München (epd). Der Fehler als Konzept: Die Ausstellung "Glitch - die Kunst der Störung" in der Pinakothek der Moderne ist eine Hommage an alles Fehlerhafte. Das Ziel der Schau sei, Fehler willkommen zu heißen und "die Herzen zu öffnen für alles, was abwegig erscheinen mag", sagte Kuratorin Franziska Kunze bei einem Pressetermin zur Ausstellungseröffnung am Donnerstag. Die Ausstellung umfasst Werke von 50 internationalen Künstlerinnen und Künstlern und ist bis Anfang März in der Sammlung Moderne Kunst zu sehen.

Der Begriff "Glitch", abgeleitet von "glitschen", bezeichnet das Ergebnis einer technischen Fehlfunktion - ein Grafikfehler in einem Computerspiel, eine verrauschte Tonaufnahme, ein verpixeltes oder fehlbelichtetes Foto. Dass Künstler schon früh den unerwünschten Fehler zur Kunstform erhoben, zeigt die Ausstellung zu Beginn: Schon im ersten Raum präsentiert sie Ratgeberliteratur für das perfekte Bild zusammen mit absichtlichen "Fehlproduktionen" - verwackelt, verpixelt, verblitzt - von Fotografinnen und Fotografen des 20. Jahrhunderts.

Aber auch vor Künstlicher Intelligenz machen Künstler beim "glitschen" nicht Halt: So fütterte der britische Medienkünstler Jake Elwes ein KI-Programm zur Gesichtserkennung mit 1.000 Fotos von Dragkings und Dragqueens, um die Reproduktion von "Normgesichtern" zu unterlaufen. Herauskommt in seiner Videoinstallation eine von der KI generierte Endlosschleife von ineinander fließenden Gesichtszügen, die zwischen Mannequin und Monster changieren - je nachdem, welche Bilder gerade miteinander abgeglichen werden.

"Fehler und Störungen sind Bestandteile des Lebens, auch in der Kunst", erklärte Bernhard Maaz, Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Oft seien dabei die fehlerhaften Kunstwerke gefragter, als die, die der Norm entsprächen. Der Wert der Ausstellung "Glitch" liege darin, dass sie zeige, "wie schön ,Fehler‘ sind und welches kreative Potenzial in ihnen steckt", ergänzte Kuratorin Kunze.

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