26.04.2017
Diakonie

Straubinger Kleiderkammer "Reißverschluss"

Das Familienhaus begann in Straubing mit einem Kindergarten. Den gibt es immer noch, aber inzwischen sind Seniorenbegegnungen, ein offener Familientreff und interkulturelle Projekte dazugekommen. Jüngstes Projekt im Familienhaus der Christuskirche ist die – wieder eröffnete – Kleiderkammer.
 Das Team der Straubinger Kleiderkammer Reißverschluss.
Zum Team des Reißverschlusses gehören: Ute Zschorn, Yvonne Breuner und Svetlana Nikolaeva (von links).

Oben toben die Kinder im Kindergarten und danach im Familientreff. Der Weg zum Überfluss führt hinunter: am freundlichen Begegnungscafé vorbei ins Untergeschoss. Hier, 18 Treppenstufen tiefer, ist auf 80 Quadratmetern aufgehängt, was viele Straubinger nicht mehr brauchen, und was andere, die nicht so viel Geld haben, dreimal in der Woche buchstäblich anzieht.

Die frühere Kleiderkammer wurde überarbeitet und jetzt im April als "Reißverschluss" neu aufgestellt und wieder eröffnet. Yvonne Breuner arbeitet als Angestellte mit einem halben Dutzen Ehrenamtlichen zusammen. Sie wollen offensiver auftreten, Kleidung und Darstellung ansprechender ausstellen, und gehen gezielt an die Öffentlichkeit.

"Wir leben im Überfluss"

"Es stimmt schon, wir sind eine Überfluss-Gesellschaft", gibt Yvonne Breuner unumwunden zu. "Wir merken das, weil viele Leute auch hochwertige, gute Sachen schneller aussortieren können. Davon profitieren wir."

Diesen Überfluss gerecht und sinnvoll weiterzuverteilen, sei der Sinn der Secondhand-Einrichtung für Kinder und Erwachsene. "Zu uns kommen viele Leute bewusst. Sie sagen: Wir haben gute Sachen und wollen die nicht einfach anonym in einen Container stopfen", so Breuner. "Bei uns wissen sie, die Kleidung bleibt in der Region."

Der Andrang ist an diesem Dienstagnachmittag überschaubar. Da bleibt den Mitarbeiterinnen Ute Zschorn, Ramona Müller und Svetlana Nikolaeva Zeit, die vielen Hosen, Jacken, Pullis, Hemden und Blusen zu sortieren und ansprechend zu präsentieren. Blickfang ist ein hübsches Dirndl mit einem flotten grünen Oberteil; einzeln auf einem Kleiderständer als Blickfang positioniert.

Eine junge Frau kommt hinunter und geht gezielt zum Stapel mit der Kinderwäsche. Sie wendet den Kopf ab, und will auch nicht befragt werden. Ohne etwas zu kaufen, geht sie wieder. Die Blicke der anderen gehen ihr nach.

Günstige Mahlzeiten im "Begegnungscafé"

Oben, im Erdgeschoss, kann sie sich die Sache im "Begegnungscafé" noch überlegen. Auch hier arbeiten Ehrenamtliche, und bieten dreimal in der Woche günstige Mittagsmahlzeiten sowie am Nachmittag Kaffee und Kuchen an. Eine Runde flotter Seniorinnen hat diesen Ort für sich erobert und schiebt jeden ersten Dienstag im Monat drei Tische zusammen, damit alle gut Platz finden.

Von oben dringt ab und zu Füßestampfen durch die Decke. Im Obergeschoss ist der " offene Familientreff" untergebracht, der aus dem "Mütter-Väter-Zentrum" mit neuen Leuten hervorgegangen ist. "Offen deshalb, weil wir mit den Öffnungszeiten offen umgehen, sagt Sarah Wolff, die neben ihrem Ehrenamt auch gleich Tochter Anessa unterbringt. "Die Mütter und Väter sollen nicht hergehetzt kommen, sondern statt vielleicht um zwei erst um drei herkommen."

Gut möglich, dass auf dem Weg zum Familientreff noch ein Kaffee drin ist oder ein paar Klamotten aus dem "Reißverschluss" zwei Etagen tiefer.

Öffnungszeiten

Die Kleiderkammer "Reißverschluss" öffnet derzeit am Dienstag von 8 bis 11 Uhr und 14 bis 17 Uhr sowie Donnerstag von 14 - 17 Uhr und an jedem letzten Samstag im Monat von 9 bis 15 Uhr. Begegnungscafé und Familientreff am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag geöffnet. Die Zeiten für den Familientreff: Dienstag: 14 bis 16.30 Uhr, Mittwoch und Donnerstag von 8.30 bis 11.30 Uhr.

 

 

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