Andreas Bönte war auf dem Höhepunkt seiner Karriere als Journalist und Moderator beim Bayerischen Fernsehen angekommen, als er von Angst- und Panikattacken überfallen wurde. Da war er Mitte 30. Nach einem dreimonatigen Klinikaufenthalt sagte bei einem Abendessen sein Onkel den entscheidenden Satz: "Deine Mutter würde diese Therapie nie machen, weil dann müsste sie ja zugeben, dass sich unser Vater das Leben genommen hat." Bönte wusste damals zwar schon, dass seine Probleme durch seine lieblose Kindheit herrührten. Doch da öffnete sich ein Abgrund, der noch weiter zurückreichte.
Die Existenz des Großvaters wurde völlig verschwiegen
Weder die Mutter, noch der Onkel sprachen über ihren Vater. Bald hatte Andreas Bönte herausgefunden, dass er ein glühender NS-Anhänger und sehr aktives SA-Mitglied war. Genaue Recherchen hob sich der Journalist aber für die Zeit auf, wenn Mutter und Onkel verstorben und er selbst im Ruhestand sein würde. Beides war im Mai 2025 erfüllt. Er begab sich auf eine neunmonatige Recherchereise, bei der er aufdeckte, dass sein Großvater an der Reichskristallnacht beteiligt war. Seine Mutter und der Onkel waren nach den strengen Prinzipien des 3. Reichs erzogen worden und hatten sicherlich kein besonders liebevolles Zuhause. Zwei Tage vor Weihnachten 1944 ging der Großvater in den Keller, wo er sich das Leben nahm. Seine damals 17jährige Tochter fand ihn.
Es ist kein Hass - es ist Verachtung
Andreas Bönte verachtet den Mann, der sein Großvater ist. Hass ist ihm zu stark, "dafür hätte ich ihn kennen müssen". Aber heute versteht er, warum seine Mutter unter Depressionen und ebenfalls Angstzuständen litt, warum er ohne Liebe aufwuchs. Nach dem Ende des 2.Weltkriegs war das ganze bisherige Lebenskonzept zerbröselt. Nichts vom bisher gelernten stimmte mehr. Und so konzentrierte sich eine ganze Generation auf den Wiederaufbau. Und schwieg. Heute ist bekannt, dass genau dieses Schweigen zu psychischen Problemen über mehrere Generationen führen kann.
Mit seinem Buch "Die Vergangenheit in mir" will Andreas Bönte nicht nur seine persönliche Familiengeschichte aufarbeiten. Er möchte andere dazu ermutigen, die eigene Geschichte ehrlich anzusehen, um diesen Teufelskreis zu durchbrechen.