17.09.2019
Gebet der Solidarität

Gegen Antisemitismus: Söder betet gemeinsam mit Juden in München

Mit einem gemeinsamen Gebet in der Münchner Hauptsynagoge Ohel Jakob hat der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) seine Verbundenheit mit der jüdischen Bevölkerung gezeigt. Antisemitismus und Rechtsextremismus seien kein Kavaliersdelikt, sagte er - und kritisierte besonders eine Partei.
Ministerpräsident Markus Söder (CSU) beim Gebet in der Münchner Hautpsynagoge
Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) beim "Gebet der Solidarität" in der Münchner Hauptsynagoge Ohel Jakob.

Als Zeichen der Solidarität gegen antisemitische Übergriffe hat der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Montag in der Münchner Hauptsynagoge Ohel Jakob mit Gemeinderabbiner Shmuel Aharon Brodman Psalmen gelesen. Wie Söder in seiner Ansprache betonte, sei ein aktives Eintreten gegen Antisemitismus ein "gemeinsamer Auftrag" der Gesellschaft und der Politik. Antisemitismus und Rechtsextremismus dürften keine Kavaliersdelikte sein, sondern müssten mit der ganzen Härte des Gesetzes verfolgt werden.

Söder: AfD ist "neue Heimat für alte Gedanken und auch für alte Nazis"

Eine gefährliche Entwicklung sei auch die Verharmlosung mit Formulierungen wie "Man wird doch mal was sagen dürfen", betonte Söder. Diese Form der Argumentation sei inzwischen sogar im Landtag angekommen.

Die AfD sei eine "neue Heimat für alte Gedanken und auch für alte Nazis", sagte Söder bei dem "Gebet der Solidarität". Wie Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, sagte, stehe die AfD gegen Demokratie und Freiheitlichkeit. Denn die AfD sei eine Partei, "die unterstützt, was uns bedroht", nicht nur im Bezug auf die jüdische Gemeinschaft, sondern auf die demokratische Gesellschaft, auf ihre Werte und auf die Würde der Menschen.

Knobloch: Angst der jüdischen Bevölkerung wächst

Immer öfter und radikaler zeige der Antisemitismus seine Fratze, sagte Knobloch. Diese Bedrohung treffe Juden inzwischen sogar in Form radikaler Übergriffe. Erstmals seit vielen Jahren befürchte eine wachsende Anzahl von jüdischen Menschen in Deutschland, dass sie einmal mehr ihre Heimat verlieren könnten. "Gemeinsam muss es uns gelingen, unsere Heimat gegen den Antisemitismus zu verteidigen, der uns alle bedroht", erläuterte Knobloch.

An dem "Gebet der Solidarität" in der voll besetzten Synagoge nahmen neben dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, auch Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler), der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), der bayerische Antisemitismusbeauftragte Ludwig Spaenle (CSU) und Repräsentanten der Kirchen teil.

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