12.12.2018
Obdachlosigkeit

Freistaat hat genug Betten für Obdachlose

Anders als in vielen deutschen Städten werden in Bayern die Bahnhöfe auch in den Wintermonaten nicht zu Notübernachtungsplätzen für Obdachlose umgewidmet. Wie eine Umfrage unter den größeren Städten ergab, hat ihre Zahl zwar in den vergangenen Jahren stets leicht zugenommen - sie ist für die Kommunen aber noch gut zu bewerkstelligen.
Obdachloser

Auch zusätzliche Übernachtungsplätze für die kalten Monate würden in den allermeisten Städten nicht benötigt. In München gibt es allerdings ein eigenes Kälteschutzprogramm.

In der Landeshauptstadt etwa erhalten vom 1. November bis 30. April alle obdachlosen Menschen einen Übernachtungsplatz im Kälteschutzprogramm. Neben diesen 850 kostenlosen Bettplätzen für Frauen, Männer und Familien stünden nochmals weitere 120 Notplätze im Elisenbunker zur Verfügung. Allerdings seien diese 850 Plätze "in den letzten Wintern absolut ausreichend" gewesen und seien deshalb auch nicht aufgestockt worden. Neben diesem Angebot gebe es noch rund 200 Plätze für Obdachlose in weiteren Einrichtungen. Hinzu kämen gut 6.000 Bettplätze im regulären Wohnungslosenhilfesystem der Stadt.

Ein ähnliches Bild ergibt sich in Augsburg. Die Stadt hält nach eigenen Angaben zwei sanierte Obdachlosenunterkünfte sowie mehrere Dutzend Wohnungen bereit. Insgesamt seien dort aktuell 293 obdachlose Personen untergebracht. Aufgrund der steigenden Anzahl Obdachloser - zwischen 2007 und 2017 nahm die Zahl um 30 Prozent zu - hat die Kommune ihre Zuschüsse an die Träger spezieller Angebote für Obdachlose ausgeweitet. In Regensburg wurde im November 2017 ein Kälteschutzhaus eingerichtet, in dem Obdachlose die Nacht verbringen können. Zudem gebe es mehr als 30 Betten in gesonderten Unterkünften.

Zahl der Obdachlosen steigt

In Würzburg nimmt die Zahl der Obdachlosen seit Jahren zu, berichten Stadtverwaltung und die ökumenische Christophorus-Gesellschaft, die unter anderem die Bahnhofsmission und die Kurzzeitübernachtung für Wohnsitz- und Obdachlose betreibt. Aktuell gibt es in der größten Stadt Unterfrankens rund 350 Personen, die im sogenannten "kommunalen Verfügungswohnraum" für Obdachlose untergebracht sind. Diese Zahl sei seit Jahren steigend, hieß es. Die Stadt Schweinfurt verfügt über 70 Obdachlosen-Bettplätze, in Aschaffenburg sind es etwa 20. In beiden Städten seien die angebotenen Plätze völlig ausreichend, hieß es.

Eine ähnliche Bilanz ziehen auch die drei oberfränkische Städte Hof, Bamberg und Bayreuth. In Hof gibt es etwa 30 bis 40 Plätze im Bereich der Kurzzeitübernachtung und der Wohnungslosenhilfe. "Auf der Straße schlafen oder frieren muss bei uns glücklicherweise niemand", sagte ein Stadtsprecher. In Bamberg lebten ungefähr 30 Personen in städtischen Obdachlosen-Unterkünften. Das Angebot sei ausreichend, könne aber bei Bedarf kurzfristig ausgeweitet werden. Ähnlich ist die Situation in Bayreuth: Das Angebot in der städtischen Obdachlosenunterkunft und in einer extra Unterkunft für junge Erwachsene sei ausreichend.

Der Evangelische Pressedienst (epd) hat in Bayern alle größeren Städte zum Thema angefragt - etliche Kommunen antworteten auf die Fragen allerdings nicht.

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Evangelisches Hilfswerk

Obdachlose Menschen in München sollen künftig auch in den Sommermonaten eine geschützte Übernachtungsmöglichkeit erhalten. Dazu wird das Kälteschutz-Programm, bei dem seit sechs Jahren vor allem südosteuropäische Arbeitszuwanderer unterkommen, auf die Monate Mai bis Oktober ausgeweitet. Organisatorisch betreut wird der Übernachtungsschutz vom Evangelischen Hilfswerk. Geschäftsführer Gordon Bürk erläutert, warum das neue Angebot wichtig ist.