4.08.2020
Folgen der Corona-Pandemie

Pfarrerverein: Nicht zu stark auf digitale Angebote konzentrieren

Die Vorsitzende des Bayerischen Pfarrer- und Pfarrerinnenvereins, Corinna Hektor, warnt vor einer zu starken Fokussierung der Kirche auf digitale Angebote als Schlussfolgerung aus der Corona-Pandemie.
Abendmahl online feiern Gottesdienst evangelisch Laptop

Für die meisten seien digitale kirchliche Angebote "doch eher Notbehelf" gewesen: "Oft gut, aber nicht besser" als Präsenzangebote, "schon gar nicht, wenn wie in der Karwoche und an Ostern die Leibhaftigkeit und das Miterleben so zentrale Elemente sind", schreibt Hektor in ihrem Jahresbericht im neuen Ausgabe des "Korrespondenzblattes" des Vereins.

Die Frühjahrstagung, an der Hektor ihren Bericht eigentlich vorgetragen hätte, war wegen der Corona-Pandemie ausgefallen.

Online-Angebote als Ergänzung

Hektor plädierte dafür, kirchliche Digitalangebote als Zusatzprogramm, "eine Ergänzung und Erweiterung bestehender Angebote" und nicht als Ersatz zu Präsenzveranstaltungen zu sehen. Digitales könne "das Spektrum erweitern, so wie es die Fernsehgottesdienste seit vielen Jahren tun, aber es kann nicht ersetzen, was am Ort läuft", schreibt Hektor weiter.

Es dürfe bei der Digitalisierung kirchlicher Angebote also nicht um Einsparmöglichkeiten gehen, vielmehr handle es sich dabei um ein zusätzliches Arbeitsfeld. "Ein lohnendes offenbar", schreibt die oberste Interessensvertreterin der Pfarrer. Zu den von der Landeskirche geplanten Stelleneinsparungen bis 2035 passe dies aber nicht.

Kritik übte Hektor zudem an den Plänen der Landeskirche im Umgang mit dem Thema Missbrauch im kirchlichen Umfeld.

Dem Verein mache es Sorgen, "dass im Wunsch, sexuelle Gewalt zu verhindern, die Rechte der Beschuldigten mehr als zu kurz kommen". Konkret gehe es um das Vorhaben, Vorwürfe gegen Pfarrerinnen und Pfarrer auch dann in der Personalakte zu belassen, selbst wenn diese nicht zu einer Verurteilung geführt haben.

Für eine Streichung müsse bewiesen werden, dass die Vorwürfe falsch sind. Diese "Umkehr der Beweislast" führe womöglich zu einer bleibenden Stigmatisierung der zu Unrecht Beschuldigten und sei daher "mit rechtsstaatlichen Prinzipien nicht vereinbar".

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