Jannis Johannmeier steht vor dem Trump Tower in New York und ist sauer – auf Donald Trump, Elon Musk und die AfD. Aber auch auf diejenigen, die ihnen kommunikativ das Feld überlassen. Während Populisten Gefühle bedienen, einfache Geschichten erzählen und ihre Botschaften so lange wiederholen, bis sie sitzen, antworten andere mit Statistiken und komplexen Positionspapieren.

Menschen lassen sich jedoch nicht allein durch Fakten überzeugen. Wir verstehen komplizierte Zusammenhänge besser, wenn sie in Geschichten übersetzt werden. Wir reagieren auf Emotionen und erinnern uns eher an Bilder als an die siebte Slide einer Präsentation.

Die Waffen der Propaganda

Johannmeier fordert deshalb Geschichten, Emotionalisierung, Wiederholung und Zuspitzung. Die Instrumente sollen nicht länger jenen überlassen werden, die sie für Ausgrenzung, Desinformation oder politische Radikalisierung einsetzen.

Das ist nachvollziehbar, ein hehres Ziel. Aber: Vor Kurzem habe ich "Erzählende Affen" von Samira El Ouassil und Friedemann Karig besprochen. Die beiden kommen an einen ähnlichen Punkt, graben allerdings erheblich tiefer. Sie beschäftigen sich mit Mythen und Religion, Film und Politik, Klimawandel und Verschwörungserzählungen. Sie erklären, warum Menschen überhaupt Geschichten brauchen und wie Narrative unsere Vorstellung von Wirklichkeit prägen. Und sie schaffen das, ohne dem Leser ihre Erkenntnisse per Megafon entgegenzubrüllen.

Was darf demokratische Kommunikation?

Johannmeiers Schlussfolgerung ist zwar wichtig: Wenn Narrative derart mächtig sind, sollten Demokraten sie nicht Populisten überlassen. Aber muss er das Propaganda nennen? Und was bedeutet "for the Good" genau?

Klar, wer demokratisch kommuniziert, kann emotionalisieren und vereinfachen. Demokraten dürfen eine gute Geschichte erzählen und selbstverständlich um Aufmerksamkeit kämpfen. Aber wir müssen Widerspruch aushalten, Fakten respektieren und relevante Teile der Wirklichkeit nicht einfach weglassen, weil sie der gewünschten Wirkung im Weg stehen. Hier kommt etwas ins Spiel, das in Johannmeiers Argumentation zu kurz kommt: Vertrauen.

Das ist gerade heute eine entscheidende Währung der Kommunikation. Menschen müssen darauf vertrauen können, dass eine Regierung, ein Unternehmen, eine Zeitung oder auch ein einzelner Kommunikator ihnen nicht nur die Geschichte erzählt, die gerade am besten funktioniert, sondern die Wahrheit.

Deshalb halte ich auch Johannmeiers Lust an Aussagen über eine angeblich bedeutungslos gewordene Wahrheit für problematisch. Als Provokation mag das funktionieren. In einer Zeit von Fake News, Deepfakes und gezielter Desinformation ist die überprüfbare Wirklichkeit aber nicht das lästige Gegenstück zur guten Geschichte, sie ist deren Voraussetzung.

Wenn die Lautstärke steigt

Das zweite Problem des Buches ist sein Ton. Johannmeier will provozieren, aufrütteln und aufwecken. Einige Kapitel lang kommt das kraftvoll rüber, aber irgendwann wird es einfach nur noch anstrengend.

Wer überzeugen möchte, muss nicht permanent die Lautstärke erhöhen. Gerade "Erzählende Affen" zeigt, dass man über die enorme Macht von Geschichten schreiben kann, ohne jeden zweiten Gedanken zur Kampfansage aufzublasen. Dort entsteht die Wirkung aus Analyse, Beispielen und der Freude am Denken.

Ein wichtiger Impuls

Seinen Wert hat das Buch trotzdem. Denn seine Intention teile ich ausdrücklich. Demokratie, Freiheit, Vielfalt und eine offene Gesellschaft dürfen kommunikativ nicht deshalb verlieren, weil ihre Gegner die eingängigeren Geschichten erzählen. Gute Kommunikation darf unterhalten, emotional sein und im Gedächtnis bleiben. Nur würde ich an einer entscheidenden Stelle einen anderen Weg wählen: den der Wahrheit.

Jannis Johannmeier (2025): Propaganda for the Good, ForwardVerlag: Paderborn, 256 Seiten, 25 Euro.

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