Starke Frauen erobern die Literatur – und die Welt der Graphic Novels. Der Hamburger Illustrator Moritz Stetter hat der Schauspielerin, Sängerin und Schriftstellerin Hildegard Knef zum 100. Geburtstag am 28. Dezember 2025 nun ein Denkmal gesetzt.
"Es hat alles einen Anfang" mit diesem Liedtext von Hildegard Knef beginnt die Geschichte. Wer ihre Chansons kennt, wird die Melodie beim Lesen durch die Illustration geradezu im Ohr haben. Denn Stetter gelingt es meisterhaft, der Knef mit kräftigen Zeichnungen und stimmiger Farbgebung Leben einzuhauchen.
Für seine Graphic-Novel, die jetzt im Carlsen Verlag erschienen ist, hat Stetter intensiv recherchiert: Interviews, Filme, Bücher, Archivmaterial.
Seine Biografie ist fiktional, aber durchsetzt mit Zitaten und Texten aus dieser Recherchearbeit, was ein vielschichtiges, spannendes Porträt dieser ungewöhnlichen Frau ergibt, die Schauspielerin, Sängerin und Schriftstellerin zugleich war.
Hildegard Knef: Von der Trickfilmzeichnerin zur Schauspielerin
Die Erzählung folgt weitgehend chronologisch dem Leben von Hildegard Frieda Albertine Knef. Sie beginnt als Trickfilmzeichnerin, entdeckt ihre Liebe zum Kino und versucht schon während des Nationalsozialismus, beim Film Fuß zu fassen. 1946 erhält sie eine Rolle in Die Mörder sind unter uns Weil kurz vor der Premiere bekannt wird, dass der Hauptdarsteller NSDAP-Mitglied war, rückt Knef in den Vordergrund – der Beginn ihrer Filmkarriere.
Es folgen Jahre zwischen Glamour und Skandal: Die junge Schauspielerin zieht nach Hollywood, doch ihre Karriere stockt, die Ehe scheitert. Zurück in Berlin sorgt eine kurze Nacktszene im Kinofilm "Die Sünderin" 1950 für einen Aufschrei, die Kirchen protestieren. Doch Knef weiß ihre Prominenz zu nutzen und wird zum Gesicht des modernen deutschen Nachkriegskinos.
Hildegard Knef ist Schauspielerin mit vielen Facetten
Stetter zeichnet Hildegard Knef als ehrgeizige Frau, die sich in einer Männerdomäne behauptet. Doch auch die melancholischen und verletzlichen Seiten kommen zum Vorschein, etwa ihre Schüchternheit, als sie in den USA auf die ältere, weltberühmte Marlene Dietrich trifft. Stetter erzählt, wie Knef nach der gescheiterten Ehe trauert, schildert ihre Einsamkeit und die ewige Suche nach Liebe, das Auf und Ab zwischen Ruhm und Leid.
Moritz Stetter, 1983 geboren, ist selbst Trickfilmausbildung und beherrscht die Kunst des visuellen Storytellings. Er hat schon Comicbiografien zum "Mythos Beethoven", über "Dietrich Bonhoeffer" oder "Martin Luther" gezeichnet. Mit "Die Knef" steigt er selbst nun in den Olymp der Graphic-Novel-Zeichner auf. Seine Panels sind sorgfältig komponiert, die Farben präzise abgestimmt und die Geschichte bildgewaltig.
Vor allem aber trifft er auch den schnoddrigen Ton, mit dem die Knef fröhlich und unbeirrt durch das Leben geht. Eine Frau, die sich nimmt, was sie will, ein Rolemodel auch für die heutige Zeit.
Erstmals arbeitet Stetter in der Graphic-Novel durchgängig mit Farben, was den kräftigen Zeichenstrichen noch mehr Tiefe gibt: Die NS-Zeit bleibt grau und gedeckt, Hollywood hingegen leuchtet wie ein Technicolorfilm. Wie singt die Knef? "Das Glück kennt nur Minuten. Der Rest ist Warteraum".
Die Knef
ISBN - 978-3551770387
Sängerin, Schauspielerin, Schriftstellerin - Hildegard Knef war eine der schillerndsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Sie trotzte Konventionen, kämpfte gegen Widerstände und erfand sich immer wieder neu. Vom jungen Star der UFA über ihre skandalträchtige Rückkehr nach Deutschland bis hin zu ihren Erfolgen am Broadway und als Chansonsängerin - ihr Leben war ein ständiges Auf und Ab zwischen Ruhm und persönlichem Leid. Moritz Stetter zeichnet das facettenreiche Porträt einer außergewöhnlichen Künstlerin, die mit "Für mich soll's rote Rosen regnen" unsterblich wurde.