2.01.2018
Ökumene

Die ökumenischen Donausegnungen jähren sich am 7. Januar zum 25. Mal. Zum Jubiläum sprechen wir mit Marlis Thalhammer, die seit 1994 dabei ist.
Marlis Thalhammer vom Aktionskreis.
Frau der ersten Stunde: Marlis Thalhammer vom Aktionskreis.

Die ökumenischen Donausegnungen jähren sich am 7. Januar zum 25. Mal und Marlis Thalhammer aus Niederaltaich war von Anfang an dabei. Sie hat seit 1994 den Einsatz der Bürger für den Erhalt der lebendigen Donau zwischen Straubing und Vilshofen begleitet. Geplant waren drei Staustufen und ein Seitenkanal. Realisiert wurde schließlich ein sanfter Ausbau. Die Donausegnungen gaben dafür einen maßgeblichen Impuls.

 

Nach welchem Ritual läuft die 25. Donausegnung in Niederaltaich ab?

Marlis Thalhammer: Es wird so ablaufen, wie es 1994 vom damaligen Abt Emmanuel Jungclaussen und dem evangelischen Stadtpfarrer Norbert Stapfer aus der Taufe gehoben wurde. Das Ritual ist der Wasserweihe der orthodoxen Kirche an Epiphanie entnommen. Bei dieser Segnungsfeier wird das Kreuz dreimal ins Wasser geworfen und dabei das Troparion nach byzantinischem Ritus gesungen.

 

Warum wird das Kreuz dreimal in die Donau geworfen?

Thalhammer: Die Segnung der strömenden Wasser wird in der orthodoxen Liturgie mit dreimaliger Wiederholung vollzogen, das ist einfach ein Grundelement.

 

In Regensburg holen Taucher das Kreuz aus der Donau. Wie wird es in Niederaltaich gemacht?

Thalhammer: In Griechenland holen auch Taucher das Kreuz aus dem Wasser. Aber Abt Emmanuel hat es so eingeführt, dass das Kreuz an einer Schnur hängt und dann wieder eingeholt wird. Es wird so sein, dass je einmal der katholische Dekan, die evangelische Pfarrerin und heuer zum ersten Mal Bischof Stefan Oster das Kreuz in die Donau werfen.

 

Im Jahr 2013 kippte die bayerische Staatsregierung dann die Pläne zum Ausbau mit drei Staustufen und Seitenkanal. Wäre das auch ohne die ökumenischen Donausegnungen gelungen?

Thalhammer: Wir haben jeden politischen Schritt in unsere Gebete getragen. Das war die spezifische Aufgabe von uns als Ökumenischem Aktionskreis »Lebendige Donau«, der die Donaugebete koordiniert hat. Wir fühlten uns in einem großen Verbund mit den Initiativgruppen und den Umweltschutzverbänden. In der Spannung zwischen Kampf und Kontemplation, zwischen Politik und Mystik lag unsere große Kraft. Wir haben die politische Auseinandersetzung auf die geistlich-spirituelle Ebene gehoben. Wir brachten all unsere Klagen, Bitten, Enttäuschungen, unsere Freude und unseren Dank dem Herrn, unserem Schöpfer, dar.

 

Welche Rolle spielte Altabt Emmanuel dabei?

Thalhammer: Er war der Initiator der Donausegnungen und konnte es uns so intensiv vermitteln, dass die Donau eine Schöpfung, eine Offenbarung Gottes ist. Der Strom, der Fluss, das Strömende wurde uns zu einem Sinnbild des Lebens. Die Dynamik, die da im Fluss lag, durfte nicht zerstört werden.

 

Wie fielen die politischen Reaktionen auf die Donausegnungen und monatlichen Donaugebete aus?

Thalhammer: Bei der ersten Segnung 1994 war der damalige Ministerpräsident Edmund Stoiber noch entrüstet, dass sich die Kirche da einmischt. Das hat schon Wirbel in der politischen Landschaft ausgelöst. Aber zwei Jahre später sorgte ein Moratorium für neue Untersuchungen: Es war ja kein rigoroses Nein, das wir sagten, sondern es gab eine Alternative, nämlich den flussbaulichen Ausbau zur Verbesserung der Schifffahrt.

 

Wofür plädierten Sie?

Thalhammer: Wir waren für einen sanften Ausbau der Schifffahrtsrinne im Fluss, ohne Stauhaltung mit Dunen und Leitwerken, damit der Fluss lebendig gehalten wurde und die Auenlandschaft nicht zerstört wurde. Diese Forderung von uns, die flussbauliche Methode zu untersuchen, ging dann 1996 durch.

 

Warum hat es trotzdem noch bis 2013 gedauert?

Thalhammer: Nach dieser Untersuchung kam die abgespeckte Lösung mit einer Staustufe, keinem Kanal und dem Durchstich zur Mühlhamer Schleife. Ab 2005 wurde es auf die euopäische Ebene gehoben. 2012 kamen dann die Ergebnisse, dass die Wirtschaftlichkeit der Wasserschifffahrtsstraße in keinem Verhältnis zur Naturzerstörung steht. Im Dezember 2012 bereiste Ministerpräsident Horst Seehofer die Donau, wo er erklärte, dass die Menschen an der Donau ihre Heimat liebten und keine berufsmäßigen Randalierer seien.

 

Wie wird es heuer sein, wenn Altabt Emmanuel nicht mehr dabei ist?

Thalhammer: Schon voriges Jahr musste er wegen Altersschwäche absagen. Das war für uns sehr schmerzlich. Er fehlt uns, aber wir sind unendlich dankbar für das Vermächtnis, das er uns hinterlassen hat.

Donausegnung Niederaltaich

Niederaltaich: 25. Ökumenische Donausegnung am Sonntag, 7. Januar 2018, um 17 Uhr am Donauufer. Danach Lichterprozession zur Basilika und zum Vespergottesdienst.

Regensburg: Ökumenischer Gottesdienst anlässlich der Flusssegnung am Sonntag, 7. Januar, um 15 Uhr im Dom. Anschließend Flusssegnung an der Steinernen Brücke mit Regionalbischof Hans-Martin Weiss, Bischof Rudolf Voderholzer und Archimandrit Peter Klitsch.

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