Nach den sternschnuppenlosen Wochen des Winters meldet sich der Nachthimmel im April mit einem verlässlichen Spektakel zurück: Die Lyriden bringen die ersten nennenswerten Sternschnuppen 2026 im April — und wer die richtigen Stunden abpasst, kann mit bis zu 25 Meteoren pro Stunde rechnen.

Der Meteorschauer im April: Was sind die Lyriden?

Die Lyriden gehören zu den ältesten bekannten Meteorströmen und kehren jedes Jahr zwischen Mitte und Ende April wieder. Der Grund dafür liegt in der Umlaufbahn der Erde: In diesem Zeitraum kreuzt sie die Staubspur des Kometen C/1861 G1 Thatcher.

Die Trümmer, die er auf seinem langen Weg um die Sonne hinterlassen hat, treffen dann mit gut 50 Kilometern pro Sekunde – rund 180.000 Kilometer pro Stunde –auf unsere Atmosphäre.

Aktiv sind die Lyriden 2026 seit dem 16. bis noch zum Samstag, 25. April. Sie sind damit zwar kein Langzeitspektakel, aber ein verlässliches.

Ihren Namen verdanken sie dem scheinbaren Ausstrahlungspunkt, dem sogenannten Radianten, der im Sternbild Leier liegt – lateinisch Lyra. Vom Boden aus betrachtet scheinen die Meteore genau von dort herzukommen, was optisch täuscht: Der eigentliche Ursprung liegt viel weiter draußen im Sonnensystem.

Wann sind die Lyriden 2026 am besten zu sehen?

Das Maximum des Meteorschauers wird für den Abend des Mittwoch, 22. April erwartet, voraussichtlich gegen 21:40 Uhr. Doch wer jetzt den Wecker stellen will, sollte nochmal kurz warten und weiterlesen. Denn zu diesem frühen Abendtermin befindet sich der Radiant gerade erst über dem Horizont im Nordosten. Tiefe Dunstschichten schlucken dort das schwache Licht der meisten Meteore, bevor es das Auge erreicht.

Wirklich lohnenswert wird die Beobachtung erst ab Mitternacht, wenn die Leier hoch genug gestiegen ist. Der beste Moment ist kurz vor der Morgendämmerung, wenn das Sternbild fast senkrecht über den Beobachter:innen steht.

Zu diesem Zeitpunkt kommt ein weiterer Vorteil hinzu: Der Mond, der am frühen Abend noch als helle Sichel im Westen steht, geht gegen 3 Uhr unter. Die Stunden zwischen drei Uhr morgens und dem Einsetzen der Dämmerung nach fünf Uhr bieten damit die idealen Bedingungen – dunkler Himmel, hoch stehender Radiant.

Zu erwarten sind in einer günstigen Nacht etwa 15 bis 25 Sternschnuppen pro Stunde – ein Strom mittlerer Aktivität, kein überwältigendes Feuerwerk, aber durchaus sehenswert. Dass die Lyriden zu einem echten Sturm mit bis zu 100 Meteoren pro Stunde eskalieren, ist historisch dokumentiert, zuletzt 1982, aber ausgesprochen selten und nicht vorhersagbar.

Tipps für die Beobachtung der Sternschnuppen

Wer das Beste aus der Lyriden-Nacht herausholen möchte, braucht keine Ausrüstung – aber ein wenig Vorbereitung. Das Wichtigste zuerst: Weg von der Stadt. Lichtverschmutzung ist der größte Feind schwacher Meteore, und viele Lyriden sind keine hellen Feuerbälle. Ein Feld, eine Anhöhe, ein Waldrand – jeder Ort mit weitem, dunklem Horizont ist besser als der Balkon in der Innenstadt.

Ebenso entscheidend: das Wetter. Wolken machen alle Planung zunichte, ein Blick auf die Vorhersage lohnt sich also vorab.

Vor Ort gilt: hinlegen, nicht stehen. Wer auf dem Rücken liegt, die Füße grob in Richtung Nordosten – also zum Radianten hin – überblickt den größten Himmelsausschnitt ohne Nackenschmerzen. Eine warme Decke ist dabei keine Frage der Bequemlichkeit, sondern der Durchhaltekraft: Aprilvollnächte sind kalt, und wer nach zwanzig Minuten friert, gibt schnell wieder auf.

Die Augen brauchen außerdem etwa zwanzig Minuten, um sich vollständig an die Dunkelheit zu gewöhnen. Handydisplay aus, Rotlicht-Taschenlampe rein, Thermoskanne aufmachen – und dann einfach warten.

Was beim Beobachten wirklich passiert

Was das Auge als Sternschnuppe wahrnimmt, ist eigentlich ein Leuchtkanal, keine Flamme. Das eigentliche Staubteilchen – oft kaum größer als ein Sandkorn – verglüht beim Eintritt in die Atmosphäre vollständig.

Was leuchtet, ist die umgebende Luft: Das Teilchen trifft mit solcher Wucht auf Atome der Atmosphäre, dass es deren Elektronen kurzzeitig herausschlägt. Kehren diese Elektronen in ihren Ausgangszustand zurück, geben sie die aufgenommene Energie als Licht ab. Der Meteor selbst ist dabei längst Geschichte.

Wer den Sternenhimmel im April systematisch verfolgen möchte, findet bei der Vereinigung der Sternfreunde aktuelle Beobachtungshinweise und Wetterfenster-Einschätzungen. Die nächste gute Gelegenheit für Sternschnuppen-Fans nach den Lyriden bieten die Perseiden im August.