28.10.2020
Corona

Käßmann: Maske ist ein Zeichen der Solidarität

Mehr Eigenverantwortung bei der Umsetzung der Hygieneverordnungen - dazu hat die Theologin Margot Käßmann angesichts steigender Corona-Zahlen aufgerufen. Im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst erklärt sie, warum es schwierig ist, Hygienevorschriften allein mit Strafandrohungen durchzusetzen und wie alternativ vorgegangen werden kann.

 Die Theologin Margot Käßmann hat angesichts steigender Corona-Zahlen dazu aufgerufen, noch intensiver füreinander einzustehen und mehr Verantwortung für das Gemeinwohl zu übernehmen.

"Ich finde es deprimierend, wenn Menschen sagen: Es ist mir völlig egal ob andere sich anstecken, Hauptsache, ich lebe meine Freiheit", sagte die frühere hannoversche Landesbischöfin im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Meine Freiheit endet da, wo ich andere gefährde."  

Umsetzung der Corona-Maßnahmen

Bei der Umsetzung von Hygieneverordnungen reichten Strafandrohungen nicht aus, betonte die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

So seien Appelle von Politikern an die Bevölkerung mindestens ebenso wichtig, weil offensichtlich nicht alles durch Recht geregelt werden könne. In der Öffentlichkeit sei nicht nur die Polizei dazu da, beispielsweise in Zügen an die Maskenpflicht zu erinnern. Auch die anderen Mitreisenden seien aufgefordert, sich einzumischen und aufzupassen.  

Die Eigenverantwortung des Einzelnen

Verantwortung könne nicht delegiert werden, unterstrich Käßmann. Es gebe eine Tendenz zur Überregulierung, auch, weil viele Bürgerinnen und Bürger dies erwarteten.

Der Staat solle bestimmen, wohin und wie weit Bürger reisen dürften oder ob Angehörige im Pflegeheim besucht werden dürften. "Ich kann nicht einerseits alle Verantwortung an den Staat übertragen und mich andererseits über zu harte Einschränkungen beschweren", betonte die Theologin.  

Die Maske - ein Zeichen von Solidarität 

Regeln müssten positiv besetzt werden, forderte Käßmann. Wer Maske trage, nehme Rücksicht und sorge sich ums Ganze.

"Die Maske ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Zeichen für Solidarität." Vielleicht brauche es auch verstärkt Kampagnen für das Einhalten der Regeln, "etwa nach dem Motto: "Ich gehe nur mit...".  

Positive Erfahrungen in der Corona-Zeit

Außerdem müssten die positiven Beispiele dieser Zeit stärker thematisiert werden, forderte Käßmann.

So hätten Menschen älteren Nachbarn Einkaufshilfen angeboten, eine Dame habe Kuchen gebacken und anderen vor die Tür gestellt. Auch die von der Evangelischen Kirche gestartete Aktion zum abendlichen gemeinschaftlichen Balkonsingen während des Lockdowns habe positive Resonanz bekommen.

"Viele haben mir geschrieben, dass das ihr Gemeinschaftsgefühl gestärkt hat."  

Käßmanns Apell: Einschränkungen in Deutschland in Relation zu weltweitem Leid sehen

Käßmann appellierte an die Menschen in Deutschland, die derzeitigen Einschränkungen - etwa einen Verzicht auf Urlaubsreisen oder Erschwernisse durch das Maskentragen - im Kontext des weltweiten Leids zu betrachten:

"Ich möchte das auch in Relation setzen zu Familien die auf der Flucht sind, die hungern oder die in Indien arbeitslos sind ohne irgendeine Absicherung."  
 

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Kommentar

Wie viel ist genug? Das deutsche Existenzminimum jedenfalls nicht, sagt der UN-Sozialausschuss und kritisiert, dass Menschen mit Hartz IV kaum am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Wie viel ist aber zuviel? Das fragt sich der bayerische Gemeindetagspräsident angesichts milliardenschwerer Corona-Hilfspakete. Er fürchtet, dass der Sozialstaat nicht mehr alles leisten kann.