28.10.2020
Corona

Käßmann zur Corona-Pandemie: Kirchen werden Weihnachtsgottesdienste trotz Corona möglich machen

Das Weihnachtsfest wird in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie anders sein als in den vergangenen Jahren. Prominente Protestanten wie Margot Käßmann sind sich aber einig: Es findet statt. Bereits jetzt gibt es dazu zahlreiche kreative Ideen.
Stern Weihnachten Weihnachtsstern Herrnhuter

Die Bischöfe haben mit Blick auf die Corona-Pandemie vor Resignation gewarnt.

"Der staatlich verordnete Lockdown kann jetzt wirklich nur das allerletzte Mittel sein. Zu viel würde sonst kaputt gehen", sagte der bayerische Landesbischof und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, am Montag in einem Facebook-Video.

Jeder solle genau überlegen, "welche Aktivitäten jetzt sein müssen, und welche verschoben werden können".

Weihnachten unter strengen Corona-Vorschriften

Im Hinblick auf Weihnachten äußerten sich die Theologin Margot Käßmann und der hannoversche Landesbischof Ralf Meister zuversichtlich, dass Gottesdienste unter strengen Corona-Vorschriften stattfinden können.

Aus Sicht von Käßmann werden die Kirchen alles daran setzen, dass Gottesdienste nicht ausfallen wie zuletzt an Ostern.

Viele Kirchengemeinden verfügten inzwischen über "große Kreativität" im Umgang mit der schwierigen Situation, sagte die frühere hannoversche Landesbischöfin dem Evangelischen Pressedienst (epd): "Inzwischen sind vielfältige Formen entwickelt worden, die auch unter Corona-Bedingungen funktionieren."

Corona-konforme Gestaltung der Weihnachtsgottesdienste

So wolle eine Gemeinde in Hannover an Heiligabend ein Eisstadion anmieten. Andere Kirchen feierten sogenannte Stationengottesdienste, bei denen Familien oder Gruppen in zulässiger Größe an verschiedenen Stellen beispielsweise die Weihnachtsgeschichte hören und ein "Gebet on the way" mitnehmen könnten.

"Gottesdienste werden stattfinden - und das ist entscheidend", betonte die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Gerade in diesen Zeiten zeige sich, wie wichtig es sei, Worte der Hoffnung aus der Bibel weiterzugeben, um die Seelen der Menschen zu stärken. "Seelsorge ist eben auch systemrelevant."

Apell: Solidarität in der Krise

Angesichts stark steigender Corona-Fallzahlen appellierten in Niedersachsen katholische und evangelische Bischöfe an die Solidarität aller mit den Schwächsten in der Gesellschaft.

Mit Blick auf Kranke und Sterbende sowie auf Kinder und Jugendliche heißt es in einer am Montag in Hannover veröffentlichten gemeinsamen Erklärung:

"Besonders verbunden sind wir mit den alten Menschen, die allein bleiben oder einsam sterben müssen, sowie mit den jungen Menschen, deren Zukunft ein Stück gefährdet ist."

Zugleich warnten die evangelischen und katholischen Bischöfe vor einer erneuten Isolation dieser Gruppen durch coronabedingte Kontaktbeschränkungen.

Die gemeinsame Erklärung

Dies könne nur durch gesellschaftliche Solidarität und "die Mitsorge für den Nächsten" erreicht werden, heißt es in dem vom evangelischen Landesbischof Meister (Hannover) und dem katholischen Bischof Heiner Wilmer (Hildesheim) vorgestellten Papier.

Die Unterzeichner der gemeinsamen Erklärung sind neben Meister und Wilmer die evangelischen Bischöfe Thomas Adomeit (Oldenburg), Christoph Meyns (Braunschweig) und Karl-Hinrich Manzke (Schaumburg-Lippe), die katholischen Bischöfe Franz-Josef Bode (Osnabrück) und Wilfried Theising (Münster/Oldenburg) sowie Martin Heimbucher, Kirchenpräsident der Evangelisch-reformierten Kirche. 

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