Schweinfurt (epd). Ein brisantes Thema greift das Schweinfurter Museum Otto Schäfer in seiner ersten Ausstellung nach Corona-Zwangsschließung und Sommerpause auf. Unter dem Titel "Menschen-Kenntnis?" widme man sich den "Physiognomie"-Thesen des Pfarrers, Philosophen und Schriftstellers Johann Caspar Lavater (1741-1801), teilte das Museum für Buchkunst und Grafik am Mittwoch mit. In seinem Buch "Physiognomische Fragmente" (1775) hatte Lavater behauptet, man könne am Gesicht den Charakter, die Werte oder den Intellekt von Menschen erkennen.

Lavaters Thesen wurden schon damals lebhaft diskutiert - und blieben nicht unwidersprochen. An der Debatte beteiligten sich unter anderem auch Johann Wolfgang von Goethe oder Alexander von Humboldt. Lavater nutze als Hilfsmittel für seine physiognomische Analyse die Silhouette - also einem Schattenriss des menschlichen Kopfes. Im späteren 18. Jahrhundert entwickelte sich das gegenseitige "Physiognomieren" in Gesellschaft zur regelrechten Mode. In der Ausstellung sollen die Besucher nun zur Reflexion über Stereotype angeregt werden, hieß es.

Seit langem stellten sich Menschen die Fragen, wie ihr Äußeres auf andere wirke und was andere anhand des Erscheinungsbildes von einem denken. Nicht zuletzt die (Selbst-)Darstellungen in den Sozialen Medien hätten diesem Thema eine neue Qualität verliehen. Schließlich führten äußere Merkmale seit jeher auch zu rassistischen oder anders motivierten Ausgrenzungen. Die Schau wird an diesem Sonntag (19. September) mit einem "Tag der offenen Tür" im Museum eröffnet und wird bis zum 6. Februar kommenden Jahres zu sehen sein.

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