Schule
Lieber im Elternbeirat aktiv sein oder die Theateraufführung des Juniors besuchen statt täglich die Hausaufgaben zu kontrollieren: Eine neue Forschungssynthese zeigt auf, wie Eltern positiv auf die Schulleistungen ihrer Kinder einwirken können.
Doris Holzberger, Professorin für Schul- und Unterrichtsforschung an der TU München

Die Rolle von Eltern für den Erfolg und die Motivation ihrer Kinder in der Schule sei groß, erklärte Studienleiterin Doris Holzberger, Professorin für Schul- und Unterrichtsforschung an der Technische Universität München (TUM) im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Sie sieht in Corona und dem damit verbundenen Homeschooling auch eine Chance: Schule sei nun wieder deutlich stärker ins Zentrum der Familie gerückt. Bei der Untersuchung handelt es sich laut TUM um die bislang umfangreichste Forschungssynthese zur Beteiligung von Eltern in der Schulzeit ihrer Kinder: Das Team wertete 18 Metastudien aus, die wiederum 1.700 einzelne Studien ausgewertet hatten.

Frau Holzberger, Ihre Studie hat ergeben, dass die klassische Hausaufgabenkontrolle Schülern hinsichtlich Ihres Lernerfolgs sogar schaden kann. Inwiefern?

Doris Holzberger: Durch die reine Überwachung besteht die Gefahr, dass sich insbesondere schwache Schüler und Schülerinnen kontrolliert fühlen. Daraus können weitere negative Konsequenzen entstehen, zum Beispiel Ängstlichkeit oder Selbstzweifel.

Besser ist, wenn Eltern zu Hause eine positive Atmosphäre schaffen. Sie sollten mit den Kindern Erwartungen bezüglich der Hausaufgaben besprechen, also wann und wo werden sie erledigt. Dann zum eigenständigen Arbeiten ermutigen, gegebenenfalls Hilfestellungen geben und Unterstützung bei Schwierigkeiten anbieten. Das motiviert für Schule. Auch über Schulabschlüsse oder Berufswege zu sprechen kann helfen. Und Lernstrategien diskutieren und differenziert Lob und Kritik an einzelnen Schularbeiten kommunizieren.

Kinder, deren Eltern sich an Aktivitäten der Schule beteiligen, also die zum Beispiel im Elternbeirat aktiv sind oder die Theateraufführung besuchen, erzielen bessere Leistungen und sind motivierter. Allerdings zeigen die untersuchten Studien nur Zusammenhänge, keine Kausalität - es kann also auch sein, dass Eltern sich eher engagieren, wenn ihre Kinder bereits motiviert und leistungsstark sind.

Warum ist es für den Lernerfolg von Kindern wichtig, Eltern in ihrem Verhalten zu beeinflussen?

Holzberger: Aus der Forschung wissen wir, dass das Lernen von Kindern durch allerlei Faktoren, beispielsweise deren Intelligenz oder den sozioökonomischen Status beeinflusst wird. Das Spannende an dem Verhalten von Eltern ist, dass es veränderbar ist.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Beteiligung der Eltern die Leistung und Motivation der Schülerinnen und Schüler über alle Altersstufen und unabhängig vom sozioökonomischen Status stärken kann. Umso wichtiger ist eine gute und dauerhafte Zusammenarbeit zwischen Schulen und Eltern.

Insbesondere für die Zusammenarbeit mit Eltern von benachteiligten Kindern braucht es kreative Ideen, sie in den schulischen Kontext einzubeziehen und sprachliche und kulturelle Hürden zu überbrücken. Dann birgt die Beteiligung der Eltern das Potenzial, Bildungsungleichheiten zu reduzieren.

Wie hat sich das coronabedingte monatelange Homeschooling auf die Elternbeteiligung ausgewirkt?

Holzberger: Für den Erfolg des Distanzunterrichts war das elterliche Engagement entscheidend. Bei all der Belastung der Familien sehe ich darin auch eine Chance: Schule ist wieder deutlich stärker ins Zentrum der Familie gerückt. 
 

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