Würzburg (epd). Die evangelische Kirche soll laut der Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Anna-Nicole Heinrich, noch mehr zu einem Ort für demokratischen Austausch und Orientierung werden. Die Demokratie werde heute von innen angegriffen - "von Leuten, die demokratisch gewählt werden und dann den Rechtsstaat aushöhlen", sagte sie dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Dagegen helfen Appelle allein nicht viel." Es brauche Orte, an denen Menschen erleben, dass man verschieden sein und trotzdem gut zusammenleben könne. "Davon haben Kirche und Diakonie Zehntausende, von der Dorfkirche über die Kita bis zum Pflegeheim."

Bei der Jahrestagung des protestantischen Kirchenparlaments vom 6. bis 11. November in Würzburg wollen die Delegierten über die Frage debattieren, wie die Kirche mit ihren Ressourcen zur Demokratiebildung beitragen kann. Erwartet wird auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Zuletzt hatten Theologen wie der Münchner Professor Reiner Anselm argumentiert, die evangelische Kirche müsse stärker auf den Ausgleich von politischen Positionen hinwirken und auch selbstkritisch eigene Positionierungen hinterfragen.

"Auch die Synode ist eine Blase"

Heinrich sagte, dass man sich gemeinsam zur Demokratie bekenne, heiße nicht, dass man sich nur gegenseitig bestätige. "Wie wir Demokratie stärken, welche Zumutungen eine offene Gesellschaft aushalten muss und wo Dialog an Grenzen kommt, darüber sind wir längst nicht alle einig. Und das wird man in Würzburg auch hören", sagte sie. "Aber ja, auch die Synode ist eine Blase. Sie ist größer und vielfältiger, als viele denken, und doch enger, als ich es mir wünsche." Dass der Bundespräsident auf der EKD-Synode für die Demokratie spreche, sei in diesen Zeiten ein starkes Zeichen.

Auch mit jenen Menschen zu reden, deren Positionen der Kirche fremd seien, sei richtig, sagte Heinrich. "Dass wir Gräben vertiefen, wenn wir Grenzen benennen, sehe ich aber nicht so." Tue man dies nicht, blieben am Ende ausgerechnet diejenigen draußen, die schon jetzt bedroht würden und nirgends sonst einen sicheren Ort hätten, sagte die 30-Jährige, die im April nicht noch einmal für das höchste Amt der evangelischen Kirche kandidieren möchte.