24. April 2021
Kultur in Corona-Zeiten

Zwei kreative Bildungsprojekte zeigen, dass Kinder auch in der Pandemie erreicht werden können

Auch für Kinder fallen in der Corona-Pandemie fast alle Kulturveranstaltungen aus. Einige Künstler wie der Würzburger Zauberer ZaPPaloTT laden sie nun zum Livestream ein. Selbst solch digitales Theater kann bei Kindern gut ankommen.
Kinder freuen sich vor dem Bildschirm

Selbst der wildeste Bengel, der sonst nur draußen war, droht in der Corona-Krise zum Stubenhocker zu werden. Ob Schule oder ob Freizeit: Vieles findet pandemiebedingt online statt. In der Kinder- und Jugendarbeit sowie in der kulturellen Kinder- und Jugendbildung müssen daher neue Wege gesucht werden, um weiterhin kreativ mit jungen Menschen zu arbeiten.

Beim Livestream des Würzburger Kinderzauberkünstlers ZaPPaloTT zum Beispiel basteln die Kids, bevor es mit der Show richtig losgeht. Während der Aufführung wird vor dem Bildschirm gehüpft, getanzt und gesungen.

Würzburger Kinderzauberkünstler ZaPPaloTT

Auf den ersten Blick scheint bei ZaPPaloTT der Spaß die größte Rolle zu spielen. Kinder und Eltern amüsieren sich bei den Zaubershows köstlich. Doch Christian Perleth, früher Lehrer und seit 15 Jahren Kinderkulturarbeiter, will auch eine Botschaft transportieren, die er in einer Welt zunehmender Gleichförmigkeit für äußerst wichtig hält: "Jeder hat das Recht, anders zu sein."

Darum geht es auch im aktuellen Programm "ZaPPaloTT und das Gespenst aus der Gießkanne". Rund 2.000 kleine und große Zuschauer sahen sich das Programm im März als Livestream an. Kostenlos. Denn für die Gage, das Kamerateam sowie die Bastelsets für die Kinder kam die Stadt Schweinfurt auf.

Kinder dürfen aktiv werden

Kids sollten nicht den lieben langen Tag vor dem Bildschirm hocken, meint "Kindermutmachkünstler" Perleth. Nach Ausbruch der Pandemie entwickelte er deshalb Online-Hörspiele, die Kinder direkt ansprechen und zum Mitmachen motivieren sollen. Auch wenn Perleth bei seiner digitalen Aufführung die Kinder nicht hören kann, so reagiert er doch so, dass sich jedes Kind angesprochen fühlt.

"Zuschriften bestätigen mir, dass Kinder wirklich das Gefühl haben, dabei zu sein", erzählt er.

Es gehört sehr viel Kreativität dazu, um das, was in der Kinder- und Jugendarbeit sowie in der Kultur-, Demokratie- und Umweltbildung für junge Leute bisher live und lebendig geschah, spannend digital umzumodeln. Martina Alsheimer, die sich in der Kreisgruppe des Bundes Naturschutz in Würzburg für ökologische Bildung von Kindern engagiert, hat das geschafft.

Die Pflanzenexpertin entwickelte in den vergangenen Wochen ein halb virtuelles, halb analoges Alternativprogramm für die Kinder ihrer Gruppe "Kieselsteine".

Virtuelles 

Menschen schützen die Umwelt nur dann, wenn sie erfahren haben, wie faszinierend Pflanzen und Tiere sind, sagt Alsheimer. Diese Faszination möchte sie durch ihre neue "Naturschatzsuche" vermitteln. Dabei erhalten die Kinder per E-Mail vier Aufgaben, die sie in beliebiger Reihenfolge lösen können. Eine Aufgabe trägt die Überschrift: "Suche den Frühling!" Die Jungen und Mädchen sollen drei Dinge aufspüren, die zeigen, dass die Natur auf "Frühling" umgestellt hat. Das Ganze wird von ihnen fotografiert und an Alsheimer gemailt. Dafür bekommen sie eine Zahl. Ein Kind, das vier Zahlen beisammenhat, findet ein Geschenk in einer Schatzkiste, das es am Ökohaus des Naturschutzbundes abholen kann.

Die meisten Kids bringen die notwendigen Fertigkeiten mit, um an Online-Angeboten teilhaben zu können. Wichtiger noch, sagt Ilona Einwohlt vom Institut für Medienpädagogik und Kommunikation Hessen: "Die Kinder haben ein Gespür dafür, wie viel Digitales ihnen gut tut." Hier sind sie nach Auffassung der Darmstädter Bildungsreferentin "viel besser als ihr Ruf".

Kinder und Jugendliche nehmen laut Einwohlt auch sehr genau selbst wahr, was ihnen fehlt, "nämlich physische Bewegung und physische Kontakte". Zudem spürten sie die gesundheitlichen Auswirkungen des Medienkonsums: "Die Augen tun ihnen irgendwann weh, und der Rücken schmerzt." Auch sei das Alleinsein teilweise ein Problem. Doch den Kinder gelinge es auch selbst, Defizite zu kompensieren. Dies zeige sich zum Beispiel an ihrem Spielverhalten: "Viele Online-Games, die sie spielen, sind, anders als etliche auf Wettbewerb ausgerichtete, klassische Brettspiele, höchst kooperativ", sagt Einwohlt. (00/1336/20.04.2021)

epd pac jup as

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