19.10.2020
Landeskirche

Göring-Eckardt regt Zusammenlegung von Landeskirchen an

In der Diskussion um Reform und Einsparungen bei der evangelischen Kirche hat die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, eine Reduzierung der Zahl der Landeskirchen angeregt. Über die Hintergründe der möglichen Reformen.

"Bürokratische und Doppelstrukturen versteht heute niemand mehr", sagte die Fraktionsvorsitzende der Grünen, die auch der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) angehört, in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Hintergründe des Vorschlags

"Wir haben 20 Landeskirchen - mehr als Bundesländer", sagte sie: "Da stellt sich mir schon die Frage, ob die Aufrechterhaltung dieser Struktur sinnvoll ist."

Die EKD-Synode will auf ihrer Tagung Anfang November über Reformen beraten.

Hintergrund ist eine Prognose, die der evangelischen Kirche weiter drastisch sinkende Mitgliederzahlen und damit auch weniger Kirchensteuereinnahmen voraussagt. 

Einsparpotential in der Kirche

Göring-Eckardt sagte, sie sehe Einsparpotenzial vor allem in zwei Bereichen. Als ersten nannte sie die Zahl der Landeskirchen, wollte sich aufeine Zahl der Reduzierung aber nicht festlegen. Als zweiten Bereich nannte sie Kirchengebäude, "mit denen eine riesige Verantwortung verbundenist".

"So sehr ich persönlich Kirchenräume liebe und mich kaum satt sehen kann an Kirchenfenstern, können wir uns wahrscheinlich nicht mehr alle leisten", sagte die Grünen-Politikerin.

Herausforderung: Mitglieder gewinnen 

Sie äußerte sich überzeugt davon, dass die evangelische Kirche Veränderung braucht, um Mitglieder zu halten und vielleicht auch neue zu gewinnen.

"Nur wenn wir an den Punkt kommen, an dem wir wirklich überzeugt sind, das Richtige zu tun, können wir überhaupt auf andere ausstrahlen. Dafür brauchen wir Veränderung", sagte sie.

Die Kirche steht nach ihrer Auffassung nicht als einzige vor dieser Herausforderung: "Alle großen Organisationen erleben, dass Mitgliedschaft nichts Selbstverständliches mehr ist."

Kirche als Ansprechpartner

Göring-Eckardt forderte die Kirche auf, bewusst darauf zu setzen, "Ansprechpartner für Lebenssituationen zu sein, in denen etwas anders wird".

Das gelte etwa für die Schwelle zum Erwachsenwerden, Heirat, Kinderbekommen, auch für Krisen des Alltags oder den Tod. Zudem müsse man "einsehen, dass es allein als evangelische Kirche nicht mehr geht", sagte sie und verwies auf die Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche und mit anderen christlichen Organisationen. 

Zusammenarbeit mit evangelischen Organisationen

Auch mit der Unterscheidung zwischen Kirche im engeren Sinn und dem Wirken von evangelischen Organisationen wie Diakonie und "Brot für die Welt" müsse man aufhören.

"Der Kindergarten, das Krankenhaus, das Engagement für Flüchtlinge - das ist alles Kirche. Das sollten wir stärker nach außen kommunizieren", sagte Göring-Eckardt.

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