Peiting (epd). Eine neue Fortbildung zum Thema NS-Unrecht in Fürsorge und Pflege bietet die Diakonie Herzogsägmühle für Beschäftigte in sozialen Berufen an. Das aus Onlinemodulen und Präsenztagen bestehende Programm solle unter anderem "die ideologischen Kontinuitäten nach 1945" sichtbar machen, teilte die Diakonie am Montag mit. Dazu gehörten die Fragen, wie NS-Denkmuster nach 1945 in der Wohlfahrt weiterleben konnten und welche Spuren davon sich "womöglich noch heute im professionellen Alltag sozialer Berufe" fänden. Der Kurs ist ein Angebot des Lernorts Sozialdorf Herzogsägmühle und wurde zusammen mit "Digitale Lernwelten GmbH" Eichstätt und der Katholischen Stiftungshochschule München erarbeitet.
Der "Lernort" ist eine Bildungseinrichtung der Diakonie Herzogsägmühle, die selbst von 1934 bis 1945 Teil des Zwangsfürsorgesystems im Nationalsozialismus war. Der damalige "Verein für Arbeiterkolonien in Bayern" sei in den neuen "Landesverband für Wanderer- und Heimatdienste" integriert worden, dessen Ziel "die Selektion der Hilfebedürftigen nach einer sozialrassistischen Auslese" gewesen sei, so die Diakonie. In dieser Zeit habe sich Herzogsägmühle "zu einer tödlichen Gefahrenzone für alle, die dort Hilfe suchten", gewandelt. Mindestens 430 Jugendliche und Männer seien in Folge der Einweisung nach Herzogsägmühle ermordet worden.
In Fürsorgeeinrichtungen, Pflegeheimen und psychiatrischen Kliniken waren während des Nationalsozialismus hunderttausende Menschen der NS-Ideologie ausgeliefert. Laut Bundeszentrale für politische Bildung wurden bei den sogenannten "Euthanasie"-Morden rund 300.000 Menschen getötet. Weitere rund 400.000 wurden zwangssterilisiert. Diese Verbrechen seien laut Diakonie nach 1945 lange Zeit kaum aufgearbeitet worden. Das neue Bildungsprojekt werde von der "Bildungsagenda NS-Unrecht" der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft und dem Bundesministerium der Finanzen gefördert.