31.01.2019
Familie und Bildung

Wie ein Programm der Diakonie Hochfranken die Entwicklung von Kindern begleitet

Gelingende Integration beginnt mit der Sprache. In Hof widmen sich Mitarbeiterinnen der Diakonie bei Hausbesuchen besonders Kindern mit Migrationshintergrund.
Gülbahar Yildirim (links) ist Hausbesucherin der Diakonie Hochfranken.
Gülbahar Yildirim (links) ist Hausbesucherin. Sie unterstützt Eltern dabei, ihr Kind spielerisch zu fördern und sinnvoll zu beschäftigen. Hier besucht sie die kleine Johanna und ihre Familie.

Erwartungsvoll reißt Johanna die Wohnungstür auf. Das zweieinhalbjährige Mädchen mit dem offenen Blick und dem langen Pferdeschwanz freut sich schon. Heute kommt Gülbahar. Was hat sie mitgebracht?

Gülbahar Yildirim ist eine von zwei Hausbesucherinnen aus dem Opstapje-Programm. Es unterstützt Eltern dabei, die Entwicklung ihrer Kinder spielerisch zu fördern. Sie erfahren ganz praktisch und unbefangen, wie sie Spielsituationen mit ihrem Kind gestalten können und dabei eine vertrauensvolle und sichere Bindung zum Kind aufbauen. Mit dem präventiven Programm sollen Eltern angesprochen werden, die sich sinnvolle Impulse für den Familienalltag wünschen.

Bildungschancen hängen vom Elternhaus ab

"Es ist gut, früh in die kindliche Entwicklung zu investieren, denn gerade die ersten Lebensjahre sind entscheidend für den weiteren Bildungsweg", erklärt Jasmin Block von der Diakonie Hochfranken. Sie ist seit rund zwei Jahren für Opstapje verantwortlich. "Welche Bildungschancen ein Kind hat, hängt stark vom Elternhaus ab. Gute, frühe Lernerfahrungen in den unterschiedlichen Bereichen – von Motorik über Sprache bis zur sozial-emotionalen Kompetenz – erhöhen die Chancen auf Teilhabe und einen erfolgreichen Schulabschluss", erklärt sie

So weit denken die Eltern von Johanna momentan noch nicht. Erst einmal geht es ihnen darum, dass ihre beiden Töchter Deutsch lernen. "Die Besuche von Gülbahar sind schön und helfen uns weiter", sagt die Mutter Farsane Esper über die willkommene und lehrreiche Abwechslung. Gülbahar hat sich mit den zwei Mädchen auf dem großen weichen Teppich im Wohnzimmer niedergelassen. Das Kindergeschirr, das sie heute mitgebracht hat, stammt aus einer ganz bewusst zusammengestellten Materialauswahl. "Magst du Tee? Gib mir bitte die Tasse. Ich schenke dir ein", sagt Gülbahar zu Johanna.

Altersgerechter Entwicklungsstand

Ein Rollenspiel aus dem Alltag: So einfach kann es sein, sich mit seinem Kind sinnvoll zu beschäftigen. Die Hausbesucherinnen bringen Bücher, Holzpuzzles, Bausteine oder Figuren mit. Was in manchen Kinderzimmern im Überfluss herumliegt, ist andernorts Mangelware. Es gibt nicht wenige Familien, in denen weder altersgerechte Bücher noch geeignete Spielideen für die Jüngsten vorhanden sind.

"Besonders freut mich, dass ich die Kinder an ihrem ersten Lernort, nämlich in ihrer Familie, begleiten darf. Die Kinder wachsen mit dir, wenn du zwei Jahre hingehst, man bekommt unterschiedliche Entwicklungsphasen mit – und jede Familie ist individuell", erklärt Gülbahar Yildirim.

Opstapje, das gilt als erwiesen, hilft dabei, die Kinder auf einen altersgerechten Entwicklungsstand zu bringen. Das Programm endet allerdings nach maximal zwei Jahren für die einzelne Familie. Dann ist es wichtig, dass das Kind eine Kita besucht und dort gut gefördert wird.

Das Opstapje-Team gestaltet eine Urkunde mit Foto von einem der ersten Hausbesuche und es gibt ein kleines Geschenk. "Der Abschied fällt den Kindern immer schwer, und auch die Eltern würden den Zeitraum der Begleitung immer gerne erweitern, doch irgendwann ist es wie so oft im Leben Zeit, allein weiterzugehen", sagt Jasmin Block. "Im Übrigen wissen die Familien durch uns auch, wohin sie sich wenden können, wenn in der Erziehung Fragen oder Sorgen auftreten sollten."

INFO

Der Begriff "Opstapje" stammt aus dem Holländischen und bedeutet "Trittstein" oder "Sprungbrett". Er verdeutlicht, dass es in dem Programm ums Weiterkommen geht. Das Angebot richtet sich an Familien mit Kindern im Alter von etwa 18 Monaten bis 3 Jahren. Opstapje gibt es bereits seit elf Jahren in Hof und hat fast 100 Familien begleitet. Ende Februar / Mitte März werden voraussichtlich wieder Plätze frei.

Kontakt: Montagnachmittag und Dienstagvormittag, Tel. (0 92 81) 5 40 39 05 92
E-Mail: jasmin.block@diakonie-hochfranken.de

ShareFacebookTwitterShare

Weitere Artikel zum Thema:

Redaktionsgespräch

Sozialministerin Emilia Müller
Die neue bayerische Sozialministerin Emilia Müller (CSU) steht für einen grundlegenden Wechsel in der Asylpolitik. In einem Redaktionsgespräch mit dem EPV wirbt sie für eine positive Haltung in der Bevölkerung gegenüber Flüchtlingen. Außerdem beschreibt die Ministerin die Schwerpunkte der Sozialpolitik, die vor allem die Gemeinschaft und den Zusammenhalt in der Gesellschaft fördern soll.
Sonntagsblatt