30.10.2020
Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche

"Ist gut, loszulassen": Heinrich Bedford-Strohm kandidiert 2021 nicht mehr für EKD-Spitze

"Es ist gut, wenn da jemand Neues rankommt, neue Akzente setzt, neue Impulse gibt", sagt Heinrich Bedford-Strohm und kündigt an, im nächsten Jahr nicht mehr als Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland zur Verfügung zu stehen.
Heinrich Bedford-Strohm

Im Herbst 2021 wird es einen Wechsel an der Spitze der evangelischen Kirche geben: Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, kündigte am Donnerstag an, er wolle im kommenden Jahr nicht noch einmal für das Amt kandidieren. Bayerischer Landesbischof wird der Theologe aber turnusmäßig bis 2023 bleiben.

Bedford-Strohm zieht sich zurück

Eine Woche vor der Jahrestagung der EKD-Synode wird offiziell, was schon länger in kirchlichen Kreisen kolportiert wurde. Wie Bedford-Strohm Sonntagsblatt.de sagte, sei jetzt so oft gefragt worden, ob er erneut kandidiere, dass es Zeit gewesen sei, nicht länger die Antwort zu verweigern und Spekulationen zu vermeiden. Damit verliert die evangelische Kirche in ihrer vordersten Reihe einen streitbaren und profilierten Protestanten.

Doch passend zu den nun bevorstehenden intensiven Reformdiskussionen ist dann auch Platz für einen Generationenwechsel. Am 8. und 9. November berät die EKD-Synode über strukturelle Reformen, wegen der Corona-Pandemie rein digital. Theoretisch hätte sich Bedford-Strohm noch einmal für den Ratsvorsitz zur Wahl stellen können. Doch nun solle "jemand Neues ran", der neue Akzente setze, sagte der 60-Jährige im Bayerischen Rundfunk (BR).

Er freue sich vor allem darauf, "dass ich dann noch zwei Jahre habe, wo ich meine ganze Kraft für die bayerische Landeskirche einsetzen kann". Es gebe eine bestimmte Zeit, in der einem ein Amt übertragen ist.

"Und dann ist es auch gut, wenn der Zeitpunkt kommt, es loszulassen, es in andere Hände zu geben", sagte er.

Es ist in der EKD üblich, dass leitende Geistliche diese Aufgabe übernehmen. Im Herbst 2021 wird eine neu zusammengesetzte Synode einen neuen 15-köpfigen Rat wählen. Der Rat bestimmt aus seiner Mitte einen neuen Vorsitzenden oder eine neue Vorsitzende.

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, äußerte Bedauern über Bedford-Strohms Entscheidung. "Der Ratsvorsitzende ist eine Persönlichkeit, deren Herz für die Ökumene brennt", sagte Bätzing Sonntagsblatt.de.

Bedford-Strohm und die Ökumene

In Bedford-Strohms Amtszeit fiel die Jubiläumsfeier zum 500. Jahrestag der Reformation. Gemeinsam mit Bätzings Vorgänger, dem Münchner Kardinal Reinhard Marx, hatte Bedford-Strohm das Reformationsjubiläum im Jahr 2017 als ökumenisches Christusfest begangen.

Bedford-Strohms Weggefährte Michael Diener, Mitglied im Rat der EKD, sagte Sonntagsblatt.de, er halte es für richtig, diese Entscheidung vor der letzten Tagung der Synode öffentlich zu machen, die ihm so deutlich das Vertrauen ausgesprochen und immer erhalten habe.

Konstituierte Synode wähle neuen Rat

"Das lässt nun ein Jahr Zeit, die Nachfolgefrage in allen Gremien zu erörtern und zu klären und gibt ihm viel Freiheit, dieses letzte Jahr zu gestalten", sagte der Theologe, der bis September Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbands war.

Bedford-Strohm bleibt als Ratsvorsitzender im Amt, bis eine neu konstituierte Synode einen neuen Rat gewählt hat. "Ich freue mich jetzt auf ein ganzes weiteres Jahr meiner Amtszeit, in dem ich mich weiter mit aller Kraft für die EKD einsetzen werde", sagte Bedford-Strohm Sonntagsblatt.de. "Zu tun gibt es genug! Trost und Orientierung in der Zeit der Pandemie und ein Vorwärtstreiben der Reformprozesse in unserer Kirche."

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