Nürnberg (epd). Auch im Rat der Religionen Nürnberg ist der Nahostkonflikt immer wieder Thema. Laut dem evangelischen Stadtdekan Jürgen Körnlein geschah dies etwa bei einer Aktion zum Frieden mit dem Künstler Johannes Volkmann. Man hatte eine vier Meter große Papiertüte, auf der die Frage "Was trage ich zum Frieden bei?" stand, sagte der Dekan dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Aktion sei durch die Religionsgemeinschaften gewandert, wo jeder auf einer normalen Papiertüte seine Antwort eintragen konnte. In einer Religionsgemeinschaft sei geschrieben worden: "Boykott gegen Israel".

"Wir haben dann im Vorstand gesagt, dass wir uns dem stellen, und haben ein moderiertes Gespräch konzipiert, wo muslimische und jüdische Jugendliche einander zuhören", sagte Körnlein. Dazu gehören demnach Fragen wie: "Warum, meinst du, trägt das zum Frieden bei?" oder "Was löst diese Antwort bei dir aus?". Das Pilotprojekt soll im Januar starten und später auch mit erwachsenen Gruppen durchgeführt werden. "Dort, wo Menschen sich wirklich wahrnehmen und nicht nur Argumente an den Kopf knallen, da entsteht etwas für unsere Gesellschaft. Da entsteht Menschsein, da wird die Würde des Menschen ernstgenommen", betonte der Dekan.

Gemeinsames Friedensgebet für Verständnis

Dies habe auch beim Konflikt rund um die Initiative "Parents Circle - Families Forum" geholfen, die 2025 den Nürnberger Menschenrechtspreis erhielt. Israelische und palästinensische Familien, die auch Kinder im Krieg verloren haben, setzen sich dort für den Frieden ein. Durch die Gespräche hätten "nach anfänglicher Skepsis alle mitgezogen und an der Preisverleihung teilgenommen", erzählte Körnlein. Dazu beigetragen habe auch ein interreligiöses Friedensgebet am Kubus der Religionen vor der Preisverleihung. "Wir haben miteinander für diese Brückenfunktion, für das Überschreiten von Grenzen gebetet."

Am 10. November feiert der Rat der Religionen Nürnberg sein zehnjähriges Bestehen im historischen Rathaus. Gegründet wurde die Vereinigung laut dem evangelischen Stadtdekan, um als Religionen eine Vertretung gegenüber dem Rathaus und gegenüber der Stadtöffentlichkeit zu haben. Dabei gehe es nicht darum, den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden, sondern "dass jede Religion in ihrer Ganzheit, in ihrer Schönheit gesehen wird". In den kommenden Jahren wolle man die Basis der Religionsgemeinschaften noch mehr einbeziehen und den Austausch mit anderen Räten der Religionen fortsetzen.