31.07.2018
Obdachlosigkeit

Mehr Obdachlose in Bayern - was die Betroffenen fordern

Die Zahl der Obdachlosen in Bayern ist stark angestiegen. Besonders in den Großstädten herrschen alarmierende Zustände. Die Kommunen, die für die Versorgung zuständig sind, fühlen sich im Stich gelassen. Jetzt haben sich aber auch Betroffene und ehemals Wohnungslose zusammengetan. Sie wollen eine deutschlandweite Vertretung gründen. Christian Zimmermann hat es in München wieder geschafft, auf die Beine zu kommen: als BISS-Verkäufer
Christian Zimmermann ist als BISS-Verkäufer in München der Obdachlosigkeit entkommen

Im Radiointerview spricht Christian Zimmermann offen und ehrlich über seine traurige Laufbahn in die Obdachlosigkeit. Umso schöner, dass er sich aus dem dunklen Tunnel wieder herausarbeiten konnte. Alleine hätte er das nicht geschafft.

Christian Zimmermann hat es geschafft. Aber in ganz Bayern steigen derweil die Zahlen der Wohnungslosen an. Jetzt haben sich Betroffene und ehemals wohnungslose Menschen aus ganz Deutschland getroffen. Sie wollen eine bundesweite Selbstvertretung aufbauen. Wie der Koordinator Stefan Schneider mitteilte, sei dafür bei einem Camp in Freistatt bei Diepolz der Grundstein gelegt worden. Das nächste Treffen soll im Juli 2019 stattfinden, voraussichtlich in der Diakonie Herzogsägmühle in Peiting (Landkreis Weilheim-Schongau).

Die Situation obdachloser und wohnungsloser Menschen werde in der Öffentlichkeit häufig nur als Defizit beschrieben. "Wir haben aber auch Stärken und Fähigkeiten", betonte Schneider. Diese wollten die Wohnungslosen nun in politische Debatten und soziale Initiativen einbringen. Bei dem Treffen erarbeiteten die rund 100 Teilnehmer ein Fünf-Punkte-Programm, um die Situation wohnungsloser Menschen zu verbessern.

Sie fordern unter anderem eine auf sie zugeschnittene medizinische Versorgung mit mehr Arztmobilen und kostenlosen Medikamenten. Neben einer Akut-Versorgung müsse auch die Behandlung chronischer Krankheiten möglich sein. Zudem müsse die Versorgung psychisch kranker Wohnungsloser verbessert werden.

Das Recht auf eine Wohnung müsse im Grundgesetz verankert und praktisch umgesetzt werden, verlangen die Teilnehmer weiter. Zu den weiteren Forderungen gehören ein höherer Regelsatz an Sozialhilfe für Menschen, die auf der Straße leben, und mehr Möglichkeiten, den Kontakt zu getrennt lebenden Kindern zu pflegen.

Nötig seien jetzt eine ständige Koordinierungsstelle, halbjährliche Koordinierungstreffen sowie weiterhin jährliche bundesweite Treffen.  Gemeinsam wollten die Wohnungslosen die Mechanismen der Ausgrenzung und Entmündigung überwinden, heißt es in der Abschlusserklärung.

ShareFacebookTwitterShare

Weitere Artikel zum Thema:

Evangelische Flughafenseelsorge

Jessica Gürtler Markus Jaehnert evangelische Flughafenseelsorge
Rund 20 Obdachlose leben dauerhaft in den weiten Fluren am Münchner Flughafen, rund 100 weitere bleiben für ein paar Tage oder Wochen. Um sie kümmern sich seit sechs Monaten die Streetworker des Obdachlosen-Programms MOSE, das die evangelische Flughafenseelsorge und die Flughafen München-Gesellschaft (FMG) initiiert haben.

"Kirche in Bayern"

Zwei Männer, die täglich etlichen Menschen begegnen, treffen sich kurz vor Weihnachten am Münchner Hauptbahnhof. Der eine ist Udo Güldner, seit 1999 Verkäufer der Straßenzeitung BISS. Der andere ist Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Er hatte Udo Güldner im Sommer zugesagt, ihn zu Weihnachten zu besuchen. Jetzt löst er sein Versprechen ein.
efs