Augsburg (epd). Die Friedens- und Konfliktforschung hat laut dem bayerischen Digitalminister Fabian Mehring (Freie Wähler) in jüngerer Zeit klar an Bedeutung gewonnen. "In einer Welt voller geopolitischer Spannungen ist sie vom akademischen Nischenthema zur politischen Zukunftsvorsorge geworden", sagte Mehring laut Mitteilung im Vorfeld einer wissenschaftlichen Konferenz, die vom 8. bis 10. Oktober an der Universität Augsburg stattfindet. Forschende treffen sich in der Friedensstadt, um sich über aktuelle Problemfelder auszutauschen.

In 30 wissenschaftlichen Vorträgen geht es etwa um die Prävention von Radikalisierung, gesellschaftliche Transformationsprozesse, die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt und die Praxis von Friedensbildung sowie Friedensarbeit. Anlass für die Konferenz ist die Emeritierung von Professor Christoph Weller, der in Augsburg den Lehrstuhl für Politikwissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung 18 Jahre lang - seit seiner Gründung - innehatte. Der Schwerpunkt lag dabei laut Weller immer auch auf der Praxisorientierung.

Brückenschlag zwischen Wissenschaft und Praxis

Weller habe die Uni Augsburg zu einem "Kraftzentrum seines Forschungszweigs" entwickelt, sagte Mehring. Als Digitalminister spüre er täglich, dass politische Entscheidungen ein wissenschaftliches Fundament brauchen. Wichtig sei, dass Forschung ihren Weg in die Köpfe der Entscheider finde. So werde aus akademischer Erkenntnis gesellschaftliche Verantwortung, und die Qualität politischer Entscheidungen steige. Wellers Lebenswerk stehe für diesen Brückenschlag.

Zu Wellers Positionen gehört etwa die, dass zur Beendigung und Vermeidung von Kriegen die zivile Konfliktbearbeitung gestärkt werden müsse. Frieden sei kein Zustand, sondern ein Prozess, hatte Weller im Januar dem Evangelischen Pressedienst (epd) gesagt. Zudem hatte er die aktuelle Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) kritisiert: Sie habe "eine Schlagseite zum Sicherheitsdenken und passt sich damit zu sehr dem aktuellen politischen Diskurs an".

Zu Beginn der Tagung sprechen Oberbürgermeister Florian Freund (SPD) und der evangelische Dekan Frank Kreiselmeier. Weller leitet den Lehrstuhl seit 2008 und tritt zum Ende des Jahres in den Ruhestand.