Starnberg, Tutzing (epd). Die Kirchen sind nach Überzeugung des evangelischen Theologen und Publizisten Udo Hahn durch die Bibel dazu verpflichtet, sich politisch einzumischen. Gerechtigkeit, Frieden, Einsatz für die Armen und die Begrenzung der Macht durch das Recht seien kirchliche Anliegen, betonte der Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing im Rahmen der Langen Nacht der Demokratie am Samstagabend in Starnberg. Der Anspruch, Gesellschaft mitzugestalten, sei mit dem Christentum von Anfang an verbunden gewesen.
Die biblische Botschaft sei seit jeher politisch, sagte Hahn. Gott habe den Menschen als sein Ebenbild geschaffen. Das widerspreche jeder Ideologie, dass Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihres Geschlechts, ihrer Religion weniger wert seien als andere. Rechtsextremes Gedankengut sei daher mit christlicher Theologie unvereinbar. Das gelte für alle menschenfeindlichen Einstellungen etwa Rassismus, Sexismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und Homophobie. Christinnen und Christen hätten die Verpflichtung, gegen die Abwertung und Missachtung von Menschen einzutreten und deren Würde zu verteidigen.
Rechtsextreme instrumentalisieren christliche Werte für ihre Zwecke
Hahn warnte zugleich davor, dass rechtsextreme politische Kräfte christliche Traditionen und Werte für ihre Zwecke instrumentalisierten. Als Beispiel nannte er die Parole von der "Rettung des christlichen Abendlandes". Wenn Rechtspopulisten die christliche Religion für sich beanspruchten, geht es ihnen nach Hahns Einschätzung um politische Ziele wie die Einheit der Nation, die Gemeinschaft des Volkes oder die Beschwörung der eigenen kulturellen Größe. Um Frömmigkeit und eine an der Bibel orientierte Verantwortung gehe es dabei hingegen nicht.