München (epd). Zum Jahrestag des Hamas-Überfalls auf Israel am 7. Oktober 2023 warnt die Konferenz der Europäischen Rabbiner (CER) vor einer weiteren Verschärfung der Lage für Juden in Europa. Jüdinnen und Juden an Universitäten, in der Kultur und im öffentlichen Leben müssten immer öfter erklären, wie sie zu Israel stehen, sagte CER-Präsident Pinchas Goldschmidt laut einer Mitteilung vom Mittwoch. "Sie sollen sich distanzieren, rechtfertigen oder Teile ihrer Identität ablegen, um akzeptiert zu werden." Das sei eine "gefährliche Entwicklung".

Juden müssten "frei, sichtbar und ohne Angst leben können, ohne Bedingungen", so Oberrabbiner Goldschmidt weiter. Stattdessen fließe Geld, das für Bildung, Jugend- oder Seniorenarbeit gebraucht würde, in Sicherheitsdienste, Kameras und Schutzmaßnahmen für jüdische Einrichtungen. "Wenn Juden vor Anschlägen geschützt werden müssen und zugleich das Gefühl bekommen, nicht mehr selbstverständlich dazuzugehören, dann läuft in Europa etwas grundlegend falsch." Die Konferenz der Europäischen Rabbiner (CER) mit Hauptsitz in München wurde nach eigenen Angaben 1956 in Großbritannien gegründet und tritt für die religiösen Rechte der Juden in Europa, für Religionsfreiheit und den interreligiösen Dialog ein.