Lorenzer Kirchof
Noch mindestens zwei Monate wird es dauern, bis die Bauarbeiten für den neuen Lorenzer Kirchhof in Nürnberg endlich beginnen. Das hat einen bestimmten Grund.
St.-Lorenz-Kirche in Nürnberg.
Rund um St. Lorenz sollen ein Bibelmuseum, das Kirchensteueramt, Gemeinderäume und ein Saal entstehen.

Die Nürnberger müssen weiter auf den Baubeginn des neuen Lorenzer Kirchhofs warten. Mindestens noch zwei weitere Monate werden die Archäologen an der Stelle neben der weltbekannten Lorenzkirche graben, erklärte der Nürnberger Stadtarchäologe John Zeitler.

Für etwa 15 Millionen Euro will die evangelische Landeskirche im Stadtzentrum einen vierstöckigen Neubau errichten, in dem unter anderem ein Bibelmuseum, das Kirchensteueramt, die Gemeinderäume und ein über 200 Quadratmeter großer Gemeindesaal untergebracht werden sollen.

Seit knapp zwei Jahren werden aber die Archäologen in der Baugrube fündig. Wie in einer »Schichttorte«, sagte Zeitler, würden die Spuren der Vorgängerbauten auftauchen. In einer sehr tiefen Schicht habe man zuletzt einen Schlussstein mit einem Löwenrelief gefunden, der aus dem späten 12. Jahrhundert sei und von einer Kapelle an einem Vorgängerbau der Lorenzkirche stamme könnte.

Gefälschte Münzen in der Latrine

Kuriosester Fund bei den Grabungen war Anfang des Jahres 2017 ein »Münzschatz« im Schutt einer früheren Latrine. Die etwa 300 Plättchen hält der Stadtarchäologe für Fälschungen, die ein Münzfälscher entsorgt habe, um nicht entdeckt zu werden.

Bei den archäologischen Arbeiten im Lorenzer Hof hat sich außerdem herausgestellt, dass die Pfarrherren von St. Lorenz ab dem 13. Jahrhundert feudal lebten. Davon zeugen Kristallgläser, Kachelofen-Keramik und teures rheinisches Steinzeug und Wandmalereien. Durch die Funde können sich die Wissenschaftler auch ein Bild von der Entwicklung der jüngeren der beiden Altstadthälften Nürnbergs machen. Ein Teil der archäologischen Funde wird in dem geplanten Bibelmuseum zu sehen sein.

 

Weitere Artikel zum Thema:

Archäologie

Jerusalem - Blick über die Grabeskirche auf den Tempelberg und den Felsendom.
In einer Stadt wie Jerusalem, könnte man annehmen, haben Archäologen bereits jeden Stein umgedreht. Weit gefehlt! Immer wieder stoßen sie auf Spuren, die zeigen, wie die Stadt zu Jesu Zeiten aussah. Auch das Deutsche Evangelische Institut für Altertumswissenschaft forscht im Untergrund.

„Sonntags“ – Der kompakte Überblick

Starten Sie mit unserem Newsletter in die Woche.

 
Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis.*

Sonntagsblatt