1.07.2019
Rechtsextremismus

B.U.D.: Bayernweiter Verein berät Opfer rechtsextremer Gewalt seit zehn Jahren

Die Beratungsstelle B.U.D. hilft in ganz Bayern Opfern rassistischer, rechter und antisemitischer Gewalt. Zum zehnjährigen Bestehen ziehen Vereinsvorstand, ehrenamtliche Mitarbeiter und Betroffene Bilanz.
Der Holocaust-Überlebende Ernst Grube, B.U.D.-Vorstand Jutta Neupert, der Betroffene Mohammed Z., Beraterin Helga Hanusa sowie Pfarrer Gottfried Rösch und Manfred Lehner (von links). Der Verein B.U.D. berät und unterstützt seit zehn Jahren Opfer rechtsextremer Gewalt in Bayern und dokumentiert Übergriffe. Ein Audio-Beitrag von Peter Themessl.

Das Kürzel steht für "Beratung. Unterstützung. Dokumentation." und hilft Opfern rechtsextremer Gewalt. Für das Jahr 2016 hat die Bayerische Staatsregierung 2.379 rechtsextremistische Straftaten in Bayern aufgezählt. Das geht aus einer Zusammenfassung von Antworten auf 13 Anfragen der Landtags-Grünen zum Thema "Rechte Gewalt" hervor.

Viele rechte Angriffe gehen gar nicht auf einen persönlichen Konflikt zwischen Täter und Opfer zurück. Vielmehr würden die Opfer als vermeintliche Vertreter einer abgewerteten Gruppe wahrgenommen, so B.U.D. in einer Dokumentation ihrer Arbeit. Das Unrechtsbewusstsein vieler Täter sei gering, weil die Taten als ideologisch legitimiert angesehen werden.

Verein B.U.D. wurde 2009 gegründet

Bei den Opfern selbst ist rechte Gewalt eine konkrete Erfahrung, die sie verletzt, ausgrenzt und ihr Selbstverständnis erschüttert. Nötigungen, Beleidigungen und Bedrohungen werden von den Betroffenen oftmals nicht angezeigt, weil sie glauben, dass diese Straftaten nicht vom Gericht geahndet werden. Hinzu kommt ein Misstrauen gegenüber der Polizei.

2009 regt der damalige Projektleiter der "Landeskoordinierungsstelle Demokratie leben! Bayern gegen Rechtsextremismus", Martin Windisch, an, eine Stelle zu schaffen, die Betroffene rechter Gewalt im Freistaat berät, unterstützt und die Fälle dokumentiert. Es entsteht "B.U.D. – Beratung, Unterstützung, Dokumentation – Für Opfer rechtsextremer Gewalt".

Wem die Beratungsstelle B.U.D. in Bayern hilft

Zu den ersten Beratungsfällen gehört ein junger Barkeeper, der sich 2010 in Regensburg stadtbekannten Neonazis widersetzt. Er bietet einer schwarzen Frau und ihrem Kind Schutz vor rassistischen Beleidigungen an. Zwei Wochen später greifen die Neonazis die Arbeitsstelle des Barkeepers, ein Lokal in der Regensburger Altstadt, gezielt an. Nur mit Glück entgeht der Barkeeper dem lebensgefährlichen Angriff durch Flucht in einen benachbarten Imbiss. Der Fall wird bekannt, auch dass die Täter nach Ausnüchterung wieder freikommen. Daraufhin gründet ein kleiner Kreis engagierter Bürger die Initiative "Keine Bedienung für Nazis", darunter ist Helga Hanusa und eine der ersten B.U.D.-Opferberaterinnen.

Ihr zur Seite sitzt Mohammed Z., der 2015 aus Ghana hierherkam und nach kaum einem Jahr in der Asylunterkunft in Kelheim den Angriff eines angetrunkenen Rechtsradikalen mit einer Machete abwehren musste. Er selbst verletzte sich beim Sprung aus dem Fenster des ersten Stocks, konnte den Angreifer abwehren, entwaffnen und mithilfe anderer der Polizei übergeben. Der Angreifer sitzt für drei Jahre in Haft wegen schwerer Körperverletzung, die Vorwürfe Mordabsicht und rechtsextremer Hintergrund wurden fallen gelassen.

"Ich möchte da gar nicht mehr groß drüber reden", sagt Mohammed in fließendem Deutsch. "Mir ist von Ehrenamtlichen so viel geholfen worden. Sie haben mich betreut und sind mit mir vor Gericht gegangen. Hätte ich sie nicht gehabt, wäre Deutschland für mich nicht sicher geworden."

Verein B.U.D. braucht mehr Geld

Der Verein B.U.D. ist chronisch unterfinanziert: Er betreibt zwei halbe Stellen für ganz Bayern und versucht, Betroffenen rechter und rassistischer Gewalt ein angstfreies und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen; unabhängig von Aussehen, Herkunft, Ethnie, Religion oder sexueller Orientierung. "Es ist schon viel gewonnen, wenn jemand nicht nur am Telefon berät, sondern sich Zeit für Betroffene nimmt, bei Behördengängen mitgeht oder auch vor Gericht erscheint", so die Vorsitzende von B.U.D., Jutta Neupert.

Eine bittere Folge bleibt für Mohammed: Sein Knie ist seit dem Angriff so verletzt, dass er auf Dauer nicht in seinem Wunschberuf Schreiner arbeiten kann. Er ist gerade Vater geworden – und für eine Invalidenrente mit 25 Jahren noch viel zu jung. 

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