die Pfarrer Manuel Sauer und Christoph Zeh haben es ausprobiert.
Das Pfarrbüro in Wildenreuth
Das Pfarrbüro in Wildenreuth (v. l.): Pfarramtssekretärin Claudia Haderer, die Pfarrer Manuel Sauer und Christoph Zeh

Aus zwei mach eins: Ist das grundsätzlich schlecht oder kann man dem auch etwas Positives abgewinnen? Zwei, die es wissen müssen, sind Pfarrer Manuel Sauer aus Wildenreuth und Pfarrer Christoph Zeh aus Erbendorf.

Die beiden haben die Pfarrbüros im Oberpfälzer Steinwald zusammengelegt und Erfahrungen gesammelt. Ob das "Sparmodell" auch ein Zukunftsmodell sein kann, wollen sie noch bis zum Oktober testen.

Pfarrbüros zusammengelegt

2.000 Gemeindeglieder, vier Pfarrgemeinden, zwei Pfarrer, eine Sekretärin - und vier Pfarrbüros im Steinwald. Ist das sinnvoll? Das hat sich voriges Jahr auch Manuel Sauer gefragt:

"Die Zeiten ändern sich und an manchen Punkten muss man sich schon genau anschauen, ob das, was man macht, sinnvoll ist oder ob es nicht auch anders geht, und vielleicht durchaus mit Vorteilen."

Sein Erbendorfer Kollege Christoph Zeh pflichtet ihm bei und schildert die Situation bei ihnen im Steinwald: "Wir haben hier in der Diaspora recht kleine Gemeinden, was die Mitgliederzahl angeht, aber große Flächen. Bisher war es immer so, dass in jeder einzelnen Gemeinde ein eigenes Pfarrbüro war mit einer Sekretärin, die einige Stunden in der Woche präsent war. Und es fallen natürlich in Pfarrbüros oft ähnliche Arbeiten an. Bisher war es so, dass man an allen Orten das Gleiche machen musste und doppelte und dreifache Arbeit hatte."

Was bringt ein gemeinsames Pfarrbüro?

Rein arbeitsökonomisch gesehen gab es also eindeutig Verbesserungsbedarf. Auch in Sachen Kosten war der Status quo ineffektiv, erläutert Sauer: "Wir haben überall in den Gemeinden kleine Büros, kleine Pfarrämter, und die müssen alle irgendwo unterhalten werden. Man braucht alle paar Jahre einen neuen PC, man braucht einen Kopierer, man braucht halt die komplette Büroausstattung. Und da ist in Zeiten von Internet die Frage, ob es da nicht vielleicht an der Zeit wäre, neue Wege einzuschlagen."

Probeweise gibt es deshalb seit Oktober nur noch ein einziges Pfarrbüro in Wildenreuth. Dort hat Sekretärin Claudia Haderer ihren festen Arbeitsplatz und kümmert sich fast um den kompletten Steinwald.

Vor- und Nachteile der Zusammenlegung

Und die Gemeindeglieder aus Kirchendemenreuth, Parkstein, Erbendorf und Windischeschenbach müssen trotzdem keine langen Strecken fahren, sagt Pfarrer Christoph Zeh: "Erfahrungsgemäß ist es so, dass der Großteil der Anfragen und der Bedürfnisse über E-Mail oder Telefon abgewickelt werden kann."

Dafür muss die Sekretärin nicht mehr zwischen den Büros hin- und herpendeln.

Nur Pfarrer Zeh muss etwas öfter nach Wildenreuth fahren, wenn der persönliche Kontakt unumgänglich ist. "Andererseits haben wir jetzt dadurch wöchentlich Dienstbesprechungen. Das fördert natürlich auch den Austausch."

Zusammenlegung als Zukunftsmodell?

Pfarrer Sauer jedenfalls zieht eine positive Zwischenbilanz: "Ich finde schon, dass das ein Zukunftsmodell ist, weil die Dinge einfach an einem Ort zusammengeführt werden."

Aber er betont auch, dass es nicht in jeder Gemeinde so problemlos funktionieren müsse. Die Voraussetzungen seien bei ihnen ideal gewesen mit einer Sekretärin, die für alle Gemeinden zuständig war.

Und auch Pfarrer Christoph Zeh betont:

"Ob das Schule macht und auch eine Lösung für andere sein kann, ist sehr individuell zu bewerten."

Jede Gemeinde, Pfarrei, Region sei anders und braucht passende Lösungen, die mit allen Beteiligten gut abgestimmt sind. "Entscheidend ist aus meiner Sicht, die Arbeit vor Ort sinnvoll zu strukturieren und damit die Gemeinden zu stärken. Eine Patentlösung gibt es da nicht."

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