Weihnachten
Wenn ein Pfarrer aus Tegernsee im Advent Ostereier mit den Terminen der Weihnachtsgottesdienste verteilt, handelt es sich nicht um einen verzweifelten Versuch, seine Kirche zu füllen. Vielmehr, sagt er, führe die Aktion zum Wesen von Weihnachten – wir erklären, was dahintersteckt.
Ehrenamtliche helfen dem Pfarrer Martin Weber beim vorbereiten der Hühnereier.

Gefärbte Eier gibt es mittlerweile das ganze Jahr zu kaufen. Das mag Liebhaber dieser hart gekochten Brotzeit freuen - aber andere ärgert's, weil die Grenzen zwischen den Saisonartikeln mehr und mehr verschwimmen. Und wenn Schokonikolaus und Schokoosterhase im August nebeneinander im Regal stünden, würde es bald auch kaum mehr jemanden wundern. Pfarrer Martin Weber aus Tegernsee jedenfalls gehört zu denen, die dieses Jahr recht dankbar sind für die ganzjährige Verfügbarkeit bunter Eier.

Der evangelische Pfarrer aus Oberbayern braucht ausgerechnet zum ersten Advent inmitten von Lebkuchen und Glühwein 2.500 bunte Hühnereier. Warum? Er will sie verschicken, beklebt mit einem Christbaum und den Zeiten der Weihnachtsgottesdienste. Jedes Gemeindeglied soll eines bekommen, in Verbindung mit dem neuen Gemeindebrief.

Jedes Gemeindemitglied hat ein Osterei zu Weihnachten erhalten

In den Vorjahren habe der Pfarrer aus dem Dekanat Bad Tölz auch schon Lebkuchen, Weihnachtsschokolade, Christbaumkugeln oder Weihnachtsgurken verteilt, sagt er dem Evangelischen Pressedienst (epd): "Ich arbeite gern mit greifbaren Dingen, die ich auch mitgeben kann." Und gerade bei emotionalisierten Festen mit einem Publikum, das die Kirche sonst nicht so häufig sehe, "gerade da sollten wir etwas anbieten und gut sein".

Aber nochmal - ausgerechnet Ostereier zu Weihnachten? Warum? "Das Ganze ist kein Gag", sagt Weber, "sondern führt zum Wesen von Weihnachten". Denn Jesu Leben, das an Weihnachten anfängt, dürfe nicht von seinem Beginn, sondern von seinem Ende her gedacht werden - also von Ostern. "Ursprünglich wurde nur die Ostergeschichte erzählt. Die Geschichte von der Geburt Jesu war das letzte, was aufgeschrieben wurde", sagt Weber. Doch sie wurde nicht einfach als Bericht von dem, dass da ein besonderes Kind geboren wurde, geschrieben: "Die Weihnachtsgeschichte ist viel mehr".

Betonung der Verbindung zwischen Weihnachten und Ostern 

Sie bilde den Abschluss dessen, wofür das ganze Leben Jesu steht. Alles, was wir nach der Auferstehung von Jesus erfahren haben, sollte schon ganz am Anfang mit drinstecken in der Geschichte, sagt Weber. "Quasi das 'Osterei im Weihnachtsbaum': Verborgen, aber doch da." So wiesen auch die Geschenke der Weisen aus dem Morgenland schon auf Ostern hin, erklärt der Pfarrer: Gold, Weihrauch und Myrrhe seien Symbole für die Ewigkeit und das Reich Gottes. "In Weihnachten steckt Ostern drin", sagt Weber: Weil nur vom Ende her der Anfang gesehen werden kann.

Deshalb wünsche man sich auch "Schöne Weihnachten". Weil es kein sinnentleertes, oberflächliches Event ist, das man jedes Jahr wieder feiert, "weil man halt feiert". Es sei echt, weil es die Sehnsucht des Lebens beschreibe, sagt Weber. Weil es zeige, "dass wir einen Gott haben, der für uns da ist, unser Leben kennt, der uns trägt, der uns hält und der versteht, wenn wir zu ihm kommen". Und das deshalb, weil er dieses Leben selbst gelebt habe: von der Geburt bis über sein Ende hinaus.

Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen 

Gemeinsam mit Ehrenamtlichen hat der Pfarrer die bunten Eier für seine Gemeinde vorbereitet. 20 Stunden Arbeit mit insgesamt zehn Leuten stecken da drin, erzählt er und präsentiert die gelb und orange leuchtenden Eier mit Glitzertannen und Terminaufklebern. Was seine Gemeindeglieder mit den Eiern machen werden, will Weber ihnen überlassen. "Ob die Leute sie essen, aufheben oder aufhängen, kann jeder selbst entscheiden", erläutert der Pfarrer. Wer zum Gottesdienst kommt, bekomme jedenfalls noch einmal ein Ei vor Ort: "Es werden auch viele Gäste da sein, die keinen Gemeindebrief bekommen und die wollen wir ja mit hineinnehmen."

Fest steht in jedem Fall: Selbst musste der Pfarrer Pinsel oder Färbemittel nicht schwingen. Die Eier wurden über Lebensmittelpartner vor Ort organisiert - dem Ende der Saisonartikel sei Dank.

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