24.01.2019
Kunst und Religion

Künstler Markus Lüpertz gestaltet Kirchenfenster für Bamberger Kirche St. Elisabeth

Ein ehrgeiziges Kunstprojekt in Bamberg geht in eine entscheidende Phase: Die über 600 Jahre alte Kirche St. Elisabeth im Herzen der Stadt soll acht neue Maßwerkfenster erhalten – gestaltet nach den Entwürfen des ebenso prominenten wie streitbaren Künstlers Markus Lüpertz.
Markus Lüpertz (2. von rechts) bei der Ausstellung seiner Entwürfe für die Elisabethenkirche im Jahr 2016.
Markus Lüpertz (2. von rechts) bei der Ausstellung seiner Entwürfe für die Elisabethenkirche im Jahr 2016.

An seiner Begeisterung ließ der Meister keinen Zweifel: "Ich liebe diese Kirche", sagte er bei einem Besuch des historischen Sakralbaus in der Sandstraße. Diese besondere Beziehung währt mindestens seit dem Jahr 2009, als die Lüpertz-Statue "Apoll" unmittelbar vor der St.-Elisabeth-Kirche ihren Standort fand – als ein "Zeichen für religiöse Vielfalt, gegenseitigen Respekt und Toleranz", wie damals bei der Feierstunde bekräftigt wurde. Für das Gotteshaus selbst aber suchte und fand Lüpertz seine eigene kräftige Bildersprache für eine Neuverglasung der Fenster: Sie haben Szenen aus dem Leben der Kirchenpatronin Elisabeth zum Thema, zentrale Figur einer der populärsten katholischen Heiligenlegenden.

Die Dompfarrkirchenstiftung und die Stadt Bamberg haben vor Kurzem die Verträge zur Anbringung des ersten Lüpertz-Glasfensters in St. Elisabeth unterzeichnet. Das erste von insgesamt acht Lüpertz-Fenstern, die in der Kirche angebracht werden sollen, trägt den Titel "Die alte Frau – Almosen geben". Die Dompfarrkirchenstiftung engagiert sich im Rahmen der "Initiative Glasfenster Markus Lüpertz" für die Ausstattung der Kirche. "Mit großem Dank" sehe die Stadt Bamberg dieser Schenkung entgegen, mit dem "die Grundlagen für ein neues Glanzlicht der zeitgenössischen Kunst in Bamberg gelegt werden", ließen sich Oberbürgermeister Andreas Starke und Kulturreferent Bürgermeister Christian Lange nach der Feierstunde zitieren.

Szenen aus dem Leben der heiligen Elisabeth

Die künstlerische Gestaltung der Fenster wird durch Stiftungen, Spenden und Sponsoren finanziert. Um dafür zu werben, wurde die "Initiative Glasfenster Markus Lüpertz" ins Leben gerufen. Schon die künstlerischen Entwürfe für die Fenster zeigten Lüpertz’ bildgewaltige Handschrift und überzeugten durch ihre expressive Kraft. Eine Ausstellung der Entwürfe in Originalgröße (bis zu 5 Meter hoch und 1,50 Meter breit) im Jahr 2016 in St. Elisabeth und im Kesselhaus visualisierte eindrucksvoll, welches Gesamtkunstwerk die Elisabethenkirche werden könnte.

Schritt für Schritt sollen nun die acht Fenster realisiert werden. Sie sollen Szenen aus dem Leben der heiligen Elisabeth mit den sieben Werken der Barmherzigkeit aus der biblischen Tradition verbinden: "Rosenwunder", "Gefängnis", "Übergabe der Gebeine", "Alte Frau", "Süßer Jesus tot + Auferstehung", "Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan" (Mt 25, 40), "Begleitung des Leichenzugs" und "Aussätzige" lauten die Titel.

Der heute 77-jährige Lüpertz hat neben seiner Arbeit als Maler, Grafiker und Bildhauer bereits Fenster für mehrere Kirchen gestaltet, darunter für die französische Kathedrale Saint-Cyr-et-Sainte-Julitte in Nevers und für den Makkabäerchor im südlichen Querhaus der Kölner Dominikanerkirche St. Andreas. Aktuell gibt es eine öffentliche Auseinandersetzung um das sogenannte Reformationsfenster, das Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder der Marktkirche Hannover stiften will. Umstritten ist die Darstellung Martin Luthers, dem Lüpertz fünf Fliegen als Symbol des Bösen und der Vergänglichkeit zugesellt hat. In der Kontroverse geht es insbesondere darum, ob durch das Fenster die Urheberrechte des Architekten verletzt werden, der die im Krieg zerstörte Kirche von 1946 bis 1952 wiederaufgebaut hatte.

Kirche St. Elisabeth

Am 24. August 1354 feierte man die Weihe der Spitalkirche zu Ehren der heiligen Elisabeth und des Heiligen Geistes für das um 1328 gestiftete Spital »Zum Heiligen Geist, bei dem Turm im Sand«. Der heute noch erhaltene Chor entstand um 1400, das jetzige Langhaus wurde um das Jahr 1493 errichtet. Nach der Säkularisation 1803 diente die Kirche als Zucht- und Arbeitshaus. Erst 1883 fand die Wiedereinweihung der Kirche statt. Als einzige Kirche Bambergs befindet sie sich in städtischem Eigentum.

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