23.01.2020
Sterbebegleitung

Hospiz-Offensive für München - Zwei Vereine planen Palliativzentren für die Landeshauptstadt

Die 1,5-Millionen-Stadt München verfügt über nur 28 Hospizbetten und vier ambulante Hospizdienste. Der Christophorus Hospiz Verein und der ambulante Hospizdienst "DaSein" planen jetzt große Palliativzentren.
Egal wann das Lebensende kommt: Sterbende Menschen brauchen Pflege, Begleitung und Zuwendung.
Egal wann das Lebensende kommt: Sterbende Menschen brauchen Pflege, Begleitung und Zuwendung.

Ein Palliativzentrum für Begegnung und Beratung plant der Christophorus Hospiz Verein (CHV). Das Konzept sehe keine stationären Hospizbetten vor, sondern wolle Menschen im frühen Krankheitsstadium begleiten, teilte der CHV am Dienstag mit. "Wer die Diagnose einer zum Tod führenden Krankheit erhält, hat frühzeitig Bedarf nach Information und Austausch", sagte CHV-Vorstandschef Leonhard Wagner dem Evangelischen Pressedienst epd. Das geplante Zentrum solle Angebote, Ansprechpartner und Begegnungsmöglichkeiten für diese Menschen und ihre Angehörigen bieten. Das CHV-Hospiz mit zwölf stationären Betten und das CHV-Institut für Bildung und Begegnung würden unabhängig vom neuen Zentrum weitergeführt.

Bereits im Oktober 2019 wiederum hatte der ambulante Hospizverein "DaSein" angekündigt, ein drittes stationäres Hospiz mit mindestens zwölf Betten in zentraler Lage oder im bislang unterversorgten Südosten Münchens bauen zu wollen.

"Die stationäre Versorgung ist ein riesiges Problem, die Menschen sterben, während sie auf der Warteliste sind", sagte Geschäftsführerin Katharina Rizzi.

"DaSein" sei bereits in ambulanter Versorgung und Beratung tätig, deshalb sei der Bau eines stationären Hospizes die logische Fortsetzung der Vereinsaktivitäten.

Eine Konkurrenz entstehe durch die beiden Großprojekte nicht, sind sich die Vereins-Chefs einig. "Der Bedarf in Hospizbereich ist in München groß, und er wächst weiter", sagte Leonhard Wagner, Vorstandsvorsitzender des CHV, dem epd. Es brauche den Ausbau in allen Bereichen. "Deshalb wäre es ideal, wenn beide Projekte realisiert werden könnten", so Wagner.

Katharina Rizzi, Geschäftsführerin von "DaSein", ist gleicher Meinung: "Wir und der CHV haben das gleiche Grundanliegen." Sie wünsche beiden Projekten Erfolg und sei froh, "dass das so wichtige Thema Hospiz, der menschenwürdigen Versorgung todkranker Patienten, langsam stärker in der öffentlichen Diskussion wahrgenommen" werde.

Beratung und Behandlung unter einem Dach - auch für Angehörige

Der CHV hofft, sein Projekt auf dem Gelände des Schwabinger Krankenhauses verwirklichen zu können - entweder in einer bestehenden Immobilie oder als Neubau. Das Palliativzentrum solle sich nicht nur an Krebspatienten richten, sondern auch an Menschen mit nicht-onkologischen oder chronischen Krankheiten im Endstadium. Für die Betroffenen und ihre Partner, Kinder und Angehörigen sollen Beratungs- und Behandlungsangebote bereitstehen sowie Kurse, Schulungen und Therapiemöglichkeiten. Ziel sei, den Familien Kompetenz und Sicherheit im Umgang mit Menschen am Lebensende zu geben.

In zwei bis drei Jahren könnte laut Vorstandschef Wagner das Palliativzentrum an den Start gehen, da die Finanzierung über Rücklagen gesichert sei. "DaSein" wiederum wirbt derzeit um Privatspenden für sein 35-Millionen-Projekt und sucht ein Grundstück für das Hospiz. Wenn es nach Geschäftsführerin Rizzi geht, soll das Zentrum 2021, im 30. Vereinsgründungsjahr, Richtfest feiern - "oder zumindest den ersten Spatenstich". Im Februar ist die Präsentation von rund 20 Modellen für das Hospizzentrum geplant, die Architekturstudenten vom Lehrstuhl "Städtebau" der TU München in einem Seminar "Architektur und Hospiz" entworfen haben.

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