Eichstätt (epd). Eine Synopse zum alttestamentlichen Sirachbuch macht erstmals den direkten Vergleich von vier Sprachfassungen und einer deutschen Übersetzung des Textes möglich. Ein Forschungsprojekt unter Beteiligung der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) hat dafür die hebräische, griechische, lateinische und syrische Fassung des Sirachbuchs nebeneinandergestellt, heißt es in einer Mitteilung der Hochschule vom Donnerstag. Das 1.500 Seiten umfassende Werk in zwei Bänden ist im Göttinger Verlag Vandenhoeck und Ruprecht erschienen und soll auch im Open Access zugänglich sein.

"Die Synopse schließt eine lange bestehende Forschungslücke", sagte einer der Herausgeber, der emeritierte Alttestamentler an der KU, Burkard Zapff. Die Gegenüberstellung erleichtere die Arbeit zu sprachgeschichtlichen sowie theologischen Fragen und mache sichtbar, "wie ein antiker Text in verschiedenen Sprach- und Überlieferungskontexten weitergegeben, übersetzt, ausgelegt und zum Teil erweitert wurde". Elf Wissenschaftler hätten rund zehn Jahre lang daran gearbeitet. Weitere Herausgeber der Synopse seien die emeritierten Professoren Wolfgang Kraus (Neues Testament an der Universität des Saarlandes) und Heinz-Josef Fabry (Altes Testament an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn).

Hebräische Fassung mehr als 2.000 Jahre alt

Das Buch Jesus Sirach gehört der Mitteilung zufolge zu den Weisheitsschriften des Alten Testaments. Die Fassung in hebräischer Sprache gehe auf das Jahr 200 vor Christus zurück und wird dem jüdischen Gelehrten Jesus Sirach zugeschrieben. Inhaltlich gehe es sowohl um religiöse Reflexionen als auch um lebenspraktische Ratschläge zu Themen wie Bildung, Frömmigkeit, Freundschaft, Familie und gesellschaftlichem Verhalten. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hatte das Projekt mit rund einer halben Million Euro gefördert. Weitere finanzielle Unterstützung sei etwa von der KU, der Universität des Saarlandes und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg gekommen.