22.05.2016
Bildung

Schule mit ganzheitlichem christlichen Konzept

In Rosenheim soll im Schuljahr 2017/18 eine neue evangelische Gemeinschaftsschule eröffnet werden: die Aktive Projekt-Schule, kurz APS. Initiatorin ist die Sozialpädagogin, Mittelschullehrerin und Montessori-Pädagogin Angelika Thomas-Photiadis. Sie bezeichnet die APS als "Beziehungsschule".
Kinder an der Tafel im Mathematik Unterricht Schule

Achtsamkeit und Wertschätzung: Auf diesen Grundwerten basiert das Gesamtkonzept der Schule, die von der 5. bis zur 10. Klasse geht. Die "Herzensbildung" ist ein Herzensanliegen von Thomas-Photiadis. Die Pädagogin war schon lange mit dem vorhandenen Angebot an Schulkonzepten unzufrieden. Mit ihrer Projekt-Schule will sie "die Lust am Lernen bei jungen Menschen wecken". Um dies zu erreichen, sollen maximal 20 Schüler eine Klasse besuchen; es gibt keine Noten, stattdessen jahrgangsübergreifenden Unterricht: Die Schüler der Klassen 5-7 und 8-10 sollen gemeinsam lernen.

Im Schulalltag soll das gemeinsame Lernen als "vernetzter Unterricht" erfolgen. Die verschiedenen Fächer und Themen werden im Rahmen von Projektarbeiten zusammengeführt. "Alle arbeiten gemeinsam an einem Projekt, es muss keine Verlierer geben", beschreibt Angelika Thomas-Photiadis das Lernkonzept ohne Leistungsdruck. Schüler schließen die APS nach der 9. Klasse mit dem qualifizierten Hauptschulabschluss ab oder nach der 10. Klasse mit der mittleren Reife. Zusätzlich werden interessierte Schüler unterstützt, sich auf die Fachoberschule (FOS) vorzubereiten.

Orientierung an christlichen Werten

Eine Besonderheit der APS ist ihre christliche Ausrichtung. Die äußert sich darin, dass der Schultag mit einem Gebet oder einer Besinnung begonnen wird. Die Schüler sollen sich mit der Frage auseinandersetzen können, was für sie christliches Handeln bedeute. Dazu gehöre neben Achtsamkeit auch Nachhaltigkeit im Sinne der Bewahrung der Schöpfung, erklärt die Initiatorin.

Das Konzept kommt offenbar an: Jugendliche, die erste Prüfungsvorbereitungskurse besucht haben, seien begeistert gewesen, erzählt Thomas-Photiadis. Von den Probestunden war auch die Rosenheimer Dekanin Hanna Wirth beeindruckt. Wirth ist seit einem halben Jahr Mitglied des APS-Fördervereins und findet, dass das Schulkonzept gut zum evangelisch-christlichen Menschenbild passe. Besonders wichtig sei der Aspekt, dass die Schüler gemeinsam Verantwortung übernehmen müssten, beispielsweise für die Ordnung in ihrem Klassenzimmer. So entstehe ein Wir-Gefühl: "Einer soll für den anderen einstehen und mitdenken", erläutert die Dekanin.

Wenn die APS Wirklichkeit wird, wäre sie eine staatlich anerkannte Schule unter Trägerschaft des Evangelischen Schulvereins Rosenheim. Außerdem würde sie ab dem ersten Schultag staatlich refinanziert werden. Das Schulgeld beliefe sich auf 185 bis 385 Euro monatlich, je nach Einkommen der Eltern.

Das größte Problem ist jedoch, ein passendes und bezahlbares Schulgebäude zu finden. Denn mehr als 9,50 Euro Miete pro Quadratmeter kann sich der Förderverein nicht leisten. Der Staat würde das Gebäude zwar refinanzieren, allerdings dauere das zwischen zehn und 15 Jahren, erzählt Thomas-Photiadis. Ohne finanzkräftige Unterstützer bleibt der Traum von der besseren Schule wohl: ein Traum.

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