Augsburg (epd). Der Augsburger Bischof Bertram Meier fordert mehr pragmatisches Handeln der Kirchen. "Was Christen gemeinsam tun dürfen, sollten sie auch gemeinsam tun - auf allen möglichen Ebenen", sagte Meier der Katholischen Sonntagszeitung. Angesichts schwindender Ressourcen und gesellschaftlicher Polarisierung müsse das gemeinsame Potenzial in Seelsorge, Bildung und Caritas stärker entfaltet werden. Ende September wurde Meier zum Vorsitzenden der neuen Kommission Ökumene und interreligiöser Dialog der Deutschen Bischofskonferenz gewählt.

Der ökumenische und der interreligiöse Dialog ist ihm laut eigener Aussage ein "Herzensanliegen". Ein zentrales Projekt und "große ökumenische Chance" seiner Amtszeit bis 2031 sieht Meier daher auch im 500-jährigen Jubiläum der "Confessio Augustana" im Jahr 2030 in Augsburg. Er wünsche sich ein Jubiläum, das für die heutige Welt relevant sei. Niemand könne ein Interesse daran haben, "dass sich die Diskussion in der Erörterung doktrinärer Spitzfindigkeiten erschöpft", betonte der Bischof.

Ökumenischer Fortschritt braucht Geduld

Die "Confessio Augustana" ("Augsburger Bekenntnis") wurde 1530 auf dem Augsburger Reichstag an Kaiser Karl V. übergeben. Das Dokument war Grundlage für die damaligen Religionsgespräche und den Augsburger Religionsfrieden von 1555, der das friedliche Miteinander von lutherischen und katholischen Christinnen und Christen rechtlich absicherte. Noch heute ist die "Confessio Augustana" das grundlegende Bekenntnis der lutherischen Kirchen weltweit.

Vor zu hohen Erwartungen bei Streitfragen wie dem gemeinsamen Abendmahl warnte Meier jedoch. Ökumenischer Fortschritt brauche solide Theologie, Geduld und einen weltkirchlichen Horizont. "Falsche Erwartungen zu wecken, führt langfristig nur zu Enttäuschung." Das Trennende dürfe aber nicht als Alibi für Stagnation dienen. Zugleich betonte Meier die Kraft des Miteinanders: Die Gesellschaft dürfe von den Religionen erwarten, dass sie ihr Friedenspotenzial entfalten und Beiträge zum gesellschaftlichen Zusammenleben leisten.