EKD-Ratsvorsitzender
Impuls von der Kirche in die Zivilgesellschaft: Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm hat beim Festakt anlässlich der Anfänge der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) vor 100 Jahren für eine veränderte Kultur in Politik und Medien geworben.
Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat für eine neue "Kultur der Nachdenklichkeit" in Politik und Medien geworben. Insbesondere in den sozialen Medien habe sich eine "Kultur der Beschuldigung, Abwertung und Anprangerung" breitgemacht, sagte Bedford-Strohm am Dienstagabend in Berlin beim Festakt anlässlich der Anfänge der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) vor 100 Jahren. Durch mehr "kritische Selbstprüfung" könnten die zunehmend "unsozial werdenden Medien" wieder zu "sozialen Medien" werden.

Bedford-Strohm: "Ohne Angst Fehler freiherzig einräumen"

Auch die politische Kultur könnte sich damit verändern, so Bedford-Strohm: "Kleinkarierte parteipolitische Debatten, deren erste Zielrichtung nicht die sachlich besten Lösungen sind, sondern die Bestätigung des eigenen politischen Lagers, könnten zur gemeinsamen Erkenntnissuche werden." Öffentliche Personen könnten so "ohne Angst Fehler freiherzig einräumen und dadurch die Grundlage für Lernprozesse in der Zukunft legen".

Bedford-Strohm fragte: "Welche Heilung würde unsere Gesellschaft erfahren, wenn eine Dynamik sich Raum schaffen würde, in der die Bereitschaft zur Selbstkritik an die Stelle von Selbstrechtfertigung und Schuldzuweisung treten würde?" Der EKD-Ratsvorsitzende plädierte in diesem Zusammenhang für eine "Kultur der Fehlerfreundlichkeit". Diese könnte ein wichtiger Impuls von der Kirche in der Zivilgesellschaft sein, fügte Bedford-Strohm hinzu, der auch bayerischer Landesbischof ist.

100 Jahre EZW

Im Jahr 1921 hatte in Berlin mit der "Apologetischen Centrale" die Vorgängerinstitution der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) ihre Arbeit aufgenommen. Damit hatte die evangelische Kirche auf die großen Umbrüche in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg reagiert. Das Institut sollte alternative religiöse und areligiöse Gruppen beobachten und sich mit den geistigen Strömungen der Moderne auseinandersetzen. 1937 hatten die Nationalsozialisten die Einrichtung geschlossen.

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