München (epd). Vertretungen von theologisch-pädagogischen Berufsgruppen der bayerischen evangelischen Landeskirche fordern mehr Akzeptanz ihrer Arbeit. Unter dem Motto "Kirche braucht alle Kompetenzen - gemeinsam hoch hinaus" wollen sie am Montag (9. November) ein gemeinsames Positionspapier an die Synodenpräsidentin Tanja Keller im Münchner Landeskirchenamt übergeben, wie es in einer Mitteilung vom Montagnachmittag heißt.

Mit dem Papier melden sich die Berufsgruppen zur Umsetzung der Landesstellenplanung 2026 und zur künftigen Zusammenarbeit in der Landeskirche zu Wort. Grund: Die Landesstellenplanung 2026 befindet sich in der entscheidenden Phase und wird der Synode bei ihrer Herbsttagung vom 22. bis 25. November in Amberg zum Beschluss vorgelegt.

"Wir wollen deutlich machen, dass Kirche von der Vielfalt ihrer beruflichen Kompetenzen lebt. Diese Kompetenzen müssen gesehen, genutzt und angemessen anerkannt werden", sagte Stefan Helm, Sprecher der Berufsgruppenvertretung der Diakoninnen und Diakone.

Pädagogische Kompetenzen sind für die Zukunft der Kirche unverzichtbar

Tobias Creutzner, Vorsitzender des Berufsverbands der Pädagoginnen und Pädagogen in der Landeskirche, sagte: "Die pädagogischen Kompetenzen unserer Berufsgruppe sind für die Zukunft der Kirche unverzichtbar." Es brauche daher Strukturen, die diese Kompetenzen anerkennen und ermöglichen, Verantwortung entsprechend der jeweiligen Qualifikation und Erfahrung zu übernehmen.

Bettina Herrmann, Vorsitzende des Verbands evangelischer Religionspädagoginnen und Katechetinnen in Bayern (VERK), sagte: "Wir wollen keine Konkurrenz der Berufsgruppen, sondern eine Kirche, in der unterschiedliche Professionen auf Augenhöhe zusammenarbeiten und ihre jeweiligen Stärken einbringen können."

Konkret setzen sich die Initiatorinnen und Initiatoren des Positionspapiers unter anderem dafür ein, dass berufliche Kompetenzen anerkannt werden, Verantwortung und gleichwertige Arbeit angemessen vergütet werden und es verlässliche Entwicklungs- und Laufbahnperspektiven gibt. Die Berufsgruppenvertretungen zeigten sich zudem besorgt, dass sie nur auf ihre jeweilige Erstausbildung reduziert würden.

Entscheidungen müssen fair und nachvollziehbar sein

Bis 2035 rechnet die Landeskirche bei Hauptamtlichen, Kaufkraft und Mitgliedern mit einem Rückgang um jeweils 40 Prozent. Die Landeskirche bereitet sich daher nach den Worten ihres Personalchefs Stefan Reimers auf massive Einschnitte vor und will den Einsatz der Hauptamtlichen grundlegend umstellen. "Verbindliche Teamarbeit ist unsere Antwort darauf, dass wir weniger werden", sagte der Oberkirchenrat dem Evangelischen Pressedienst (epd) in einem am Sonntag veröffentlichten Interview.

Künftig würden Stellen nur noch besetzt, wenn sie in multiprofessionellen Teams von mindestens fünf Vollzeitäquivalenten organisiert sind." Dazu gehören die Berufsgruppen Pfarrer, Diakone, Religionspädagogen, Pädagogen, Absolventen biblisch-theologischer Ausbildungsstätten sowie Kirchenmusiker. Der größte Vorteil liege darin, dass niemand mehr als Einzelkämpfer arbeiten müsse, sondern Aufgaben nach Begabungen und Schwerpunkten aufgeteilt werden könnten, sagte Reimers.

Erhebliche Herausforderungen der Kirche

Man erkenne an, dass die Landeskirche vor erheblichen finanziellen und strukturellen Herausforderungen stehe, heißt es im Positionspapier. "Gerade deshalb müssen die anstehenden Entscheidungen fachlich tragfähig, fair und nachvollziehbar sein." Kolleginnen und Kollegen hätten bereits über Jahre Aufgaben auf berufsgruppenübergreifend ausgeschriebenen Stellen übernommen, "ohne dass Qualifikation, Verantwortung und tatsächlicher Einsatz angemessen abgebildet und vergütet wurden". Hier bestehe Handlungsbedarf.

Geplant sei, dass alle Dekanatsbezirke ihre Beschlüsse zur Landesstellenplanung bis 2032 fassen müssen, sagte Reimers. Umgesetzt werden müssen die Beschlüsse bis Ende 2034.