23.12.2020
Weihnachten und Kirche

Amtsärzte-Verband fordert, Präsenzgottesdienste an Weihnachten zu verbieten

Die Chefin des Verbands der Mediziner im öffentlichen Gesundheitsdienst, Teichert, plädiert für ein Verbot von Präsenzgottesdiensten an Weihnachten. Der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm verweist auf strenge Hygienekonzepte und digitale Angebote.
Eine Frau sitzt in der Kirche (Symbolbild)

Die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst, Ute Teichert, appelliert wegen der weiterhin hohen Zahl der Corona-Infektionen an die Politik, Präsenzgottesdienste zu Weihnachten zu verbieten.

"In diesem Jahr sollten Präsenzgottesdienste bundesweit untersagt werden", sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

"Weil wir wissen, wie leicht sich das Virus gerade bei Gottesdiensten übertragen kann, dürfen wir zu Weihnachten angesichts der hohen Infektionszahlen kein zusätzliches Risiko eingehen", mahnte die Medizinerin.

Präsenzgottesdienste an Weihnachten?

Unterdessen verwies der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, auf "extrem strenge Hygienekonzepte in den Gottesdiensten, die auch peinlichst genau eingehalten werden".

"Die Zahl der Besucher ist sehr begrenzt. Es wird keine überfüllten Gottesdienste geben", sagte er der "Passauer Neuen Presse".

Es gebe ein großes Angebot an digitalen Gottesdiensten und Übertragungen im Fernsehen. "Es gibt aber auch Menschen, die allein sind und für die der Gottesdienst in der Kirche ein Ort des Trostes ist, den sie gerade jetzt brauchen", sagte der bayerische Landesbischof.

Vielerorts haben evangelische und katholische Gemeinden Präsenzgottesdienste zu Weihnachten abgesagt, ein staatliches Gottesdienstverbot gibt es jedoch in keinem der 16 Bundesländer. Wegen regionaler nächtlicher Ausgangssperren wurden Christmetten an Heiligabend teils vorverlegt.

Die Ärztevertreterin Teichert beklagte, dass viele Menschen offenbar nicht verstanden hätten, wie ernst die Lage in der Corona-Pandemie sei. "Sie feiern immer noch Partys oder tummeln sich in den Läden. Der harte Lockdown kann aber nur dann zu einem Rückgang der Infektionszahlen führen, wenn sich wirklich alle Bevölkerungsgruppen in Deutschland an die Regeln halten", sagte sie. Teichert forderte Bund, Länder und Kommunen auf, die Corona-Maßnahmen in einigen Milieus noch besser zu vermitteln, damit alle Menschen, die in Deutschland leben, auch darüber informiert seien.

Bedford-Strohm: Weihnachtsbotschaft 2020

Bedford-Strohm rief unterdes in seiner Weihnachtsbotschaft 2020 zur Zuversicht auf: "Wir werden mit Gottes Hilfe durch diese schwere Zeit kommen. Von ihm werden wir die Kraft für den weiteren Weg bekommen". Zwar werde man im Corona-Jahr Weihnachten anders feiern, damit niemand unverantwortbaren Risiken für die Gesundheit ausgesetzt werde.

Aber auch auf diese Weise werde sich das Weihnachtslicht ausbreiten. Das Licht der Freude könne auch von Menschen weitergegeben werden, die aus guten Gründen den Weihnachtsgottesdienst in diesem Jahr online oder vor dem Fernseher mitfeiern.

Bedford-Strohm äußerte die Hoffnung, dass viele Menschen später einmal sagen: "Dieses Weihnachten im verrückten Pandemiejahr 2020 war das Weihnachten, an dem mein Wohnzimmer zur Kirche geworden ist. Weil ich ein Licht angezündet habe. Weil mein Licht verbunden war mit dem Licht von Bethlehem."

Nun komme es darauf an, das Weihnachtslicht und die damit verbundene Liebe auch weiterzugeben:

"Indem wir aufeinander achten. Indem wir Einsame anrufen oder ihnen handgeschriebene Briefe schicken. Indem wir physische Kontakte reduzieren und, wo es geht, digital zusammenkommen. Indem wir Lichter anzünden, die uns und andere trösten."

Mit Jesu Geburt begebe sich Gott mitten hinein in das, was das Leben der Menschen derzeit ausmache, so Bedford-Strohm weiter: "Gott kommt mitten in unser Gefühlschaos, mitten in unsere Angst, mitten in unsere Sorgen und schenkt sich uns ganz, mit seiner Liebe, mit seinem tröstlichen Blick, mit seinem Licht - dem Licht von Bethlehem."

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