1.03.2020
Kultur

Pfarrer Hannes Schott spielt die US-Erfolgskomödie "Ein seltsames Paar" in Mundartfassung

Auf der Kanzel ist er ebenso zu Hause wie auf der Kleinkunstbühne: Jetzt macht Pfarrer Hannes Schott einen Ausflug ins Boulevard-Theater. Für die Studiobühne Bayreuth hat er den Komödien-Klassiker "Ein seltsames Paar" von Erfolgsautor Neil Simon in fränkische Mundart übertragen. Und als einer von "zwaa scheena Bum" ("zwei schöne Buben") spielt er eine der Hauptrollen.
Hannes Schott (rechts) und Florian Kolb
Bei einer Theaterprobe: Hannes Schott (rechts) und Florian Kolb sind die "scheena Bum" Oskar Metzner und Felix Unger. Die Handlung um eine turbulent-verwickelte "Männerwirtschaft" wurde von New York ins Bayreuth der 1970er-Jahre verlegt, Regie führt Dominik Kern.

Was bedeutet der Wechsel von der Kabarett- auf die Theaterbühne für Sie?

Hannes Schott: Theaterspielen ist ein wunderbares, aber zeitaufwendiges Hobby, das ich in der Schulzeit und im Studium sehr gepflegt habe, und ich genieße die Arbeit in diesem tollen Team sehr und lerne viel. Im Gegensatz zum Kabarett, wo man sein eigener Chef ist und mit eigenen Texten arbeitet, ist es spannend, sich mit einem fremden Text zu beschäftigen und zu versuchen, Regieanweisungen umzusetzen.

Das "seltsame Paar" ist ja einer der großen Komödien-Klassiker. Haben Sie daran persönliche Erinnerungen?

Hannes Schott: Seit meiner Jugend liebe ich den Film mit Jack Lemmon und Walter Matthau und ich habe schon lange davon geträumt, das zugrundeliegende Theaterstück zu spielen. Ein Studienfreund hat vor einigen Jahren das Stück im Heidelberger Raum mit seiner Theatergruppe aufgeführt. Die Schauspieler hatten alle eine badische Sprachfärbung, was sich mit dem ursprünglich New Yorker Umfeld des Stücks etwas biss.

Da kam mir die Idee, das Stück komplett in oberfränkische Mundart zu übersetzen.

Der nächste logische Schritt war, das Stück komplett nach Oberfranken zu verlegen. Nach der oberfränkischen Bibelübersetzung 2017 war mal ein nicht religiöser Text zur Übersetzung ins Fränkische dran.

Mit wie viel Respekt geht man an die Übersetzung eines solchen Stücks heran?

Hannes Schott: Die großen Handlungsstränge waren einfach zu übertragen – es geht um unterschiedliche Charaktere und deren Eigenheiten, Freundschaft, Trennung und die damit verbundene Trauer, ein Date, Streit und Versöhnung – diese Themen sind universal. Komplizierter waren einige New Yorker Besonderheiten und natürlich das Pokerspiel in Schafkopf zu verändern. Vieles entwickelte sich dann erst bei den Proben – wie auch die endgültige Mundartfassung zusammen mit den Mitspielern. Es ist also ein Gemeinschaftsprojekt, so wie damals "Die Bibel auf Bareiderisch".

Original-Schauplatz ist ein amerikanisches Großstadt-Apartment samt zugehöriger Typen – was davon findet man in der fränkischen "Provinz" wieder?

Hannes Schott: Ich hoffe, nur noch wenig. Schauplatz ist jetzt das Y-Haus in Bayreuth –
und dort funktionieren die Charaktere, die jetzt Schafkopf statt Poker spielen, auch gut!

Oskar kennt man als liebenswert-chaotisches Raubein, seinen Mitbewohner Felix als übersensiblen Ordnungsfanatiker. Wie viel von Oskar steckt in Hannes Schott – oder vielleicht auch etwas von Felix?

Hannes Schott: Beide sind extreme Persönlichkeiten, aber Anteile von ihnen habe ich an mir schon entdeckt:

Ich bin gesellig, spiele gern Schafkopf und kann auch bei viel Stress unordentlich sein. Gleichzeitig koche ich gern und habe auch eine sensible Seite. Und ich genieße Zeit mit meinen Freunden.

Wie weit schlüpft man aus dem Pfarrersein heraus? Oder: Wie viel davon fließt in die Rolle ein?

Hannes Schott: Auch die Kanzel ist eine Bühne. Ich profitiere bei den Proben vom Mäuschen-Spielen bei der Regiearbeit, die ich vielleicht auch für die Gemeindearbeit fruchtbar machen kann, und von verschiedenen Text-Lerntechniken. Ganz aus dem Pfarrersein konnte ich aber nicht schlüpfen – bei manchen Proben kam ich im Anzug von einem Termin und habe mit meinem Mitspielenden über kirchliche Themen diskutiert. Insgesamt genieße ich es aber auch, mal jemand ganz anderes und Unpfarrerliches auf der Bühne sein zu können!

Gibt es noch andere Gemeinsamkeiten zwischen Theater und Gottesdienst?

Hannes Schott: Beide gehen ja irgendwo Hand in Hand. Ich mache gerade eine Gottesdienst-Fortbildung, da schaut uns ein Theaterregisseur bei der Liturgie zu und gibt Tipps. Wenn ich eine gute Theaterinszenierung besucht habe, beschäftigt die mich noch lange – wie im besten Fall auch ein Gottesdienst. Jede Pfarrerin und jeden Pfarrer kann für alle Bereiche unseres Berufs etwas von Theaterleuten lernen.

Heißt das, man wird Sie öfter als Schauspieler sehen?

Hannes Schott: Eigentlich ist es für einen Gemeindepfarrer kaum möglich, bei einem Theaterstück mit solchem Aufwand mitzuspielen. Es kostet einfach zu viel Zeit und Energie. Nur mit großem Organisationsgeschick und Zeitmanagement ist es möglich, in "Zwaa scheena Bum" dabei zu sein. Aber es wird wohl ein einmaliges Gastspiel bleiben, da ich gerade von meinem privaten Umfeld nicht mehr fordern will, so oft auf mich zu verzichten.

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