Frau Novy, wie sind Sie damals zur Evangelischen Fachstelle für Alleinerziehende gekommen?

Kathrin Novy: Meine Trennung war 2018. Schon während der Trennungsphase war mir relativ schnell klar, dass ich Unterstützung brauche – zum einen für mich, aber vor allem auch für die Kinder. Ich wollte Informationen bekommen: Was muss ich beachten? Welche Möglichkeiten gibt es? An wen kann ich mich wenden – etwa beim Jugendamt? Ich brauchte einfach eine Stelle, die mich durch diese ganze Situation ein Stück weit begleitet. Und damit hatte ich meinen ersten Kontakt zu Frau Mack.

Frau Mack, gerade in einer Trennung ist es ja vermutlich nicht selbstverständlich, sich überhaupt einzugestehen: Ich brauche Beratung. Welche Hürden erleben Sie beim Erstkontakt?

Karin Mack: Das ist tatsächlich sehr unterschiedlich. Viele Menschen kommen zunächst mit ganz konkreten Fragen. "Ich überlege, mich zu trennen. Was muss ich jetzt alles tun? Welche Rechte habe ich? Was kann ich beantragen?" Gerade am Anfang geht es  um Informationen und darum, die einzelnen Schritte zu sortieren. Manche kommen trotz Internet mit einem ganzen Paket an Wissensfragen zu uns. Sie möchten wissen, was auf sie zukommt. Meine Erfahrung ist: Wenn diese Informationsfragen abgearbeitet sind, kommen wir oft zu den eigentlichen Themen. Dann geht es um die Person selbst: um Selbstwert, um die Frage, wie ich mein Leben neu gestalten kann. Denn eine Trennung bedeutet häufig auch, dass ein Lebenstraum zu Ende geht. Man hat sich sein Leben ganz anders vorgestellt. Plötzlich lebt man allein mit den Kindern und fragt sich: Wie soll das jetzt gehen? Wie werde ich wieder zufrieden? Wie finde ich meine Mitte?

Frau Novy, Sie haben sehr früh gesagt: Ich möchte mir Unterstützung holen. Was war Ihre Motivation?

Novy: Mir war klar, dass ich für die Kinder stabil bleiben muss. Natürlich hat man Freunde und Familie. Aber jeder bringt seine eigene Geschichte und seine eigene Sichtweise mit. Gerade wenn eine Trennung nicht harmonisch abläuft, fand ich es viel sinnvoller, zusätzlich eine neutrale und kompetente Stelle zu haben. Für mich hat sich das als wahrer Segen erwiesen.

Was konnte die Beratung leisten, was eine gute Freundin oder ein Familienmitglied nicht leisten kann?

Novy: Die Neutralität. Hier ist niemand emotional in die Geschichte involviert. Ich wusste: Das ist ein sicherer Ort, hier wird nichts weitergetragen. Für mich war die Beratungsstelle wie eine kleine Festung, in der ich über meine Sorgen und Nöte sprechen konnte.

Von einer Freundin bekommt man auch Unterstützung. Aber sie bringt ihre eigenen Erfahrungen mit, vielleicht ihre eigene Geschichte oder ihre Emotionen gegenüber meinem Ex-Partner. Hier im eckstein bekomme ich eine sachliche, neutrale Antwort. Gerade wenn es um den Umgang mit dem Kindsvater oder um Entscheidungen für die Kinder geht, ist das unglaublich wertvoll.

Dabei geht es ja nicht nur um rechtliche Fragen.

Novy: Überhaupt nicht. Ich hatte beispielsweise große Angst davor, dass Gespräche mit dem Vater emotional eskalieren. Man hat schließlich einmal eine Liebesbeziehung gehabt. Da kann man nicht einfach sagen: Jetzt schließen wir das neutral ab und gehen sachlich in die neue Routine über. Auch mit den Kindern entstehen schwierige Situationen. Wenn ein Kind sagt: "Ich will nicht zum Papa", muss man erst einmal überlegen: Wie gehe ich damit um? Was ist eine gute Lösung? Ich wollte nicht aus einer Emotion heraus reagieren und vielleicht Türen zuschlagen, die später nur schwer wieder zu öffnen sind.

 

Familien nach der Trennung

Heute ist das Familienmodell nach einer Trennung ja auch komplizierter geworden.

Mack: Früher war das klassische Modell häufig: Das Kind lebt bei der Mutter, der Vater sieht es alle 14 Tage. Heute gibt es beispielsweise viel häufiger die Diskussion um das Wechselmodell. Das hat auch finanzielle Konsequenzen und bringt ganz andere Fragen mit sich. Und genau deshalb ist es wichtig, dass Eltern nicht nur wissen, welche rechtlichen Möglichkeiten es gibt, sondern sich auch darüber klar werden: Was möchte ich eigentlich? Was ist für mein Kind gut? Wie kann ich mit dem anderen Elternteil eine tragfähige Lösung finden?

Sie erleben als Beraterin vermutlich immer wieder ähnliche Muster. Wird man irgendwann nicht auch einmal müde von den immer gleichen Geschichten?

Mack: Natürlich gibt es Muster. Aber ich versuche, mir die Neugier auf jede einzelne Geschichte zu bewahren. Denn ich weiß nicht, was hinter dem Leben der Frau oder des Mannes steckt, der vor mir sitzt. Wir arbeiten mit einem systemischen Ansatz. Das heißt, ich stelle Fragen und versuche, die Menschen zum eigenen Denken und zu ihren eigenen Lösungen anzuregen. Und dann wird jede Geschichte wieder spannend, weil sie ganz andere Facetten hat. Wenn ich merke, dass bestimmte Probleme immer wieder auftauchen, dann entsteht daraus eine andere Form von Energie: politische Lobbyarbeit. Wenn beispielsweise immer wieder dieselben finanziellen oder rechtlichen Probleme auf dem Tisch liegen, muss man sich auch auf politischer Ebene für Veränderungen einsetzen.

Welche Probleme begegnen Ihnen besonders häufig?

Mack: Ein Klassiker ist die finanzielle Absicherung. Frauen arbeiten während der Ehe in Teilzeit oder im Minijob, kümmern sich um die Familie und ermöglichen dem Mann seine berufliche Karriere. Nach der Scheidung stellen sie fest: Wenn ich so weitermache, droht mir Altersarmut. Heute wird grundsätzlich erwartet, dass jeder und jede für sich selbst vorsorgt – auch fürs Alter. Die Teilzeitfalle ist deshalb enorm. Wenn man nicht verheiratet ist, gibt es bei einer Trennung auch keinen Versorgungsausgleich.

Dazu kommt: Gerade mit kleinen Kindern ist es schwer, mehr zu arbeiten. Die finanziellen Mittel sind knapp, gleichzeitig weiß die Mutter, dass sie eigentlich mehr verdienen müsste. Der Druck wächst dadurch noch einmal.

 

Gleichberechtigung in der Familie

Ein anderes Thema ist offenbar die mangelnde Gleichberechtigung innerhalb der Familie.

Mack: Was ich sehr häufig höre, ist der Satz: "Ich habe zwei Kinder und der Mann ist eigentlich das dritte Kind." Die Frau managt die gesamte Familie, organisiert die Kinder, Termine und den Haushalt. Die Familienverantwortung passiert nicht auf Augenhöhe. Irgendwann macht das Frauen unzufrieden und kann auch dazu führen, dass die Partnerschaft ihren Reiz verliert.

Frau Novy, was hat Ihnen die Beratung in dieser Situation konkret gegeben?

Novy: Ich habe Frau Mack damals regelrecht mit meinen Fragen überschüttet. Sie hat mir geholfen, Lösungen für mich selbst zu finden und nicht in ein tiefes Loch zu fallen. Die finanzielle Belastung war bei mir sehr groß. Vorher hatte ich meine komplette Energie in die Familie und in die Unterstützung meines Partners gesteckt. Er konnte Karriere machen, während ich zurückgesteckt hatte. In dem Moment der Trennung wird einem das plötzlich brutal bewusst. Und dann kommen vielleicht noch die ersten Anwaltsbriefe. Man denkt: Ich habe überhaupt keine Chance. Der andere hat einen guten Anwalt, ich kann mir das vielleicht gar nicht leisten. Frau Mack hat mir immer wieder gesagt: "Sie haben Rechte. Sie müssen sich das nicht alles gefallen lassen." Das hat mir geholfen, selbst standhafter zu werden. Ich konnte mir nicht einfach einen Anwalt leisten, der alles für mich durchsetzt. Deshalb war es für mich elementar, jemanden zu haben, der mir meine Rechte erklärt und mir hilft, mich nicht von meiner Verzweiflung überwältigen zu lassen.

Wie lange hat Sie die Beratung begleitet?

Mack: Das ist sehr unterschiedlich. Manche Mütter oder Väter kommen einmal und holen sich im Erstgespräch ein ganzes Informationspaket. Andere kommen in einer ambivalenten Phase oder am Anfang der Trennung zwei- oder dreimal, vielleicht im Abstand von einigen Wochen. Dann gibt es Menschen, die nach der eigentlichen Trennung wiederkommen: Die Scheidung steht an, ein wichtiges Gespräch muss geführt werden, und sie fragen: "Kann ich noch einmal kommen?" Natürlich. Manchmal gibt es später wieder eine Krise – etwa einen Jobwechsel oder ein Problem mit den Kindern. 

Dann können wieder zwei oder drei Gespräche sinnvoll sein. Wenn wieder Stabilität da ist, geht es allein weiter. Es ist also keine Therapie, bei der jemand über Jahre alle vier Wochen kommt. Es ist eher die Gewissheit: Wenn in meinem Lebenslauf wieder eine schwierige Situation auftaucht, gibt es diesen guten Ort für mich. 

Novy: Genau das war für mich wichtig. Ich wusste: Wenn der Akku wieder leer ist, kann ich hierherkommen und schauen, wie ich mit dem Problem umgehen kann.

Wo stehen Sie heute, acht Jahre nach der Trennung?

Novy: Heute geht es mir gut. Ich habe in diesen acht Jahren einen ziemlich guten Spurt hingelegt – mit mir selbst, mit den Kindern und beruflich. Ich habe mir ein gutes Leben aufgebaut. Wir haben nach der Trennung zunächst in einer kleinen, unsanierten 60-Quadratmeter-Altbauwohnung für 500 Euro gewohnt. Vorher hatten wir in einem Haus gelebt, das ich nach der Trennung nicht halten konnte. Jetzt leben wir in einer Vierzimmerwohnung und haben uns ein wirklich schönes Leben aufgebaut.

Auch beruflich habe ich viel erreicht. Gerade weil mir nach der Trennung so bewusst geworden ist, wie wichtig Altersvorsorge und finanzielle Eigenständigkeit sind, habe ich beruflich richtig Gas gegeben. Die Beratung war dabei immer wieder ein Krafttanken. Dieses Gefühl: Ich schaffe das. Ich lasse mich davon nicht unterkriegen.

Frau Mack, Sie sprechen von Mut machen und Empowerment. Welche Rolle spielt dabei der Austausch mit anderen Alleinerziehenden?

Mack: Eine sehr große. Einsamkeit ist ein zentrales Thema. Viele kommen zu uns und sagen: "Ich möchte andere kennenlernen. Wie geht es anderen?" Deshalb gibt es unsere Veranstaltungen, etwa den Offenen Treff oder den Samstagsbrunch. Dort erleben die Menschen: Ich bin nicht die einzige Alleinerziehende auf der Welt, die mit finanziellen Problemen, Kindern und diesem ganzen Mental Load kämpft. Beim Samstagsbrunch fliegen manchmal regelrecht die Lösungen über den Tisch. Jemand erzählt, wie sie ein bestimmtes Problem gelöst hat, die nächste sagt: "Das mache ich genauso." Und plötzlich erweitert sich der eigene Horizont: Vielleicht könnte ich es auch so versuchen.

Novy: Ich habe solche Veranstaltungen ebenfalls besucht. Es gab auch Angebote mit Kinderbetreuung, etwa den Abendtreff im eckstein. Während Corona wurden Veranstaltungen sogar online angeboten, beispielsweise Atemseminare oder Lachyoga.

Ein weiteres großes Thema scheint der sogenannte Mental Load zu sein.

Mack: Viele Frauen erzählen davon, dass die gesamte Verantwortung im Kopf bei ihnen bleibt: Kindergarten abholen, Kinderarzt, Kindergeburtstag, Einkaufen, die Schuhe sind zu klein, im Job steht noch eine Abrechnung an, dann muss ein Antrag geändert werden. Es gibt viele engagierte Väter, die diese Verantwortung übernehmen. Aber es gibt eben auch Väter, die sich relativ stark aus der alltäglichen Organisation zurückziehen. Dann ist das Kind vielleicht beim Vater, aber die gesamte Denkarbeit bleibt bei der Mutter. Wenn dann noch Unterhalt nicht oder nicht zuverlässig gezahlt wird, ist die Frustration groß. Aber es geht nicht nur um Wut. Es geht auch um Trauer.

Trauer – obwohl man selbst die Trennung vielleicht wollte?

Mack: Eine Trennung ist ein Trauerprozess. Man hatte Wünsche und Vorstellungen: "Ich wollte mit diesem Menschen dies und jenes machen." Und plötzlich ist dieses gemeinsame Leben weg. Das kann mit anderen Trauerprozessen verglichen werden. Wut und Ohnmacht gehören dazu, ebenso depressive Stimmung. Der Weg zurück zur Lebensqualität braucht Zeit. Auch wenn man selbst die Trennung beschließt, kann die Trauer bereits vorher in der sogenannten Ambivalenzphase stattfinden. Wenn man verlassen wird, beginnt der Trauerprozess häufig erst danach.

Gibt es auch besonders schwierige Fälle?

Mack: Die ganz akute Mega-Krise, dass jemand bei mir sitzt und unmittelbar suizidgefährdet ist, habe ich in all den Jahren tatsächlich noch nicht erlebt. Wenn Kinder Suizidgedanken äußern, ist das natürlich etwas anderes – dann gibt es spezialisierte Beratungsstellen, an die wir weitervermitteln. Eine besondere Gruppe sind verwitwete Alleinerziehende. Dort kommen zu den Fragen des Alleinerziehens die Trauer und die Trauerbewältigung der Kinder hinzu. Da fließen fast immer Tränen.

Und wie reagieren Sie, wenn ein Vater zu Ihnen kommt und wissen möchte, was seine ehemalige Partnerin über ihn erzählt hat?

Mack: Das ist tatsächlich genau einmal vorgekommen. Ich habe ihm im Grunde dasselbe erzählt, was ich auch ihr erzählt hatte. Es ging beispielsweise um die Frage: Wie sage ich es den Kindern? Welche Umgangsregelung ist gut für das Kind? Väter kommen übrigens häufig mit Fragen zu den Kindern. Weniger mit finanziellen Fragen. Sie wollen wissen: Was ist gut für mein Kind? Ist ein Residenzmodell sinnvoll, ein Wechselmodell oder etwas anderes?

Frau Mack, Sie arbeiten nicht allein im luftleeren Raum. Wie ist die Fachstelle in Nürnberg vernetzt?

Mack: In Nürnberg haben wir ein sehr gut funktionierendes Netzwerk mit ungefähr 30 Einrichtungen. Wir haben einen Arbeitskreis Alleinerziehende, der sich viermal im Jahr trifft. Ich weiß deshalb sehr gut, wohin ich jemanden weitervermitteln kann. Für finanzielle Fragen gibt es beispielsweise die KASA der Stadtmission. Bei komplizierten Jobcenter-Anträgen kann sie weiterhelfen. Auch die Caritas bietet Sozialberatung an. Spezielle Mediationsgespräche zu Umgangsvereinbarungen gibt es in den Erziehungsberatungsstellen . Dazu kommen z.B. Beratung zur Kinderbetreuung und Schuldnerberatung. Ich kann meine Arbeit eigentlich nur in diesem Netzwerk von Spezialisten machen, denn es gibt vieles, wovon ich selbst keine Ahnung habe. Ein gutes Netzwerk ist deshalb ganz entscheidend.

Was ist dann das Besondere der evangelischen Fachstelle?

Mack: Unser besonderes Profil liegt vor allem in der Beratung in der sogenannten Ambivalenzphase: Ich überlege, ob ich mich trennen will oder nicht. Da gibt es häufig noch keinen Anwalt, kein Jugendamt und vielleicht auch noch keine Erziehungsberatung. Es geht um Fragen wie: Wir haben uns doch bei der Hochzeit versprochen, zusammenzuhalten.. Warum schaffen wir es jetzt nicht? Wer trägt Schuld? Wie könnte meine Zukunft aussehen – allein oder doch weiter zusammen? Wie möchte ich mit den Kindern leben? Für diese Fragen gibt es sonst keinen richtigen Ort.

Die Fachstelle feiert ihr 50-jähriges Bestehen. Hat sich in diesen fünf Jahrzehnten viel verändert?

Mack: Sehr viel – und gleichzeitig erstaunlich wenig. Unser Motto zum Jubiläum lautet: "Mut machen. Wege eröffnen. Zukunft gestalten." Dieser Grundsatz ist im Grunde derselbe geblieben. Verändert haben sich vor allem die Angebote. Vor 50 Jahren startete die Arbeit mit klassischen Treffpunkten. Es gab unter der Woche nachmittags oder samstags teilweise bis zu 15 Treffpunkte in den Kirchengemeinden in Nürnberg. Als ich angefangen habe, waren es noch drei. Heute ist daraus ein Treffpunkt geworden. Das hängt stark mit der Berufstätigkeit der Mütter zusammen. Nachmittags kann man heute kaum noch etwas anbieten, unter der Woche abends ebenfalls nicht. Die Menschen sind beschäftigt. Auch die Seminare haben sich verändert. Früher gab es eher Tagesseminare, heute funktionieren kürzere Seminare und Einzelveranstaltungen besser.

Was hat sich gesellschaftlich verändert?

Mack: Das Informationsdefizit ist geringer geworden. Früher konnte niemand schnell googeln, was etwa in der Düsseldorfer Tabelle steht. Man musste jemanden kennen, der überhaupt wusste, dass es diese Tabelle gibt. Auch die Kinderbetreuung hat sich verändert. Krippe, längere Kindergartenzeiten und Hort sind heute selbstverständlich – vor 50 Jahren war das völlig anders. Die rechtliche Situation hat sich ebenfalls verändert und die Stigmatisierung Alleinerziehender ist geringer geworden. Aber mich hat bei der Recherche zum Jubiläum fast wütend gemacht, wie viele Themen gleich geblieben sind.

Welche sind das?

Mack: Armutsgefährdung, Einsamkeit, Konflikte um den Umgang mit den Kindern. Nach einer Trennung gibt es nach wie vor sehr viel Leid. Ich würde mir wünschen, dass die gesellschaftliche Anerkennung für die Leistung Alleinerziehender größer wäre. Es wird immer noch häufig über die "armen Alleinerziehenden" gesprochen, die Unterhaltsvorschuss brauchen. Ja, sie brauchen ihn, wenn der Vater nicht zahlt. Aber dabei wird viel zu wenig gesehen, was diese Frauen und Männer jeden Tag leisten. Rechtlich hat sich vieles verändert, die Stigmatisierung ist geringer geworden. Aber bei manchen grundlegenden Belastungen hat sich erstaunlich wenig getan.

Nach 50 Jahren stellt sich deshalb fast die Frage: Hätten die Gründerinnen damals gedacht, dass es die Fachstelle heute noch braucht?

Mack: Vielleicht haben sie gedacht, dass sich so viel verändern wird, dass die Fachstelle irgendwann nicht mehr notwendig ist. Aber genau das ist nicht passiert. Die Themen haben sich teilweise verändert, die Formen unserer Arbeit haben sich verändert – aber der Bedarf an Beratung und Seelsorge ist geblieben.

 

INFO: Das Jubiläum am 25. September von 10 bis 14 Uhr im Haus der Kirche "eckstein" in Nürnberg soll deshalb vor allem Begegnung und Vernetzung ermöglichen – mit Musik, einem Vortrag und Gesprächen. Das Datum ist bewusst gewählt: Nur wenige Tage später, am 28. September, wird der Internationale Tag der Alleinerziehenden begangen. Ein Tag, der nach Macks Überzeugung noch viel stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken sollte. Für alleinerziehende und verwitwete Mütter und Väter gibt es darüber hinaus am 10. Oktober einen Workshop zur Selbstfürsorge mit Brunch